Auf Konzerttour zum 80. Geburtstag: Paul Millns machte in Ansbach Station | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 17.10.2025 19:00

Auf Konzerttour zum 80. Geburtstag: Paul Millns machte in Ansbach Station

Paul Millns ist 80 Jahre alt geworden und bei seiner Geburtstagstournee besucht er die Orte, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. Die Kammerspiele Ansbach gehören dazu und am Donnerstag war er zum 15. Mal auf ihrer Bühne.

Der Begrüßungsapplaus ist schon so frenetisch, wie bei anderen Künstlern der Abschiedsapplaus. Es sind also Kenner gekommen, um nicht zu sagen jahrzehntelange Weggefährten. Millns spielt Blues-Piano und seine Abkömmlinge, also Boogie und Rock ’n’ Roll. Auf der anderen Seite ist er ein Singer-Songwriter der kleinen Gesten und Formulierungen.

Ingo Rau am Bass und Akkordeon

Wegen Krankheit fehlt Butcher Coulter (Bluesharp und Gitarre) und mit Ingo Rau ist nur der E-Bass und das Akkordeon vertreten. Mit letzterem hat er ganz große Auftritte, etwa bei „Thanks for the Photograph“, einer Ballade mit einem melancholischen Blues-Touch. Rau spielt den E-Bass und den Fretless-E-Bass, also eine Bauart mit einem Griffbrett ohne Bünde, die einen geschmeidigen, fast gesanglichen Ton ermöglicht.

Gerade bei den nachdenklichen Titeln kommen Millns Stärken besonders gut zur Geltung. Hier spürt man die Reife und Erfahrung seiner Jahre. „Give Me the Tune“ ist eine Anrufung seiner großen Musikvorbilder, zu denen Ray Charles und Nina Simone gehören. „Home for the Weekend“, eine sentimentale Folk-Blues-Nummer, die von einem jungen Mann handelt, der seine Freundin dem gealterten, alleinstehenden Vater vorstellt. Paul Millns erzählt, dass er sich früher als der junge Mann in dem Lied sah und jetzt als der alte Vater.

Zu Beginn spielt er Songs aus seinem aktuellen Album, „History of a Kiss“ oder das zeitkritische „Down in the Danger Zone“. Schnell und gerne kommt er auf die politischen Themen zu sprechen. Seine Meinung vertritt er mit deftigen Worten, wettert gegen den amerikanischen Präsidenten und in „Calling all Clowns“, einer harten Blues-Ballade, rechnet er mit den politischen Führern ab.

Klare Kommentare zum Zeitgeschehen

Kommentare zum Zeitgeschehen und zur Verantwortung der Gesellschaft sind nicht neu bei Paul Millns, schon sein 1975-er Song „Titanic“, den er auch wieder in Ansbach gespielt hat, macht das deutlich. Der Text fragt nach der Verantwortung, ist aber auch eine trotzige Hoffnung, dass der Lebenswille und die Hoffnung weitergehen, plus einer Warnung vor Überlegenheitsdenken. Die Zeile „There is always an iceberg out there“, bringt er es auf den kleinen, aber unübersehbaren Punkt.

Bei den letzten drei Titeln findet Paul Millns zu ganz anderen Inhalten, die ihn als altersweisen Mann zeigen mit drei Eigenschaften: Humor („You’re Old Enough to Know“), Dankbarkeit („Small Mercies“) und Liebe („When Love Comes Calling“).

In dieser letzten Zugabe, einer zärtlichen Ballade, kommt all das noch einmal zusammen, einschließlich seines augenzwinkernden Humors: „When love comes calling, you’ll better be at home“.

Zum 15. Mal in den Ansbacher Kammerspielen: Paul Millns. Das Publikum feierte den britischen Sänger, Songwriter und Pianisten schon zu Beginn frenetisch. (Foto: Martin Stumpf)
Zum 15. Mal in den Ansbacher Kammerspielen: Paul Millns. Das Publikum feierte den britischen Sänger, Songwriter und Pianisten schon zu Beginn frenetisch. (Foto: Martin Stumpf)
Zum 15. Mal in den Ansbacher Kammerspielen: Paul Millns. Das Publikum feierte den britischen Sänger, Songwriter und Pianisten schon zu Beginn frenetisch. (Foto: Martin Stumpf)

Von MARTIN STUMPF
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