Hau – Ruck. Sechs Männer hängen sich in die Seile und ziehen mit aller Kraft einen Streifen der Dachplane über das Gestänge des riesigen Festzelts auf dem Kapellenberg-Plateau. Symbolisch steht dieses Bild für das gesamte Edzerdla-Festival, das am Wochenende stattfindet. Knapp 150 Helfer packen an, damit die Veranstaltung gelingt.
Reges Treiben herrscht am Montag auf dem Kapellenberg. Während die einen das Zelt aufbauen, wird am Sportplatz der Rasen gemäht. Ein Laster fährt vor, auf der Ladefläche liegen Dutzende Bauzäune. „Die müssen auch noch aufgebaut werden“, sagt Markus Hegwein, der Leiter des städtischen Bauhofs. Seit dem Morgen, noch bis heute Abend, sind täglich rund zehn Mitarbeiter der Stadt und Ehrenamtliche mit dem Aufbau des Geländes beschäftigt.
Das Risiko, das Zelt bereits wie geplant am Freitag zu stellen, wollte man aufgrund des vorhergesagten und auch eingetroffenen Dauerregens am vergangenen Wochenende nicht eingehen. Zu groß wäre die Gefahr gewesen, dass eine Windböe eine Stange erfasst und ein Helfer zu Schaden kommt, sagt Annette Sauerhammer vom Organisationsteam.
Auf der mit Wasser getränkten Wiese wurden große Matten für die Anlieferung des Zeltes und der Bühnenteile ausgelegt. „Nicht, dass das dann aussieht als wären da Panzer durchgepflügt“, sagt Hegwein und lacht. Den zeitlichen Verzug konnte sein Team gut wieder einholen, die Bühne im Hauptzelt stand bereits am Montag und bis zum Start am morgigen Freitagabend kann der Boden im Zelt gut abtrocknen.
Annette Sauerhammer hatte das Festival 2016 mit dem Aischgründer Mundartdichter Helmut Haberkamm und dem Erlanger Markthändler Bernhard Engelhardt ins Leben gerufen. 2018 fand es letztmals statt, dann kam Corona. Beim dritten Festival profitiert man nun von der guten Vorarbeit . Die Planungen der zweiten Veranstaltung konnten nahezu übernommen werden, erzählt die Schwebheimerin, die heuer aus beruflichen Gründen viele Aufgaben abgeben musste.
Die seien bei den Mädels von der Stadt aber in den besten Händen. Wären die Frauen aus der Verwaltung nicht gewesen, wäre das Festival nicht zu stemmen gewesen, sagt Sauerhammer. Ihre 48 Helferstunden beim Festival selbst kriegt Sauerhammer aber freilich wieder voll. Das lässt sie sich auch nicht nehmen. Die Vorfreude merkt man der 50-Jährigen an, die immer wieder ins Schwärmen gerät, wenn sie von „Inselmomenten“ der vergangenen zwei Veranstaltungen erzählt.
Das Line-Up steht schon seit vielen Monaten, darum kümmert sich Helmut Haberkamm. Ohne ihn würde man viele Künstler auch gar nicht bekommen, weiß Sauerhammer. Man achte auf Abwechslung, wolle nicht immer die gleichen Interpreten und auch nicht solche, die man ohnehin schon überall sieht. Besonders gespannt ist sie auf den Sieger des Nachwuchs-Wettbewerbs, der sich dem Publikum vorstellen wird.
Dialekt ist für Sauerhammer eine Kultur, die gepflegt werden muss. Freilich versteht sie, dass der Bänker im Anzug in seinem Beruf nicht „drauflos babbeln“ kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das hindere ihn aber ja nicht daran, in der Freizeit Dialekt zu sprechen. „Mer derf doch hearn, wo mer herkummt.“ Dialekt habe immer noch den Ruf, altbacken zu sein, dabei könne man mit nur einem Wort so viel beschreiben: „Da brauchst du im Hochdeutschen einen ganzen Satz.“ Als Beispiel nennt sie den „Bfobferer“, einer, der ständig was zu meckern hat und eigentlich doch ganz zufrieden ist. „Es sind einfach in Buchstaben gepackte Emotionen“, schwärmt sie.
Bfobferer waren bei der Planung und Umsetzung nicht dabei. Alle hätten an einem Strang gezogen und sich eingebracht. Freiwillige zu finden sei kein Thema gewesen. Teils hätten sie sich schon selbst angeboten, als die Planungen noch gar nicht soweit waren. Der TSV Burgbernheim, dessen zweite Vorsitzende Sauerhammer ist, übernimmt den Verkauf von Kaffee, Kuchen und Cocktails. 60 Kuchen werden von den Eltern der Turnkinder gebacken. Die Schützen machen den Ausschank der Getränke, im Sportheim werden die Helfer versorgt.
Spezielle Betreuung gibt es auch für die Künstler. Den VIP-Bereich managen von Anfang an Andrea und Friedo Josch mit ihrem Helferteam. Bunte Tücher zieht Andrea Josch aus einer großen Kiste. Im Flur ihres Hauses steht die Deko schon bereit. Über den knapp einen Meter großen Buddha wischt sie schnell noch mal mit einem Lappen drüber, dann kann auch er verladen werden.
Haben die Joschs im Premierenjahr noch alles zusammensuchen müssen, und „das halbe Haus ausgeräumt“, so hat sich mittlerweile ein Fundus gebildet. 2016 sei das Künstlerzelt noch etwas familiärer am Kriegerdenkmal untergebracht gewesen, „heimelig zwischen den Bäumen“, gespült haben die Helfer vor Ort. Kabarettist Matthias Egersdörfer lobte 2016, dass er noch nie „so eine gute Backstage-Situation vorgefunden hat“, erzählt Friedo Josch. So ein Lob sei natürlich auch Ansporn.
Seit 2018 steht das VIP-Zelt hinter den Tennisplätzen, ein Spülmobil sorgt heuer für sauberes Geschirr, die gute alte Kaffeemaschine wurde durch einen Vollautomaten ersetzt.
Eine Umkleide für die Künstler, eine Couch zum Entspannen, verschiedene Snacks und Getränke – die Joschs und ihr Team versuchen, den Künstlern die Wünsche von den Augen abzulesen. Was sie wollen, das weiß Friedo Josch genau, denn der „zwei-mal-36-Jährige“ – darauf legt er Wert – ist selbst Musiker. Mit seiner Indie-Rock-Band Dissidenten trat er schon auf der ganzen Welt auf. Da habe er viel erlebt im VIP-Bereich.
Anspruchsvoll seien die Künstler am Kapellenberg nicht, findet seine Frau. „Die sind alle super-sympatico.“ Einmal habe einer auf ein Leberwurstbrot nach dem Auftritt bestanden, sagt die in Burgbernheim bei vielen bekannte Friseurmeisterin: „Dann sind wir halt los und haben ein Leberwoschdbrod besorgt.“
Auch heuer sind die vorab an die Stadt gesandten Wunschzettel relativ kurz, erzählt Felicitias Ittner aus der Verwaltung. Auf Diskretion legt sie Wert, einen Namen nennt sie deshalb nicht. Ein ganz bestimmter Gin, Bio-Rotwein, Senf, regionale Produkte in Bio-Qualität sowie ausgesuchte Biersorten stehen darauf.
Vieles finden Künstler und Besucher auch auf dem Regionalmarkt. Neben einem Imbiss können Festivalbesucher dort typisch fränkische Gerichte und vegane Alternativen essen, es gibt Eis, fränkisches Popcorn, fehlen dürfen auch nicht die „Brodwärschd“, wie Vize-Bürgermeister Stefan Schuster aufzählt.
Der hauptberufliche Polizeibeamte hat sich um das Sicherheitskonzept gekümmert. Auch er brauchte nur die Unterlagen aus der Schublade zu holen und Kleinigkeiten nachzujustieren. Mit seinem Einsatzroller düst er am Wochenende über das Gelände und hilft, wo Not am Mann ist. Per Funk sind er und Bürgermeister Matthias Schwarz stets mit den Einsatzkräften verbunden.
Die Evangelische Landjugend Burgbernheim, die am Wochenende darauf ihr 75-jähriges Bestehen feiert und dafür gleich das Festzelt nutzen kann, übernimmt die Nachtwache am Gelände und hat auch beim Aufbau mit angepackt. Das Rote Kreuz ist mit einer Station vor Ort.
Die Feuerwehren Burgbernheim und Schwebheim sperren Straßen und weisen Autofahrer ein. Die Zufahrt zum Kapellenberg ist für Fahrzeuge wie üblich gesperrt. Geparkt werden soll im Industriegebiet, ein Parkleitsystem lotst die Autofahrer durch die Stadt.
Drei Shuttlebusse verkehren zwischen Industriegebiet, Unterem Bahnhof, Marktplatz und Kapellenberg. Im ersten Jahr waren das noch große Omnibusse. Die konnten nicht bis zum Festivalgelände fahren, da sie nirgends wenden konnten. 20-Sitzer hätten sich 2018 bewährt, sagt Schuster und kommen auch heuer zum Einsatz. Und sollte zu ganz später Stunde noch einer eine Mitfahrgelegenheit nach unten brauchen, „dann haben wir auch dafür immer eine Lösung. In Burgbernheim hilft man zusammen.“ Hau – Ruck.