August-Blues und Sommer-Wehmut? Mit „Glimmern“ in den Herbst | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 31.08.2026 05:08

August-Blues und Sommer-Wehmut? Mit „Glimmern“ in den Herbst

Das Gefühl von Wehmut oder Melancholie am Ende des Sommers: Diesen August-Blues verspüren viele Menschen, wenn die Tage kürzer werden. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn)
Das Gefühl von Wehmut oder Melancholie am Ende des Sommers: Diesen August-Blues verspüren viele Menschen, wenn die Tage kürzer werden. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn)
Das Gefühl von Wehmut oder Melancholie am Ende des Sommers: Diesen August-Blues verspüren viele Menschen, wenn die Tage kürzer werden. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn)

War das wirklich schon der letzte Tag der Saison im Freibad? Abends geht's jetzt nur noch mit Jacke raus? Und ins Freiluft-Kino haben wir es nun gar nicht geschafft! Viele erleben Ende August und Anfang September, wenn sich der Sommer langsam verabschiedet, einen kleinen Stimmungs-Blues. 

Woher kommt das? Der Psychologin und Trainerin Nanni Glück zufolge spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Mit einer Jahreszeit gehe auch immer ein besonderes Lebensgefühl zu Ende, sagt sie. „Im Sommer ist man mehr draußen, fühlt sich freier, leichter, das Leben ist ein bisschen langsamer.“ Mit dem beginnenden Herbst heißt es nun, davon ein Stück weit Abschied zu nehmen.

Und: „Wir wissen, dass wir nur eine bestimmte Anzahl an Sommern auf dem Planeten verbringen - dass uns diese Endlichkeit so gezeigt wird, kann Traurigkeit auslösen“, sagt Glück.

Gleichzeitig kehren mit dem Ende des Sommers oft Alltag und Routinen zurück. „Da können gemischte Gefühle auftauchen“, so die Psychologin. Einerseits freue man sich auf das, was komme, andererseits spüre man einen inneren Widerstand: „Oh, jetzt alles wieder back to normal, das möchte man irgendwie auch nicht.“

Nicht zuletzt spielt die Neurobiologie eine Rolle: „Die Tage werden merklich kürzer, es wird früher dunkler, weniger Licht beeinflusst unseren Schlaf, unsere Aktivitäten“, fasst Glück zusammen. 

Gemischte Gefühle - nicht wegdrücken 

„Ich mag aber auch das Wort Wehmut“, so die Psychologin. Für sie stecken darin zwei Bewegungen. Das „Weh“ stehe für den Schmerz über das, „was jetzt eben nicht mehr ist“. Also Schmerz über etwas Schönes, das vorbei ist, aber auch über Dinge, die man im Sommer vielleicht gar nicht machen konnte. Auf der anderen Seite stecke in dem Wort auch der „Mut für das, was jetzt kommt“.

In aller Regel ist Wehmut zum Ende des Sommers ganz normal. „Das ist so ein bittersüßes Gefühl“, sagt Glück - und plädiert dafür, die Emotion nicht gleich wegzuschieben, wenn sie aufkommt oder einen für ein paar Tage begleitet. „Die Wehmut zeigt uns, was vergangen ist, was uns wichtig ist.“ 

Sie rät die „Vergänglichkeit als freundliche Lehrmeisterin zu sehen, die uns daran erinnert, dass alles vorübergeht“. Das könne helfen, in schönen Momenten präsenter zu sein. „Etwa, sich den Sonnenuntergang mal wieder durch die eigenen Augen anzusehen und nicht durchs Smartphone.“ Letztendlich sei es auch Teil unserer Lebendigkeit „im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben und zu schwingen“. 

Wenn ein Gefühl der Niedergeschlagenheit aber sehr lange anhält oder der Antrieb so gar nicht zurückkommen will, dann kann es Zeit sein, sich Hilfe zu holen.

„Fresh Start Effect“ - Alles neu macht der Herbst

Den Übergang der Jahreszeiten können sich Menschen ganz bewusst als Anlass für einen Neuanfang zunutze machen. In der Psychologie gibt es den „Fresh Start Effect“, so Glück: Bestimmte Zeitpunkte wie der Beginn einer Jahreszeit können uns motivieren, etwas zu verändern.

Dabei brauche es aber auch Routinen und ein Ziel, sagt die Psychologin. „Ein Neuanfang allein verändert noch nichts.“ Der Übergang könne jedoch ein guter Anlass sein, sich etwas vorzunehmen oder in etwas Neues hineinzufinden.

Hilfreich sei außerdem, die Vorfreude auf die neue Jahreszeit bewusst zu kultivieren. Das erste Kürbisrezept, eine Wanderung durch die Weinberge oder ein Abend mit Kerzenlicht und einem Buch: „Der Herbst bietet ja auch viele Dinge, die schön und positiv sind“, so Glück.

„Glimmer“ - kleine Glücksmomente im Herbst

Daneben spricht die Psychologin von sogenannten „Glimmern“, die als Glücksmomente im Alltag dienen können: Kleine angenehme Momente, in denen etwas Schönes passiert. „Für diese Glimmer muss man gar nicht so viel tun. Es gibt sie eigentlich schon. Entscheidend ist die innere Haltung, sie bewusst wahrzunehmen.“

Das könne bedeuten, den Tag möglichst bei Tageslicht zu beginnen, einen Kaffee auf dem Balkon zu trinken oder sich für kleine zwischenmenschliche Begegnungen zu öffnen. Ein Lächeln, ein freundlicher Blick oder ein kurzer Austausch könnten den Alltag aufhellen.

Auch die Natur bietet solche Elemente. „Wenn es geht, sollte man versuchen, mit allen Sinnen in die Jahreszeit einzutauchen“, rät die Psychologin. Die Verfärbung der Blätter, das veränderte Licht oder der sich verändernde Geruch der Luft - „würziger und erdiger“ - können laut Glück zu Glimmern im Alltag werden. Wer den Herbst bewusst sehe, rieche, höre und spüre, könne ihn als eigene, besondere Zeit erleben und nicht nur als die Abwesenheit des Sommers.

Krampfhaft schönreden müsse man sich den Wechsel allerdings auch nicht, betont Glück: „Die Wehmut darf sein, weil es ein Abschied ist - ein Sommer weniger in unserem Leben.“

© dpa-infocom, dpa:260831-930-607143/1


Von dpa
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