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Veröffentlicht am 23.03.2026 00:08

Aussaat planen: 7 Tipps für die eigene Anzucht

Die Qual der Wahl: Samentütchen verlocken, doch nicht alles passt am Ende in den Garten. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn)
Die Qual der Wahl: Samentütchen verlocken, doch nicht alles passt am Ende in den Garten. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn)
Die Qual der Wahl: Samentütchen verlocken, doch nicht alles passt am Ende in den Garten. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa/dpa-tmn)

Draußen beginnt es zu wachsen. Bunte Samentütchen für Blumen, Gemüse und Kräuter entwickeln eine magische Anziehungskraft. Was also tun? Kaufen und loslegen? Klingt plausibel, denn was man auf keinen Fall will, ist zu spät dran sein. Doch bevor es losgeht, heißt es planen und vorbereiten. Das ist der erste Schritt, damit es mit der eigenen Anzucht auch wirklich klappt.

1. Tipp: Weniger ist mehr

Die Verlockung ist groß, denn so ein Samentütchen ist klein und günstig. Eine Packung der Cocktailtomate, eine von der Salattomate und dazu Paprika, Chili, Zucchini, Petersilie. Steht man vor dem Samenregal, möchte man gern alles haben. Dabei vergisst man, wie viel Platz man auf der Fensterbank und später im Garten wirklich hat.

Und: Anzucht, Pflege und Ernte machen natürlich auch Arbeit. Der Tipp von Jora Dahl, Blumen-Designerin und Unternehmerin, lautet „Weniger ist mehr“. Schließlich ist in jedem Samentütchen nicht nur eine Pflanze. Alle Sämlinge wollen großgezogen werden und möchten den besten Platz im Garten. 

Also wählt man sich für ein Jahr ein knappes Dutzend an verschiedenen Pflanzen aus, um sie anzuziehen. Wenn etwas fehlt, dann findet man im Fachhandel oder auf dem Wochenmarkt auch noch Jungpflanzen, die man im Mai pflanzen kann.

2. Tipp: Der richtige Zeitpunkt

Es ist reicht vollkommen aus, wenn man Ende März mit der Aussaat beginnt. Gärtnermeisterin Hanna Strotmeier zufolge hängt der Zeitpunkt von der Art der Pflanze ab. Chili und Paprika brauchen mehr Zeit zum Keimen als Tomaten oder Gurken. Mit mehr Licht zum Frühlingsanfang kann man jetzt mit der Aussaat starten. 

Jora Dahl beginnt mit der Aussaat grundsätzlich erst zwischen Ende März und Anfang April. So wachsen die Sämlinge nicht nur zügiger, sondern man spart sich so außerdem das Umtopfen der Jungpflanzen und setzt sie direkt in die Beete. 

3. Tipp: Passendes Substrat und Gefäß

Das A und O für die Aussaat ist das richtige Substrat, sagt Hanna Strotmeier. Es sollte nährstoffarm sein und einen guten Wasserspeicher haben. Ebenso fördert eine luftige Struktur das Wachstum der Wurzeln. Am besten man verwendet ein entsprechendes Produkt aus dem Fachhandel. Selbsthergestellte Substrate sollten unbedingt vor dem Gebrauch sterilisiert werden. 

Gut geeignet sind Gefäße und Schalen, die Abzugslöcher für überschüssiges Gießwasser haben. „Besonders gut eignen sich Schalen oder Anzuchtplatten mit einer Abdeckung“, so die Gärtnermeisterin. Das hat den Vorteil, dass die Aussaat vor Austrocknung geschützt ist und das Klima das Wachstum fördert. 

4. Tipp: Der ideale Standort

Temperatur und Licht sind zwei wichtige Faktoren für die Keimung und das anschließende Wachstum. Direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden, aber dennoch sollte man einen hellen Platz bereithalten: „Es ist wichtig, dass die Pflanzen, nachdem sie ihre Keimblätter gebildet haben und auch nach dem Vereinzeln, hell stehen“, sagt Hanna Strotmeier. So bleiben sie kompakter und wachsen nicht in die Länge. 

Auf jeder Samentüte gibt es eine Angabe zur optimalen Keimtemperatur. Die sollte Tag und Nacht eingehalten werden, damit sich aus den Samen nicht nur rasch, sondern auch gleichmäßig Pflanzen entwickeln. Anschließend sollte die Temperatur nicht zu hoch sein, denn auch die Kombination aus zu viel Wärme und zu wenig Licht kann dazu führen, dass die Pflanzen „vergeilen“, also lang und schwach wachsen. 

Je später man mit der Aussaat beginnt, desto eher können die Pflanzen auch im Garten großgezogen werden. Wer beispielsweise in einem Frühbeet Platz hat, kann es für die Anzucht gut nutzen.

5. Tipp: Gute Pflege von Anfang an

Eine gleichmäßig leicht feuchte, keinesfalls nasse Erde ist das A und O für ein gutes Wachstum. Bei der Anzucht in der Wohnung kann es sein, dass die Sämlinge so dicht stehen, dass sie vereinzelt werden müssen. Ideal ist der Zeitpunkt, wenn man die Keimblätter gut greifen kann. Die Wurzelspitze beim Umsetzen mit den Fingerspitzen abknipsen, damit sie sich gut verzweigen. 

Für die Reihenaussaat bei Gemüse im Freiland empfiehlt Hanna Strotmeier: „Bei Pflücksalat, Möhren, Zwiebeln oder Spinat vereinzelt man, indem man so viele Pflanzen wegzieht, dass sich der Rest gut entwickeln kann“. 

Jora Dahl rät, zwei bis drei Wochen nach der Keimung in sehr schwacher Dosierung mit dem Düngen zu beginnen. Dazu am besten einen Flüssigdünger verwenden, der dem Gießwasser beigefügt wird.

Wer die Sämlinge in der Wohnung stehen hat, nutzt häufig ein Zimmergewächshaus. Dabei bleibt die Luftfeuchtigkeit konstant hoch. Jora Dahl zufolge kann sich in diesem Klima ein Schimmelbelag auf der Erde bilden, der als weißer Schleier zu erkennen ist. Daher rät sie tagsüber zweimal zu lüften oder gänzlich auf die Abdeckung zu verzichten. In diesem Fall muss man häufiger sprühen und die Keimung kann etwas länger dauern. 

Kippen die Sämlinge um, liegt das häufig an einer zu nassen Erde und einem zu dunklen Standort. Hanna Strotmeier weist darauf hin, dass es sich auch um eine Pilzinfektion handeln kann. „Die geschädigten Sämlinge entfernt man, und das Aussaatgefäß mit den übrigen Pflanzen wird heller und trockener gestellt“, rät die Gärtnermeisterin.

6. Tipp: Vor dem Auspflanzen abhärten 

Die Pflanzen, die im Haus angezogen werden, sollten langsam abgehärtet werden. Sie kommen also vorübergehend ins Freie. Ideal sind dafür bedeckte Tage, damit sich die Blätter an das direkte Sonnenlicht gewöhnen können.

Außerdem empfiehlt Hanna Strotmeier tagsüber eine Temperatur von 15 Grad Celsius. Gegen Abend holt man die Pflanzen wieder ins Haus. Nach einiger Zeit bleiben die Pflanzen draußen und werden mit Vlies geschützt. Allerdings sollte es auch nachts nicht kälter als 13 Grad Celsius werden.

7. Tipp: Ins Freiland setzen

Nach den Eisheiligen Mitte Mai können die selbst gezogenen Pflanzen ins Beet umziehen. Wenn die Anzuchttöpfe gut durchwurzelt sind, müssen sie gegebenenfalls nochmals umgetopft werden. So wird das Wachstum nicht unterbrochen. Jora Dahl betont in diesem Zusammenhang: „Man sollte einfach nicht zu früh mit der Anzucht beginnen“, und ergänzt, dass auch im April gesäte Blumen ab Mitte Juli in der Blüte sind.

© dpa-infocom, dpa:260322-930-852155/1


Von dpa
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