Ausstellung in Dinkelsbühl: „T4 – Namen, die uns mahnen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.01.2025 10:00

Ausstellung in Dinkelsbühl: „T4 – Namen, die uns mahnen“

Bei der Eröffnung der Ausstellung „T4 – Namen, die uns mahnen“ in der Dinkelsbühler St.-Pauls-Kirche wirkten (von links) Diakoneo-Archivleiter Matthias Honold, Andrea Beranek, die Koordinatorin für Erwachsenenbildung bei Diakoneo, Sabine Söder von den Offenen Hilfen in Oettingen, Dekan im Ruhestand Uland Spahlinger, Musikstudentin Franka Böhm und Regionalbischöfin Gisela Bornowski mit. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Bei der Eröffnung der Ausstellung „T4 – Namen, die uns mahnen“ in der Dinkelsbühler St.-Pauls-Kirche wirkten (von links) Diakoneo-Archivleiter Matthias Honold, Andrea Beranek, die Koordinatorin für Erwachsenenbildung bei Diakoneo, Sabine Söder von den Offenen Hilfen in Oettingen, Dekan im Ruhestand Uland Spahlinger, Musikstudentin Franka Böhm und Regionalbischöfin Gisela Bornowski mit. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Bei der Eröffnung der Ausstellung „T4 – Namen, die uns mahnen“ in der Dinkelsbühler St.-Pauls-Kirche wirkten (von links) Diakoneo-Archivleiter Matthias Honold, Andrea Beranek, die Koordinatorin für Erwachsenenbildung bei Diakoneo, Sabine Söder von den Offenen Hilfen in Oettingen, Dekan im Ruhestand Uland Spahlinger, Musikstudentin Franka Böhm und Regionalbischöfin Gisela Bornowski mit. (Foto: Friedrich Zinnecker)

Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in der Dinkelsbühler St.-Pauls-Kirche die Ausstellung „T4 – Namen, die uns mahnen“ eröffnet worden. Erinnert wird an die Ermordung von Menschen mit Behinderung im Dritten Reich.

„Wir können das nicht hinter uns lassen“, betonte Uland Spahlinger, der zusammen mit Andrea Beranek, Koordinatorin für Erwachsenenbildung bei Diakoneo Neuendettelsau, eingangs auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 80 Jahren einging.

Der Dekan im Ruhestand zitierte aus einem Artikel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, in dem dargestellt werde, dass Inklusion für AfD-Funktionäre ein „Belastungsfaktor“ sei. Auch bezüglich der Paralympics und der „Tagesschau in einfacher Sprache“ habe es Diffamierungen gegeben.

Unmissverständlicher Appell

Die Schirmherrin der Wanderausstellung, Regionalbischöfin Gisela Bornowski, hielt ein flammendes Plädoyer für die Menschenwürde. „Nie wieder ist jetzt!“, so lautete ihr unmissverständlicher Appell. Die Bezeichnung „T4“ geht auf die Tiergartenstraße 4 in Berlin zurück, von wo aus der Mord an Menschen mit Behinderung organisiert worden ist. Bornowski gedachte der 270.000 Menschen mit Behinderung, die im Dritten Reich hingerichtet wurden.

Über 1000 Bewohnerinnen und Bewohner diakonischer Einrichtungen in Neuendettelsau und Schwäbisch Hall sind zwischen 1939 und 1945 der „Euthanasie“ zum Opfer gefallen. Die der Diakonie anvertrauten Menschen hätten nicht ausgeliefert werden dürfen, so Bornowski. Aber ihr Leben sei von den Nazis als „unwert“ klassifiziert worden, so dass sie systematisch vernichtet wurden.

Bornowski sprach auch die in jüngster Zeit verübten abscheulichen Verbrechen an. Sie wolle Distanz halten zur Dämonisierung islamischer Einwanderer und jedes Leben begleiten, schützen und bewahren, sagte die Regionalbischöfin.

Die Ausstellung solle für die unverletzliche Würde des Menschen sensibilisieren. Jesus habe sich an die Seite der Opfer gestellt, aber nach seinem grausamen Tod am Kreuz habe er durch die Auferstehung die Menschenwürde zurückgewonnen, so Bronowski mit Blick auf das Kreuz am Altar.

Ausstellung bereits 2020 konzipiert

Matthias Honold, der Leiter des Archivs von Diakoneo, berichtete, dass die Ausstellung bereits 2020 konzipiert worden war. 80 Jahre vorher, also 1940, hätten die Verlegungen von Menschen mit einer Beeinträchtigung begonnen. Von den 1700 Menschen in Neuendettelsau, Polsingen, Bruckberg, Himmelkron und Engelthal wurden über 1200 in Staatliche Heil- und Pflegeanstalten verlegt. Der Großteil starb durch Vernachlässigung oder wurde in Tötungsanstalten vergast. Hitlers Kanzleiführer und sein Leibarzt organisierten auf Befehl des Führers das „Ausmerzen lebensunwerten Lebens“.

Zu sehen sind zwölf lebensgroße Silhouetten, die Texttafeln tragen. Informiert wird über unterschiedliche Aspekte des Massenmords an Menschen mit Behinderung.

Bei der Eröffnung der Schau sprachen Andrea Beranek und Sabine Söder von den Offenen Hilfen in Oettingen ein Gebet. Für die musikalische Umrahmung sorgte Studentin Franka Böhm mit ihrer Klarinette. Sie widmete ihre Musik den Menschen, denen die Teilhabe am Leben verweigert wurde.

Die Ausstellung „T4 – Namen, die uns mahnen“ ist bis Freitag, 14. Februar, in der St.-Pauls-Kirche zu sehen und täglich von 9 bis 17 Uhr (außer zu Gottesdienstzeiten) zugänglich.


Von Friedrich Zinnecker
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