Bad Windsheim: Unfassbares Leben auf der Schattenseite | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.10.2024 13:30

Bad Windsheim: Unfassbares Leben auf der Schattenseite

Bettina von der Börde (Mitte, Andrea Voraus) drückt die Kündigungen gegenüber Theresa Küppers (Angelika Teufel), Alfred Wollseif (Thomas Fischer), Gabriela Morgenstern (Özlem Dogan) und Marie Feigel (Marion Schneller) (von links) knallhart durch. (Foto: Helmut Meixner)
Bettina von der Börde (Mitte, Andrea Voraus) drückt die Kündigungen gegenüber Theresa Küppers (Angelika Teufel), Alfred Wollseif (Thomas Fischer), Gabriela Morgenstern (Özlem Dogan) und Marie Feigel (Marion Schneller) (von links) knallhart durch. (Foto: Helmut Meixner)
Bettina von der Börde (Mitte, Andrea Voraus) drückt die Kündigungen gegenüber Theresa Küppers (Angelika Teufel), Alfred Wollseif (Thomas Fischer), Gabriela Morgenstern (Özlem Dogan) und Marie Feigel (Marion Schneller) (von links) knallhart durch. (Foto: Helmut Meixner)

„Am Ende der Straße“, eine Dramödie in drei Jahreszeiten von Levent Özdil, erzählt die Geschichte über das Leben und dessen Wendungen, über Verluste, Freiheit und Gewohnheiten. Am Donnerstag feierte das Stück Premiere im Bad Windsheimer Bonifatiushaus.

Rauswurf aus Wohnungen droht

Es ist die Geschichte der Bewohner einer Straße, deren Häuser in naher Zukunft alle saniert werden sollen. Der Rauswurf aus den Wohnungen droht. Die Menschen sind verzweifelt und stellen sich die berechtigte Frage: „Wie wird es für mich künftig weitergehen?“

Am Donnerstagabend wurde das Theaterstück, gekennzeichnet von Höhen und Tiefen, über eine eine Straße, in der Menschen, die von anderen wenig oder längst nicht mehr wahrgenommen werden, ihre Heimat haben, erstmals aufgeführt.

Nachdenkliches Publikum

Nachdenklich geht es nicht nur auf der Bühne zu. Das Stück von Levent Özdil berührt spürbar das Publikum. Vieles, was sich im Kiosk von Alfred „Alfie“ Wollseif (Thomas Fischer) zuträgt, mutet auf den ersten Blick schräg und seltsam, ja mitunter sogar lustig an. Doch das Leben auf der Schattenseite der Stadt erweist sich als weit tiefgründiger und auf eine gewisse Weise sogar unfassbar.

Der Kiosk als Zufluchtsort

Alfies Kiosk ist Zufluchtsort für die Bewohner der Straße. In dem kleinen Laden, der in einem heruntergekommenen Hauses liegt, trifft man sich regelmäßig, um Sorgen, Hoffnungen und Träume zu teilen. Als die Menschen die Hiobsbotschaft erreicht, binnen eines Jahres ausziehen zu müssen, überschlagen sich die Ereignisse. Für viele stellt der Umzug eine persönliche Katastrophe dar: Für den Musiker Georg Windisch (Christian Glowatzki), dessen Klavier nur in das eine Zimmer passt. Für die trauernde Marie Feigel (Marion Schneller), die ihre Tante über Jahrzehnte hinweg bis in den Tod hinein aufopferungsvoll gepflegt hat. Für Theresa Küppers (Angelika Teufel), die nur in ihrer Wohnung richtig schlafen kann, und nicht zuletzt für die Putzfrau Gabriela Morgenstern (Özlem Dogan), die sich aus finanziellen Gründen keine andere Wohnung leisten kann.

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Wutentbrannt erheben sie sich gegen Bettina von der Börde (Andrea Voraus), die das Schicksal der Hausbewohner aber in keinster Weise beeindruckt, und die im Auftrag der Hausverwaltung die Kündigungen durchdrücken will.

In einer Traumwelt verharrt

Alfie, dem Alkohol längst verfallen, hält, obwohl sich die Wirklichkeit um ihn herum dramatisch verändert, an vertrauten Routinen fest. Hier das tägliche Los für Siegfried Ehrmann (Thomas Spyra). Dort der Umgang mit seiner an Demenz erkrankten Mutter (Christl Spyra). Und zu guter Letzt die schrille und in einer Traumwelt verharrende Corinna (Tanja Hoops).

Ein Neubeginn bahnt sich an

Neben persönlichen Veränderungen bahnt sich mit dem Erscheinen einer geheimnisvollen jungen Frau (Luise Hagedise Bernburg) und von Wanda (Nicole Paskow), einer alten Freundin von Alfie, nicht zuletzt aber auch ausgelöst durch den Tod eines Akteurs, Schritt für Schritt ein Neubeginn bei den Menschen „Am Ende der Straße“ an.

Alles in allem eine zutiefst menschliche Geschichte, die mitreißt und inspiriert und die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

Aufgeführt wird das Stück noch am 31. Oktober, sowie am 1., 2., 8. und 9. November. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr im Bonifatiushaus am Hainserwall 3.


Von Helmut Meixner
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