Bad Windsheim: Wolfgang Buck nimmt kein Blatt vor den Mund | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.02.2026 14:30

Bad Windsheim: Wolfgang Buck nimmt kein Blatt vor den Mund

Verpackt Weisheiten mit Humor und warnt eindringlich vor der AfD: der fränkische Liedermacher Wolfgang Buck. (Foto: Martin Stumpf)
Verpackt Weisheiten mit Humor und warnt eindringlich vor der AfD: der fränkische Liedermacher Wolfgang Buck. (Foto: Martin Stumpf)
Verpackt Weisheiten mit Humor und warnt eindringlich vor der AfD: der fränkische Liedermacher Wolfgang Buck. (Foto: Martin Stumpf)

Sechs Tage vor der eigentlichen Premiere in Erlangen hat die Reihe „Kultur im Ochsenhof“ es geschafft, Wolfgang Buck am Samstag zu einer Vorpremiere zu verpflichten. Ausverkauftes Haus, stolzer Veranstalter, begeistertes Publikum. Alles paletti, oder?

Jein. Denn „immerweider“ trägt schon mit einer feinen Sprachnote eine dunkle Note der Unsicherheit in sich. Wird die Gleichförmigkeit beklagt oder soll getröstet werden? Also: „Es geht immer so weiter“ oder „Es wird weitergehen“? Hier blitzt bereits die besondere Fertigkeit Bucks auf, Dinge fein und mehrdeutig zu formulieren. Er meint beides und wird deutlicher als früher. Nie war die Spreizung zwischen Humor, Weisheit und Warnendem so groß.

Ein echter „Dübb”

Buck ist nach wie vor „a echder Dübb“, einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt und das Herz am richtigen Fleck hat. Am richtigen, wohlgemerkt, und nicht am rechten. Da kennt er kein Pardon. Schon früher hat er Themen wie Altnazis und Revanchismus behandelt. Daran knüpft er an mit „Frieher“, wo sich „pariert“, „betoniert“ und „einmarschiert“ aufeinander reimen. In dem ebenfalls neuen Lied „Deader“ benennt er Ungerechtigkeiten: die Kleinen ausnehmen und es den Großen geben und „Bierzeltlügner“, die in der Beliebtheit vor Klimaforscher rangieren.

Explizite Warnungen spricht er bei „Ned in Schwarzweiß“ aus. Gemeint ist, dass in Farbe zu erleben sein wird, wenn die AfD ihre Ankündigung von „wohltemperierter Grausamkeit“ wahr macht. „Wir werden alle draa sei“, sagt er, und es wird gehen gegen die „Bühne, die Kanzel, die Richter und Journalisten, die Bibelausleger und die Woken“. Die Liste geht weiter: Muslime, Juden und Spinner. Und die Warnung lautet: „Überlegt’s aich guad“.

Mit den Worten „Nicht habt Angst, sondern fürchtet euch nicht“ leitet er über zu dem neuen Titel „Ned färchdn“. Als hätte er Sorge um das seelische Wohlergehen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Putin und Trump, sie „ferchd sie mer wie ihr“ und zwar vor „Liebe, Vertrauen, Humanitas“.

Musikalisch erleben wir einen Buck mit variablem, picobello Klang. Dazu tragen drei Gitarren bei – neben einer in Normalstimmung eine in Open D und eine tiefer gestimmte – sowie gut gewählte Schlagmuster und stellenweise auch klassisches Folkpicking. Die Abmischung ist perfekt, und das Volumen schafft einen satten, raumangepassten Sound.

Immer wieder interessant sind Bucks halbernste Sprachbeobachtungen. Etwa, dass das Fränkische die einzige Sprache ist, bei der Tatsachen im Konjunktiv mitgeteilt werden: „Ich wär dann do.“ In „Hä?“ breitet er wieder herrliche fränkische Klangphrasen aus und auf den Klamauk folgen mit „Des ledzde Hemmerd“ große Weisheiten.

Auch Buck-Klassiker kommen zu ihrem Recht

Auch Klassiker des Repertoires wie „Gemmeraweng“ und „Hammerned“ kommen zu ihrem Recht. Ganz zu schweigen von den drei Zugaben. In „Sambesi“ wird der Aisch-Grund mit der Stimmung am Sambesi verglichen. Als wäre das vor 25 Jahren veröffentlichte Lied genau für diesen Abend gemacht worden. Da leuchten die Aischgründer Herzen und das der „Wagnertanzgilde 1560 Spielmanns- und Fanfarenzug Bad Windsheim“ als Veranstalter sowieso.

Die zweite Vorstellung nach der Erlanger Premiere von „immerweider” am 27. Februar spielt Wolfgang Buck am 7. März im Musiksaal der Schule Dietehhofen. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und wird vom Verein Kulturreihe Dietenhofen veranstaltet.


Von MARTIN STUMPF
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