Heute ist es oft das Computerspiel „Minecraft“ – vor 200 Jahren waren es Bauklötze: Eigene Welten erschaffen oder Berühmtes nachbilden, das fasziniert seit Generationen große und kleine Menschen. Das Knauf-Museum Iphofen präsentiert in einer Sonderausstellung die „Vielfalt der Norm – Baukästen im Laufe der Jahrhunderte“.
Auch wenn die Jugend heute lieber am Smartphone „daddelt“ statt selbst mit den Händen zu basteln, das Prinzip ist noch immer das alte. Im interaktiven Ausstellungskonzept des Knauf-Museums sind all diese Welten versammelt. Die Besucherinnen und Besucher können sich an den vielfältigen Mitmachstationen selbst als Baumeister versuchen – digital oder real. Dabei führt die neue Ausstellung die historische Entwicklung der Baukästen bis heute lebendig vor Augen.
Zum wiederholten Mal hat man in Iphofen Kontakt zur Familie Kube vom Schloss Sugenheim aufgenommen, das seit vielen Jahren ein liebevoll eingerichtetes Spielzeugmuseum beherbergt. Aus der Sammlung haben Manuela und Jan Kube rund 80 Baukästen aus Holz, Stein, Metall und Kunststoff aus der mehr als 200-jährigen Geschichte herausgesucht, in der sie das Spielzeug für Kinder schlechthin waren.
Dabei gibt es weitaus mehr als Lego zu entdecken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beispielsweise hat Karl Max Seifert den „Dresdner Garten-Bau-Kasten“ auf den Markt gebracht – mit Elementen aus Stein. Maschinen zum Fahren aus Metall konnte man ab etwa 1950 mit dem Metallbaukasten „Titan“ der Firma Wilhelm Friess aus Schwäbisch Hall nachbauen.
Kran, Flugzeug, Hubschrauber oder Lastwagen mit Anhänger brachte „Franken Plastik“ 1961 mit einem Kunststoffbaukasten auf den Markt. Jede Menge fahrbare Untersätze waren mit Hilfe des Holzbaukastens „Baut mit!“ möglich, der von Spear & Söhne um 1932 in Nürnberg-Doos aufgelegt wurde. Wer es historisch einwandfrei wollte, konnte die historische Stadtbefestigung von Nördlingen inklusive Mauern und Georgskirche nachbauen.
Unter den Kästen findet man Leihgaben sowohl bekannter Marken als auch einige Raritäten. Deutlich wird zudem, dass die Baukästen verschiedene Schwierigkeitsgrade vom einfachen Bauklotz über Stecksysteme bis hin zum Spezialbaukasten aufweisen. Mit der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts forderten die Hersteller immer mehr die technische und handwerkliche Kompetenz der Spieler.
Somit wurden die Baukästen nicht nur zum Zeitvertreib genutzt, sondern ließen konstruktive Vorstellungskraft und Kreativität wachsen. Beim Spielen konnte man also gleichzeitig lernen.
Die ersten Baukästen wurden um 1800 im Spielwarenkatalog des Georg Hieronimus Bestelmeier erwähnt und enthielten Klötze aus Holz. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt auch der Pädagoge Friedrich Fröbel die erzieherisch wertvollen, meist hölzernen „Spielgaben“. So richtig populär wurden die Baukästen aber erst ab dem Jahr 1882 mit der Erfindung des Anker-Steinbaukastens mit Kunststeinen.
1915 kam der hölzerne Schweizerbaukasten von Carl Zweifel in Mode, 1949 dann die steckbaren Legosteine aus Kunststoff. Weiterentwicklungen sind etwa die Systeme Baufix, Fischertechnik oder Plasticant. Doch auch technische Experimente können mit speziellen Baukästen nachgebaut werden, wie zum Beispiel mit den Metallbaukästen von Märklin.
Wer in diesen Tagen ins Knauf-Museum kommt, kann sich sowohl die bereits seit ein paar Monaten laufende Schau „Glanz & Geheimnis“ mit Schmuck des Orients anschauen als auch bei der neuen Sonderausstellung selbst tätig werden. Bereits jetzt haben sich die Gäste bei fantasievollen Konstruktionen kreativ ausgetobt.
Geöffnet ist das Knauf-Museum in Iphofen während der Saison immer dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie an Sonntagen von 11 bis 17 Uhr.