Baumgart-Beben bei Union macht Eta zur Premierenfrau | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 12.04.2026 00:38, aktualisiert am 12.04.2026 12:09

Baumgart-Beben bei Union macht Eta zur Premierenfrau

Sie soll es wieder richten: Marie-Louise Eta. (Archivbild) (Foto: Andreas Gora/dpa)
Sie soll es wieder richten: Marie-Louise Eta. (Archivbild) (Foto: Andreas Gora/dpa)
Sie soll es wieder richten: Marie-Louise Eta. (Archivbild) (Foto: Andreas Gora/dpa)

Das erste Training nach der abrupten Beförderung von Marie-Louise Eta zur Chefin an der Linie von Union Berlin leitete am Sonntag noch Assistenztrainer Sebastian Bönig. Doch schon am kommenden Samstag wird die 34-Jährige für eine weitere historische Premiere in der Fußball-Bundesliga der Männer sorgen. Nach dem überraschenden Aus von Steffen Baumgart bei seinem Herzensclub wird im nächsten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky) erstmals eine Frau im Oberhaus als Cheftrainerin an der Seitenlinie stehen. 

„Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut. Eine Stärke von Union war und ist es, in solchen Situationen gemeinsam alle Kräfte zu bündeln“, sagte die gebürtige Dresdnerin, „und natürlich habe ich die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen.“ Der Schritt sorgte europaweit für Aufsehen. Es ist auch in den fünf Top-Ligen des Kontinents ein Novum.

Champions-League-Siegerin mit Turbine Potsdam

Für die 34-Jährige ist es die zweite Premiere. Von November 2023 bis Mai 2024 war sie die erste Co-Trainerin in der nationalen Eliteklasse und der Champions League, nachdem sich der Verein von Erfolgstrainer Urs Fischer getrennt hatte. Die Wertschätzung für sie in der Club-Führung ist riesig.

Eta gewann als Spielerin mit Turbine Potsdam dreimal die deutsche Meisterschaft und 2010 den Titel in der Champions League. Bereits mit 26 Jahren musste sie ihre aktive Karriere aufgrund mehrerer Verletzungen aufgeben und stürzte sich voller Elan in die Laufbahn als Trainerin. Zuletzt betreute sie bei Union die U19-Junioren. Eta wird am Dienstag das öffentliche Training der Profis um 11.00 Uhr leiten.

„Ich freue mich, dass Marie-Louise Eta sich bereit erklärt hat, diese Aufgabe interimistisch zu übernehmen, bevor sie im Sommer wie geplant Cheftrainerin der Profimannschaft der Frauen wird“, sagte Union-Geschäftsführer Horst Heldt über die zeitlich limitierte Aufgabe von Eta, deren Mann Benjamin die zweite Frauen-Mannschaft des ungeliebten Rivalen RB Leipzig trainiert.

Premiere beim wegweisenden Spiel

Das Aus von Baumgart kam überraschend - und das nicht nur, weil es Samstagnacht kurz vor Mitternacht offiziell wurde. Union hat fünf Spieltage vor Saisonende sieben Zähler Vorsprung vor dem Relegationsplatz, der erste direkte Abstiegsrang ist gar elf Punkte entfernt. Mit einem Sieg über den kommenden Gegner aus Niedersachsen, der den vorletzten Platz bekleidet, hätte Union die direkte Abstiegsgefahr gebannt.

Angesichts dieser Ausgangsposition wirkt die Demission des gebürtigen Rostockers, der im Januar 2025 als Nachfolger von Bo Svensson engagiert wurde, rätselhaft. Erst im Januar hatte Geschäftsführer Horst Heldt den Vertrag des 54-Jährigen vorzeitig verlängert. Doch seitdem sind die Köpenicker übel abgestürzt.

Auch Heldt steht unter Druck

Für den Geschäftsführer beginnt nun die bereits dritte Suche nach einem Übungsleiter in seiner knapp zweijährigen Amtszeit bei den Köpenickern. Auch Heldt steht unter Druck. Viele seiner Transfers fruchteten nicht und schon der zweite von ihm geholte Trainer muss jetzt nach einer monatelangen Negativserie gehen.

„Zwei Siege aus vierzehn Spielen seit der Winterpause und die gezeigten Leistungen in den letzten Wochen geben uns nicht die Überzeugung, dass uns eine Trendumkehr in der bisherigen Konstellation noch gelingt“, begründete Heldt die Entlassung des Trainers, der nach dem vorzeitigen Aus beim Hamburger SV nun bei seinem zweiten Lieblingsverein gescheitert ist. 

Auch Baumgarts Assistenten Danilo de Souza und Kevin McKenna müssen gehen. Das Trio war am Sonntag noch in der Alten Försterei vorgefahren, um sich rund um das Regenerationstraining herum von der Mannschaft zu verabschieden.

Es war immer klar, dass das Erbe von Urs Fischer, der den Club aus der Zweiten Liga in die Königsklasse führte, schwer wiegen würde. Keiner seiner Nachfolger vermochte es, den klassischen Union-Fußball ähnlich erfolgreich zu machen - oder ihn entscheidend weiterzuentwickeln.

Trotz der 1:3-Niederlage beim weiter abgeschlagenen Tabellenschlusslicht 1. FC Heidenheim war nach der Partie kein Wort in Richtung Demission des einstigen Union-Spielers und Fan-Lieblings gefallen. „Es ist immer ein schlechter Tag, wenn man einen Trainer entlassen muss“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler, der sich am Sonntagvormittag mit Heldt und Kommunikationsdirektor Christian Arbeit im Forsthaus zusammensetzte. 

Etas Einsatz in den letzten fünf Saisonspielen gibt den Verantwortlichen Zeit bei der Trainersuche. Mit dabei im Kandidatenkreis könnte auch die Platzhalterin selbst sein, die im Sommer eigentlich das Frauenteam übernehmen soll. Doch bei einem erfolgreichen Abschneiden in den kommenden Begegnungen könnte sie sich als beste Lösung entpuppen und ihre Premierenzeit in der kommenden Spielzeit auszubauen.

© dpa-infocom, dpa:260411-930-932877/5


Von dpa
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