Das Ziel ist klar: Älteren Menschen soll das Wohnen im vertrauten Umfeld so lange es geht ermöglicht werden. Dafür hat der Bauausschuss des Ansbacher Stadtrates am Montag einen Grundsatzbeschluss gefasst. Dieser sieht vor, dass ein seniorengerechtes Quartier festgelegt wird.
In einem solchen Quartier sollen die Angebote und Strukturen so geschaffen oder verändert werden, dass sie auch den Bedürfnissen von Seniorinnen und Senioren gerecht werden, wie Sozialreferent Holger Nießlein im Ausschuss sagte. Dass sich die Stadt um diese Art von Quartier bemüht, kommt nicht von ungefähr. Immerhin verfügt man seit dem Jahr 2008 über ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept.
Damit haben es sich die Verantwortlichen zur Aufgabe gemacht, die Bedürfnisse der älteren Bevölkerung in sämtlichen Bereichen des Stadtgeschehens zu berücksichtigen. Nach den Worten von Nießlein wurde das Konzept in den Jahren 2021 bis 2023 fortgeschrieben.
Dadurch haben sich insgesamt 13 Handlungsfelder ergeben, die in einem seniorengerechten Quartier realisiert werden können. Als Beispiele nannte Nießlein unter anderem die Themen Orts- und Entwicklungsplanung, Zuhause wohnen sowie gesellschaftliche Teilhabe und Prävention.
In diesem Zusammenhang ist die Verwaltung auf das bayerische Förderprogramm „Selbstbestimmtes Leben im Alter” gestoßen. Mit diesem unterstützt der Freistaat Kommunen dabei, seniorengerechte Quartierskonzepte umzusetzen. Die Förderung beläuft sich laut Nießlein auf bis zu 80.000 Euro über einen Zeitraum von vier Jahren.
Das Geld könne zum Beispiel dafür genutzt werden, die Personalkosten für einen Quartiersmanager oder eine Quartiersmanagerin anteilig zu decken. Diese Person soll als Bindeglied zwischen allen Beteiligten in einer informierenden, vernetzenden und koordinierenden Funktion auftreten, wie der Sozialreferent darlegte.
Einfach so ein Quartier festlegen, ist bei einem staatlichen Förderprogramm freilich nicht möglich. Es müssen verschiedene Rahmenbedingungen erfüllt werden. Nießlein zufolge darf das Gebiet nicht mehr als 15.000 Einwohnende zählen, es muss eine dementsprechende Altersstruktur aufweisen und über zentrale Anlaufpunkte verfügen.
In Arbeitsgruppen hat die Verwaltung verschiedene Varianten diskutiert und hat sich schließlich auf das südliche Stadtgebiet geeinigt. Dieses reicht von Oberdombach und Liegenbach bis Gösseldorf sowie von Schalkhausen bis Käferbach und Dautenwinden. Eingeschlossen von dem Quartier ist auch die Bocksbergsiedlung.
Mit 7596 Einwohnenden sei man hier weit unter der Grenze von 15.000, so Nießlein. Mit rund 31 Prozent habe man zudem einen hohen Anteil von Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Hinzu kommen die tendenziell eher schwächeren seniorengerechten Infrastrukturen oder die herausfordernde geografische Lage (Bocksbergsiedlung). Das Stadtzentrum wurde bewusst ausgelassen. „Da passt es halbwegs von den Gegebenheiten”, machte Nießlein deutlich.
Dieses Quartier sei ein erster Schritt. „Das heißt nicht, dass der Norden vergessen wird”, antwortete Nießlein auf entsprechende Fragen aus den Reihen des Gremiums. Dr. Markus Bucka (BAP) und Martin Berberich (ÖDP) regten dennoch an, zumindest Dornberg und Neudorf mit aufzunehmen. Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) regte schließlich den Kompromiss an, die beiden Stadtteile als Option mitzunehmen. Sollte sich dies nicht negativ auf die Förderung auswirken, werden sie mit aufgenommen.