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Veröffentlicht am 02.06.2026 00:06

Beeinflusst die Ernährung die Partnerwahl?

Die junge Frau hat einen etwas skeptischen Blick auf das Lieblingsessen ihres Freundes.  (Foto: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn)
Die junge Frau hat einen etwas skeptischen Blick auf das Lieblingsessen ihres Freundes. (Foto: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn)
Die junge Frau hat einen etwas skeptischen Blick auf das Lieblingsessen ihres Freundes. (Foto: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn)

Hafer- statt Kuhmilch, Veggie-Burger statt Rumpsteak: Es heißt oft, Frauen ernähren sich bewusster. Doch suchen sie sich auch Partner, die eine ähnliche Ernährungsweise haben? Und was bedeutet das für Menschen mit Fleisch- oder Fastfood-Präferenzen? Gabriel Laeis forscht dazu und hat verblüffende Beobachtungen bei seinen Studierenden gemacht. 

Der Professor für Nachhaltigkeit im Hotel- und Tourismusmanagement an der IU Internationalen Hochschule beschäftigt sich in Kulinarik-Kursen auch damit, welchen Einfluss Beziehungsdynamiken auf die Ernährung haben – und umgekehrt. „Ein Essenstyp hat dabei statistisch gesehen besonders schlechte Karten“, sagt Laeis im Interview. 

Herr Professor, hat die Ernährungsweise Einfluss auf die Partnerwahl? 

Gabriel Laeis: Obwohl die Datenlage aus wissenschaftlicher Sicht eher dünn ist, gehen Forscher davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Verhalten gibt. Überlegt man sich, dass man rund die Hälfte aller Mahlzeiten mit anderen Leuten einnimmt, hat die Ernährungsweise sehr wahrscheinlich schon Auswirkung auf das Zusammenleben. Da ist nur schwer vorstellbar, dass sie keinen Einfluss auf eine Partnerschaft hat.

Es lohnt sich ein genauerer Blick auf die sogenannte „Primetime der Partnersuche“, also junge Menschen im Alter zwischen 20 und Mitte 30. Wenn ich jetzt ein paar Ergebnisse eines Jugendreports der Uni Göttingen hinzuziehe, ergibt sich folgendes Bild: 90 Prozent der jungen Erwachsenen interessieren sich danach für Ernährung. 50 Prozent der Frauen haben ihren Fleischkonsum in den vergangenen Jahren reduziert, bezeichnen sich mittlerweile als Flexitarier oder verzichten ganz auf Fleisch. Bei den Männern sind es aber nur 25 Prozent.

Glaubt man nun den 70 Prozent der Veganer und Vegetarier, die sich Partner mit ähnlicher Ernährungsweise wünschen, gäbe es einen Überhang von 25 Prozent der Männer. Das bedeutet nicht, dass sich eine Vegetarierin auf keinen Fall in einen Fleischliebhaber verliebt - aber die 25 Prozent haben es vermutlich schwerer bei der Suche nach einer Partnerin. 

Ich habe mal eine kleine informelle Erhebung mit meinen Studierenden gemacht und sie zu Präferenzen befragt. Auch da kam heraus, dass man sich Partner mit ähnlichem Ernährungsstil wünscht. Was aber auch auffiel, dass es bei den jeweils äußeren Enden der Veganer und denjenigen, die gern viel Fleisch essen, schnell ein bisschen engstirnig wird. So sprach etwa ein junger „Fleischesser“ von seiner Partnerin als „meine Veganerin“, die zwar „beim Kochen nervt, aber eine sehr schöne Haut hat“. 

Andere berichteten von WGs, in denen es zwei Backbleche gibt, eines für die Fleischliebhaber und eines für das Veggie-Team. Gerät man dann in einer Partnerschaft an einen strengen Vertreter des jeweiligen anderen Teams, ist es schwer vorstellbar, dass man gern gemeinsam miteinander kochen oder essen mag. 

Obwohl nicht jeder Veganer oder Vegetarier zwangsläufig auch gesund isst, kommt ein gesunder Körper aber schon bei der Partnerwahl gut an, weil das attraktiv macht. 

Angenommen, ich weiß noch nicht, wie mein Date ernährungstechnisch tickt: Was soll ich im Restaurant bestellen?

Gabriel Laeis: Ich kann nur empfehlen mit den eigenen Präferenzen ehrlich umzugehen - sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Also, wenn mir eben Fleisch in meinem Leben sehr wichtig ist, dann finde ich, sollte man beim ersten Date nicht den vegetarischen Teller bestellen - nur weil man glaubt, damit Eindruck schinden zu können. Das halte ich persönlich für den absolut falschen Weg. 

Aber schon vor dem Date sollte man sich mit der Frage beschäftigen: Wie wichtig ist mir Ernährung und welchen Stellenwert nimmt sie in meinem Leben ein? Dieser sollte dann in einer Beziehung auf ähnlichem Niveau sein. Wenn es beiden egal ist - gut. Aber wenn einer viel Wert auf Kochen zu Hause legt oder generell nur Bio kauft und der andere liebend gern ins Fastfood-Restaurant rennt, könnte es schwierig werden.

Wie entwickelt sich die Ernährung in der Partnerschaft?

Gabriel Laeis: Es gibt Hinweise aus der Forschung, dass Datende, die noch kein Paar sind, im Restaurant kalorienärmere, schickere und teurere Essen bestellen, als wenn sie beispielsweise mit Freunden oder Familie essen gehen würden. Das interpretiere ich als Balzverhalten durch die Essenswahl und soll zeigen: „Ich achte auf meine Ernährung.“

Forscher aus den USA haben 2017 geschaut, wie sich Ernährung im Laufe einer etablierten Beziehung verändert hat. Da kam heraus: Am Anfang der Beziehung passen sich die Frauen in ihrem Ernährungsstil eher den Männern an. Und wenn es darum geht, die Beziehung zu erhalten, dann passen sich andersherum wiederum eher die Männer den Frauen an.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Männer im Alter einfach gesünder ernähren und sich dem Ernährungsstil ihrer Frauen anpassen. Denn Frauen achten mehr auf ihren Körper.

© dpa-infocom, dpa:260601-930-160080/1


Von dpa
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