Betreutes Wohnen für Senioren ist heute eine Selbstverständlichkeit. Doch das Modell ist noch gar nicht so alt. Mitte der 80er-Jahre tauchte es erstmals auf, Ende der 90er-Jahre fand es auch seinen Weg nach Ansbach. Für die Wohnanlage an der Heilig-Kreuz- und der Louis-Schmetzer-Straße fand im März 1999 der Spatenstich statt.
Helmut Hötzl hat das Projekt damals zusammen mit Partnern wie dem vor eineinhalb Jahren verstorbenen Dr. Günter Topf initiiert. „Nachdem wir den Bedarf in Ansbach erkannt haben, haben wir uns in anderen Einrichtungen informiert und erstmal ein Konzept erstellt“, blickt Hötzl zurück.
Er ist inzwischen selbst 78 Jahre alt und könnte seinen Lebensabend in einer der Wohnungen, die er einst gebaut hat, genießen. Doch ans Aufhören mag Hötzl noch nicht denken. In seinem kleinen Büro in der Anlage mit knapp 60 Wohnungen ist er noch immer einmal in der Woche und hilft den Bewohnern: GEZ-Befreiung, Heizungszuschuss, Antrag auf Grundsicherung. Was halt nötig ist. „Ich bin mittlerweile Spezialist für Formulare aller Art.“
Einen Computer braucht er dafür nicht. „Ich komme gut ohne zurecht“, sagt er und legt zum Beweis sein Notizheft mit der handgeschriebenen Warteliste auf den Tisch. Das mehr als 25 Jahre alte Konzept des betreuten Wohnens funktioniert noch immer bestens. Der Bedarf ist größer als das Angebot.
Die Idee ist simpel: Menschen im höheren Alter wollen weiter selbstständig leben und nicht ins Pflegeheim. Aber sie wollen es einfacher haben und sich nicht mehr um Haus und Garten kümmern. Vielleicht wollen sie Hilfe beim Einkaufen, bei der Wäsche oder beim Montieren einer Lampe. Bei Bedarf lassen sich auch Leistungen wie Essen auf Rädern oder ein ambulanter Pflegedienst zubuchen. Ein Rundum-sorglos-Paket für alle Lebenslagen. Dazu ein paar Gemeinschaftsräume für gemütliche Stunden in Gesellschaft.
Die Idee kam in Ansbach gut an. Neben Hötzls Projekt auf dem ehemaligen Bosch-Gelände entstanden parallel oder später ähnlich ausgerichtete Anlagen in der Endres-, der Jüdt-, der Merck- oder der Nürnberger Straße.
Dabei war nicht von Anfang an klar, dass es ein solcher Selbstläufer wird, erinnert sich Hötzl. Denn die Suche nach einem geeigneten Grundstück – zentral gelegen und groß genug – gestaltete sich schwierig. Das einstige Bosch-Areal an der heutigen Louis-Schmetzer-Straße lag zwar schon einige Zeit brach, doch es traute sich keiner so richtig, das städtebauliche Filetstück zu bebauen. Zu groß war die Angst vor Altlasten im Boden.
Erst Hötzl und seine Partner gingen das Wagnis ein. Er brachte reichlich Erfahrung als Kaufmann, Bilanzbuchhalter und Betriebswirt mit und hatte auch schon einige Bauträgerprojekte realisiert. Doch die Wohnanlage in Ansbach sprengte die bisherigen Dimensionen.
Und auf dem Weg der Umsetzung standen noch weitere Hürden: die Baugenehmigung zum Beispiel. Die Stadt beharrte auf Vorgaben, die aus Sicht der eigens gegründeten Bau GmbH alles nur teurer gemacht hätten. Helmut Hötzl ärgert sich noch heute über „den Verhinderungsbürokratismus“. Es bedurfte etlicher Gespräche und eines Machtwortes vom damaligen Oberbürgermeister Ralf Felber, bis sich ein gangbarer Weg abzeichnete.
Am 25. März 1999 war die Grundsteinlegung. In zwei Bauabschnitten wurden die knapp 60 Wohnungen hochgezogen, daneben war schon vorher ein ambulantes Therapie- und Rehazentrum entstanden. Und in der Folge befüllte sich das einstige Bosch-Areal mit weiteren Bauten, wie dem Discounter-Markt oder dem Tages-Café einer Bäckereikette.
„Die ersten Eigentümer waren damals zwischen 50 und 65 Jahren“, blickt Hötzl auf die Zeit um die Jahrtausendwende zurück. Die meisten haben sich eingekauft und zunächst vermietet, um später einmal selbst einziehen zu können.
Die Bewohner im Haus waren in der Anfangszeit zwischen 65 und 70 Jahre alt, erinnert sich der Projektentwickler. Mit der steigenden Lebenserwartung schob sich auch der Altersdurchschnitt im Lauf der Zeit immer weiter nach oben. Inzwischen liegt er bei Ü80.
„Neulich hat sich jemand gemeldet, der für die 93-jährige Mutter eine Wohnung sucht“, erzählt Hötzl. Und dann schaut er wieder auf sein Heft mit der Warteliste vor sich auf dem Tisch. „Der Bedarf wächst“, sagt er nachdenklich.
Deshalb hat er damit angefangen, zusammen mit neuen Partnern ein weiteres Projekt aufs Gleis zu setzen. Noch ist nichts wirklich spruchreif. Das 30 Jahre alte Konzept würde nach Überzeugung Hötzls auch heute mit wenigen Anpassungen bestens funktionieren. Ein passendes Grundstück im Ansbacher Norden haben er und seine Mitstreiter schon gefunden. Vielleicht bekommt Ansbach also in wenigen Jahren ein weiteres Betreutes-Wohnen-Projekt. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn Helmut Hötzl sich auch dort wieder ein Büro einrichten würde, um Woche für Woche den Bewohnern beim Ausfüllen von Formularen zu helfen.