Menschen und Tiere, aber auch Werkzeuge, Gebäude und mehr bilden eine kleine Welt im Maßstab 1:10. In der Advents- und Weihnachtszeit genossen Besucherinnen und Besucher der Fränkischen Handwerkerkrippe in Ansbach wieder einen Blick in die Heimatgeschichte Westmittelfrankens. Wie kommt sie am neuen Standort Rathaus an?
Die ursprüngliche Heimat der Miniaturlandschaft bildete von den 1980er Jahren an die Kirche des Bezirksklinikums. „Die Krippe ist für Patienten und Besucher entstanden”, erinnert der Stadtarchivar und Leiter des Markgrafenmuseums, Dr. Wolfgang Reddig. Zweimal präsentierte sie sich ab Ende 2023 in einem zeitweiligen neuen Domizil, dem Markgrafenmuseum.
Doch da fehlte der Platz, um sie stehen zu lassen. Dies ist im ersten Stock des Rathauses möglich. Die Beteiligten zeigen sich nun im FLZ-Gespräch erfreut darüber, wie sich der Zuspruch entwickelte. Für die Advents- und Weihnachtssaison 2023/24, der ersten im Museum, verzeichnet Wolfgang Reddig an 66 Tagen rund 5600 Besucherinnen und Besucher.
In der Saison 2024/25 seien es an 38 Tagen etwa 3600 Menschen gewesen. „Wir haben gelernt, dass uns die längere Laufzeit nicht so viel bringt.” Jetzt seien es an 37 Tagen ungefähr 7500 Besucherinnen und Besucher gewesen. Räumlich hinter der Kirche St. Johannis im Museum fand er es zäh, für die Krippe zu werben – ganz anders als jetzt vorne im Rathaus im Zusammenhang mit dem Weihnachtsmarkt.
Dieses Jahr waren laut Wolfgang Reddigs Worten bis zum Ende des Marktes in Spitzenzeiten um die 1200 Personen an einem Wochenende in der Ausstellung. „Es zeigt sich kontinuierlich, dass die Krippe während des Weihnachtsmarkts gut besucht wird.” Den höchsten Tagesbesuch habe sie am Sonntag vor Weihnachten, dem 21. Dezember, mit 845 Menschen erlebt.
Heiligabend zählte zwar lediglich 78 Personen, aber die, die kommen, sind die Interessierten. So sagt es die Leiterin des Krippenteams, Margit Böckler. „Das ist der Papa mit den Kindern, weil die Mama den Weihnachtsbaum macht.” Teil des Programms ist während der Laufzeit der Schau überdies stets eine Andacht mit dem evangelischen Dekan Dr. Matthias Büttner und dem Ensemble Onoldia Brass.
Am neuen Standort findet die 75-jährige Margit Böckler etwas Praktisches am wichtigsten: dass das Ensemble stehen bleiben kann und nicht kaputtgeht. „Mir geht es nicht um die Arbeit des Auf- und Aufbauens, sondern darum, dass das Kulturgut zerbricht und es niemand mehr anschauen kann.”
Das Krippenteam umfasst vier Mitglieder. Eines davon ist Ali Schabani (64). Er ist gemäß Margit Böcklers Angaben an allen Ecken und Enden damit beschäftigt, zu reparieren und zu verstärken.
Den Transport der großen Elemente hin zum Rathaus übernahm der Bezirk, wie die städtische Kulturreferentin Nadja Wilhelm erläutert. Margit Böckler und Ali Schabani stellten die Handwerkerkrippe am neuen Standort auf. Nur um den Markt in dem Miniaturensemble habe sich eine Unterstützerin gekümmert, legt Margit Böckler dar. Die vielen kleinen Elemente bis zu einer Maus mit Mausefalle brachte die Rauenzellerin von zu Hause mit.
„Das ist eine ganz tolle Aufwertung für den Weihnachtsmarkt”, würdigt Nadja Wilhelm die Krippe, „dieses ehrenamtliche Engagement ist für uns echt von unschätzbarem Wert.” Sie hätte auch kommunales Personal gestellt, um beim Aufbau zu helfen. Die Aufsicht teilten sich ehrenamtliche Kräfte und Mitarbeitende aus dem Markgrafenmuseum.
Allein in so einem Gebäude zu arbeiten, nennt Ali Schabani eine Ehre. Margit Böckler unterrichtete als Fachlehrerin an der Berufsschule Rothenburg-Dinkelsbühl und ist von Anfang an mit federführend bei der Handwerkerkrippe dabei.
Schulleiter Günther Heyn war Krippengründer. Er engagierte sich auch als Organist in der Kirche des Bezirksklinikums. Die jungen Menschen, die die Berufsschule besuchten, waren maßgeblich daran beteiligt, die Krippe zu erarbeiten – vom Maurer- über den Zimmerer- bis zum Malerberuf.
Viele loben an der Handwerkerkrippe sowohl die Gebäude, die Vorbildern in Mittelfranken entsprechen, als auch den Detailreichtum. Blicken die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel ins Schulhaus von Sachsbach, sehen sie die Bänke und Hefte. Teil des Panoramas ist außerdem, dass ein Mann entspannt die Fränkische Landeszeitung liest. In der nächsten Saison ist das alles wieder zu besichtigen.