Brauchtumspflege mit lebender Wolle in Rothenburg | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 08.10.2023 15:29

Brauchtumspflege mit lebender Wolle in Rothenburg

Die Schafe Berta (hinten) und Charlotte machten, geführt von Martina Wallek und Josefine Molitor (von rechts), bereitwillig mit bei der Prozedur, die Schützenmeister Michael Ehrlinger (Mitte) als einen Höhepunkt im Jahreskalender der Gilde bezeichnete. OB Dr. Markus Naser und seine Frau Nadine freuten sich mit. Auch die Buben Toni und Felix Rippstein waren bei der Zeremonie vorne dabei. (Foto: Jürgen Binder)
Die Schafe Berta (hinten) und Charlotte machten, geführt von Martina Wallek und Josefine Molitor (von rechts), bereitwillig mit bei der Prozedur, die Schützenmeister Michael Ehrlinger (Mitte) als einen Höhepunkt im Jahreskalender der Gilde bezeichnete. OB Dr. Markus Naser und seine Frau Nadine freuten sich mit. Auch die Buben Toni und Felix Rippstein waren bei der Zeremonie vorne dabei. (Foto: Jürgen Binder)
Die Schafe Berta (hinten) und Charlotte machten, geführt von Martina Wallek und Josefine Molitor (von rechts), bereitwillig mit bei der Prozedur, die Schützenmeister Michael Ehrlinger (Mitte) als einen Höhepunkt im Jahreskalender der Gilde bezeichnete. OB Dr. Markus Naser und seine Frau Nadine freuten sich mit. Auch die Buben Toni und Felix Rippstein waren bei der Zeremonie vorne dabei. (Foto: Jürgen Binder)

Berta und Charlotte haben es als „Grünlandpflegerinnen“ bei der Fuchsmühle im Taubertal normalerweise eher gemütlich. Am Samstagabend wurde es aber ziemlich turbulent für die beiden. Ihr Job bestand darin, einen lauten Zug Uniformierter durch die Rothenburger Altstadt zu führen. Es lief gut.

Traditionspflege wird groß geschrieben bei der fast 650 Jahre alten Königlich Privilegierten Schützengilde 1374. Für einen wichtigen Termin im Jahreskalender des Vereins ist tierische Unterstützung nötig. So hat die Gruppe seit 1706 ein verbrieftes Anrecht darauf, von den Stadtoberen alle zwölf Monate einen Hammel übergeben zu bekommen – als Dankeschön für die von Schützen geleistete Mithilfe bei der Rückholung einer Schafherde aus den Händen herumziehender Marodeure.

Kaum Hammel zu bekommen

Das Problem: Hammel, also kastrierte männliche Vertreter der Spezies Schaf, sind Mangelware in der Gegend. Und deshalb ist beim Lebendighalten dieses Brauchs seit geraumer Zeit Pragmatismus Trumpf. Die Schützen akzeptieren längst auch weibliche Exemplare dieser Tierart. Für das inzwischen dreijährige Schaf Berta von der Fuchsmühle war es am Samstag übrigens nicht der erste Einsatz dieser Art, während die 2022 zur Welt gekommene Kollegin Charlotte ihr Debüt gab.

Dass für das Spektakel gleich zwei Schafe von der Wiese auf den Marktplatz geholt wurden, wo doch in der Urkunde von 1706 nur von einem einzelnen Hammel die Rede ist, hat ebenfalls einen praktischen Grund. Ein Schaf allein – lehrt die Erfahrung – lässt sich vor allem in ungewohnter Umgebung mitunter schwer zum Gehen animieren. Weil das aber bei einem Zug durch die Altstadt entscheidend ist, wird beim Hammel-Termin der Gilde sicherheitshalber mit zwei vierbeinigen Wollträgerinnen gearbeitet und damit ein gewisser Herdentrieb erzeugt.

Bei der Auflage 2023 lief alles nach Plan. Zum Auftakt nahmen die Schützen am Rathaus Aufstellung. Danach war es an Oberbürgermeister Dr. Markus Naser, an den Ursprung des Brauchs zu erinnern und die Schafübergabe vorzunehmen.

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Schützenmeister Michael Ehrlinger bedankte sich gemäß Urkundentext für die „hochherzige Spende der alten Stadt“. Danach setzte sich der von der Blaskapelle Marktbergel musikalisch begleitete Zug mit Berta und Charlotte in den Hauptrollen Richtung Vereinslokal in der Galgengasse in Bewegung. Dort wurde anschließend Schützenball gefeiert, bei dem die „New Swings“ aufspielten.

In Abwandlung der Originalgeschichte verzehrten die Schützen dort aber nicht das von der Stadt übergebene Geschenk, sondern anderes. Berta und Charlotte grasen wieder wohlbehalten auf ihrer Wiese im Taubertal.

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