Ein Steckenpferd des Kinderschutzbund-Kreisverbandes ist die Leseförderung. Um dieses Ziel auf noch breitere Beine zu stellen, startet nun ein neues Projekt: der Bücherkoffer auf Wanderschaft.
Lesen ist eine Schlüsselkompetenz für das gesamte Leben, findet Vorsitzende Gisela Heusinger-Herz. Aus diesem Grund wurde vor einiger Zeit der Kinderbuchbund in Anlehnung an den nationalen Lesepakt auf regionaler Ebene unter dem Dach des Kinderschutzbund-Kreisverbandes gegründet. Verschiedene Projekte zur Stärkung des Lesens wurden bereits umgesetzt. In ihm engagieren sich neben Heusinger Herz unter anderem Steffi Reinders-Schmidt (Mitarbeiterin der Lebenshilfe-Frühförderstelle, Elterntrainerin zur frühen Sprachförderung und pädagogische Qualitätsbegleitung für Kitas) sowie Uta Gampe vom Kinderschutzbund.
Durch einen Artikel in unserer Zeitung wurde man auf den „Bücherkoffer auf Wanderschaft” aufmerksam. Ein Projekt für Kitas, das die Vorsitzende und ihr Team schon seit gut 1,5 Jahren beschäftigt. Damals sei man mit Nina Wolf, Sprachförderkraft im Louise-Scheppler-Kindergarten in Neustadt, in Kontakt getreten. Sie hatte das Konzept ursprünglich für ihre Einrichtung adaptiert. Kinderschutzbund und Kinderbuchbund führen es nun auf der Ebene des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim durch.
Kitas wird dabei ein Koffer mit acht Bilderbüchern für Kinder zwischen drei und sechs Jahren zur Verfügung gestellt, die von Reinders-Schmidt mit ausgesucht werden. Jede Woche darf ein anderes Kind diesen Koffer mit nach Hause nehmen. Ein zweiter Satz Bücher wurde bereits angeschafft. Ziel des Projektes ist es, möglichst unkompliziert das Vorlesen in die Familien zurückzubringen. „Die Bilderbücher verschwinden aus ihnen”, sagt Reinders-Schmidt. Stattdessen erhalten digitale Medien Einzug. Kommen Kinder dann in die Schule, haben sie oftmals keine Bucherfahrung. Doch diese Erfahrung im Umgang mit Büchern sei eine Grundlage, um lesen zu lernen.
Reinders-Schmidt verweist zudem auf Studien der „Stiftung Lesen”. Diese besagen beispielsweise: Je mehr Bücher in einer Familie vorhanden sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern vorlesen. Kinder erhielten dadurch einen breiteren Wortschatz und würden sich in der Schule auch beim Textverständnis leichter tun.
Bei der Auswahl der Bücher legen die Verantwortlichen Wert darauf, dass die Geschichten auch ohne Text, nur anhand der Bilder, gut und intensiv zu erzählen sind. Familien mit einem anderen sprachlichen Hintergrund sollen nicht ausgegrenzt werden. Spannend sollen die Bücher, die in der Frühförderung erprobt worden sind, sein – mit Überraschungseffekten. Der Koffer enthält außerdem Vorlese-Tipps für die Eltern, Regeln für den Umgang mit den Büchern und einen Feedback-Bogen für Eltern und Kind.
In den vergangenen drei Monaten fand in zwei Einrichtungen – der Arche Noah in Burgberheim und St. Johannis in Ipsheim – eine „Pilotphase“ statt, die gezeigt hat, dass die Eltern das Angebot gerne annehmen. „Wir wollten wissen, wie unsere ausgesuchten Bücher ankommen und wie die Erfahrungen seitens des Personals ausfallen”, so Heusinger-Herz. Denn einer Sprachförderkraft stehen Zeitkontingente zur Verfügung, um das Projekt zu gestalten. Wichtig war den Verantwortlichen, dass es auch im normalen Kindergarten-Alltag umsetzbar ist. Tipps wurden dem Personal mit an die Hand gegeben. Die Rückmeldungen seien positiv ausgefallen.
Nun soll das Projekt ausgeweitet werden. Insgesamt werden 20 Koffer angeschafft. Einrichtungen im Landkreis können sich per E-Mail an info@kinderbuchbund.de darum bewerben. Die Kosten für einen Koffer und die Bücher belaufen sich auf rund 150 Euro. Finanziert wird das Projekt zum Teil durch Spenden. So hat der Kinderschutzbund rund 800 Euro von der Freien Christengemeinde Neustadt erhalten und Thomas Staudinger aus Burgbernheim wird 400 Euro zur Verfügung stellen. Außerdem ist eine Kooperation mit der Playmobil Kinderstiftung im Gespräch. Für die Kitas fallen keine Kosten an. Lediglich eine Schutzgebühr ist zu leisten, die nach Rückgabe erstattet wird. Koffer und Bücher bleiben Eigentum des Kinderschutzbundes.
Auch Überlegungen für die Zukunft gibt es derweil schon: Nachgedacht wird demnach darüber, ob auch ein „Geschwisterbuch” in den Koffer aufgenommen wird, damit auch ältere Brüder und Schwestern profitieren können und einen Zugang zum Lesen bekommen. Geplant sei zudem, einen speziellen Koffer für Kitas mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund zu gestalten.