Als Anfang Oktober zwei Eurofighter im Tiefflug über Herrieden kreisten, erschreckte und ärgerte das viele Menschen. Was zunächst offiziell als „Übungsschutzflug” eingestuft worden war, wird jetzt doch genau unter die Lupe genommen.
Was steckt hinter dem „Untersuchungsfall Herrieden”? Es war Freitag, 10. Oktober, als zur Mittagszeit, wie bald darauf bestätigt wurde, zwei Piloten vom Luftwaffenstützpunkt in Neuburg an der Donau in Eurofightern der Bundeswehr über dem Altmühlgrund aufgetaucht waren.
Zunächst absolvierten die Piloten nahe Rauenzell Übungen, die einem Kickstart im steilen Winkel glichen. Wenig später wurden die beiden Flugzeuge über Herrieden gesichtet, wo sie laut Augenzeugenberichten zwei Kreise über der Altstadt zogen und dabei die Flügelspitzen teilweise um etwa 90 Grad angedreht hatten.
Der FLZ bekannte Videoaufnahmen bestätigen diese Aussagen. Bis auf 174 Meter über Grund waren die beiden Mitglieder des taktischen Luftwaffengeschwaders 74 über der Stadt geflogen. Die Bundeswehr räumte das auf Nachfrage ein. „Wir im Rathaus hatten den Eindruck, die Piloten fast sehen zu können, so tief sind die geflogen. Das war alles andere als normal”, sprach Verwaltungs-Geschäftsleiterin Anja Schwander das aus, was viele Beobachter des Spektakels gegenüber der FLZ bestätigten.
Im Rathaus gingen an dem Tag zahlreiche Beschwerden ein, in Kindergärten war die Aufregung groß, eine Frau soll einen Heulkrampf bekommen haben. Doch eine Nachfrage bei der Bundeswehr ergab zunächst wenig konkrete Angaben. Es habe sich um einen routinemäßigen Übungsflug gehandelt, die Piloten wären als „Alarmrotte” unterwegs gewesen, selbstverständlich werde dabei versucht, bewohnte Gebiete nicht zu überfliegen. Kurz gesagt: kein Grund zur Aufregung.
„Nach den uns vorliegenden Daten erfolgte der Flugbetrieb regelkonform und unter Beachtung der geltenden flugbetrieblichen Bestimmungen”, hieß es vom Luftfahrtamt. Man hake nach, versicherte der zuständige Oberst aus dem Fliegerhorst gegenüber Bürgermeisterin Dorina Jechnerer und dem stellvertretenden Landrat Stefan Horndasch, der ebenfalls nachgefragt hatte.
Laut Auskunft des Luftfahrtamtes fand der Flug „auf Anweisung und unter Kontrolle der Luftverteidigung” statt. „Dabei passierten die Kampfflugzeuge Herrieden in Höhen zwischen 174 und 277 Metern über Grund.” Rechtlich zulässig ist das, nur drängte sich die Frage auf, warum die Piloten statt eines Überflugs einen „Vollkreis über Herrieden” drehten, wie das Luftfahrtamt ebenfalls mitteilte.
„Das ist Gesprächsstoff in der Stadt. Die Menschen möchten wissen, was dahintersteckt”, gab sich die Bürgermeisterin hartnäckig um Aufklärung bemüht. Während Horndasch Verständnis für nötige Übungen der Bundeswehr im Rahmen ihrer Verteidigungsfähigkeit zeigte, wollte Jechnerer wegen eines Gerüchts nachhaken. Längst hatte sich in der Stadt eine These verbreitet, die für die Streitkräfte einen Imageschaden nach sich ziehen könnte, sollte sie sich bewahrheiten.
Stand der Überflug tatsächlich in Zusammenhang mit der Hochzeit eines Enkels eines ehemaligen Bürgermeisters von Herrieden? Jechnerer forderte gegenüber dem Kommandeur des Stützpunktes in Neuburg an der Donau „eine gründliche Untersuchung mit Nachdruck”.
Die Auswertung der Radar- und Flugplandaten bestätigten die Eindrücke der Augenzeugen schnell. Für die Befragung der Piloten benötigte die Bundeswehr etwas mehr Zeit. In dieser Woche ging ein Einschreiben im Herrieder Rathaus ein, in dem nun Kommandeur Oberst Andre Megow vom Einsatzführungsbereich 3, Luftraum, Stellung bezieht.
„Die Bundeswehr nimmt die Vorwürfe, die in Zusammenhang mit dem Überflug von zwei Eurofightern über Herrieden am 10. Oktober 2025 auch in Presseveröffentlichungen geäußert worden sind, sehr ernst”, schreibt der Oberst. Folgerichtig wurden Ermittlungen eingeleitet, wie der Kommandeur des Standortes der Luftwaffe in Schönewalde bestätigt: „Derzeit prüfen wir die Missionsdurchführung intern.”
Die Untersuchung hat der Standortälteste des Überwachungszentrums übernommen. Im Normalfall ist der Einsatzführungsbereich 3 für den Luftraum im Osten der Republik zuständig, nun aber gilt es aufzuklären, was es mit der Aktion der Piloten aus dem Süden Deutschlands auf sich hatte. Dazu hat Oberst Megow „ein Unterstützungsersuchen an die Gemeinde herangetragen”. Es geht ihm „um belastbare Erkenntnisse zur Wahrnehmung des Überfluges und zu den Rahmenbedingungen vor Ort”, wie es in dem Brief heißt.
Dazu hat die Bürgermeisterin einen kleinen Fragenkatalog „im Sinne der Aufklärung” erhalten. Zusätzliches Video-Material stünde dabei nicht im Fokus, weitere Details des Gesuchs wollte Jechnerer in dem laufenden Verfahren nicht preisgeben. Sie betont die Ernsthaftigkeit, die ihr in den bisherigen Gesprächen von Seiten der Bundeswehr vermittelt worden sei. „Ich hatte nie den Eindruck, dass etwas schnell vom Tisch gewischt werden soll”, sagt die Rathaus-Chefin.