Christian-von-Bomhard-Schule in Uffenheim setzt auf Nächstenliebe | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 25.04.2023 15:02

Christian-von-Bomhard-Schule in Uffenheim setzt auf Nächstenliebe

Integrationslotsin Kathrin Okafor hatte einige Bücher mitgebracht, die auf Stereotype und Vorurteile verzichten. Die Lesepatinnen und Lesepaten haben gleich geschaut, welche Exemplare sie vielleicht für das Projekt mit den Grundschülern nutzen könnten. Denn die Schüler sind die „Stars“ beim diakonischen Lernen. (Foto: J. Zimmermann)
Integrationslotsin Kathrin Okafor hatte einige Bücher mitgebracht, die auf Stereotype und Vorurteile verzichten. Die Lesepatinnen und Lesepaten haben gleich geschaut, welche Exemplare sie vielleicht für das Projekt mit den Grundschülern nutzen könnten. Denn die Schüler sind die „Stars“ beim diakonischen Lernen. (Foto: J. Zimmermann)
Integrationslotsin Kathrin Okafor hatte einige Bücher mitgebracht, die auf Stereotype und Vorurteile verzichten. Die Lesepatinnen und Lesepaten haben gleich geschaut, welche Exemplare sie vielleicht für das Projekt mit den Grundschülern nutzen könnten. Denn die Schüler sind die „Stars“ beim diakonischen Lernen. (Foto: J. Zimmermann)

Es geht um den Zusammenhalt zwischen Generationen, um Hilfsbereitschaft, Verantwortungsfreudigkeit und Nächstenliebe: In Uffenheim wurde am Montag eine besondere Kooperation geschlossen, welche die Christian-von-Bomhard-Schule nun bayernweit zum Vorreiter macht – zur ersten Tandemschule für diakonisches Lernen.

„Für manche ist Schule vielleicht ein fremder Raum, aber Schule ist nicht nur ein Raum des Lernens, sondern ein Raum des Lebens“, betont Gesamtschulleiter Alfred Lockl. Deshalb war es ihm wichtig, dass sich auch beim Gymnasium Lern- und Lebensalltag treffen. Und so hatte er bereits vor Jahren für Neuntklässler des Gymnasiums eine Praktikumswoche eingeführt – was ihm seinerzeit sogar eine Beschwerde eingebracht hatte, sagt Lockl.

Die Privatschule unter kirchlicher Trägerschaft ging damit neue Wege und war Vorreiter. Um diese Rolle zu unterstreichen, hatte die Schule am Montag Besuch – Vertreter des Diakonischen Werks, darunter Präsidentin Dr. Sabine Weingärtner, die Leiterinnen der Uffenheimer Kitas St. Johannis Gudrun Trabert und Sonja Markert vom Karoline Kolb sowie die Einrichtungsleiterin Margit Holzinger vom Gerlach-von-Hohenlohe-Stift und Susanne Höhn von der Tagespflege und etliche mehr. Eine große Gruppe, die fortan kooperiert.

Diakonisches Lernen ist längst kein Fremdwort mehr, betont Lehrerin Prisca Stumpf. 2017 hatte alles begonnen – anfangs, das gibt Stumpf unumwunden zu, sei für sie das Wort „diakonisches Lernen“ kaum greifbar gewesen. Das habe sich geändert – durch einige Projekte. Mit einer zwölften Klasse der FOS hatte sie sich das Thema „Leben und Sterben“ ausgesucht, die Schüler kamen in Kontakt mit dem Hospizverein, mit einem Bestatter und mit Senioren in der Tagespflege. Stumpfs Fazit: „Außerschulisches Lernen ist ein großer Gewinn.“

„Wunderschön, wie die Kinder sich freuen“

Seit einiger Zeit gibt es auch Lesepaten, ein knappes Dutzend Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 7 bis 13. Sie gehen „eigenverantwortlich und äußerst selbstständig“ in Grundschulen, lesen dort mit Kindern, so Stumpf. Die Patinnen und Paten waren schon immer „total lesebegeistert“, schildern sie den Gästen. Es sei „wunderschön, wie die Kinder sich freuen“. Und sie alle erkennen Fortschritte bei den Jüngeren.

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Künftig, sagt Holzinger, wäre es schön, wenn die Schüler auch mehr zu Senioren kämen. Ein Projekt mit den Älteren aus der Gesellschaft hatte während der Corona-Zeit schon Religionspädagogin Lydia Kamleiter angestoßen. Die Jugendlichen hatten Briefe an Bewohner des Seniorenheims geschrieben, außerdem einen virtuellen Stadtrundgang erstellt.

Da wäre eine Lesepatenschaft ein schöner Schritt, so Holzinger. Denn: „Es ist für unsere Senioren sehr wichtig, dass sie nicht vergessen werden.“ Einige bekämen selten Besuch. „Da kann ein kleiner Brief (oder eben eine Lesestunde) schon sehr wertvoll sein.“ Stumpf sprach beim diakonischen Lernen von „gelebter Nächstenliebe“, Diakonie-Vorstand Frank Larsen fand es bewundernswert, dass die Schüler so etwas Privates wie das Lesen nach außen tragen und damit solch positive Erfahrungen machten.

Um derartige Projekte zu stärken und neue zu initiieren, schlossen alle Beteiligten einen Kooperationsvertrag, der bei den Partnern auch durch ein Schild am jeweiligen Gebäude sichtbar werden wird. Präsidentin Weingärtner hatte sogar eigens einen Schraubenzieher dabei.

Berufsorientierung als wichtige Säule

Für sie ist dieses Tandem zwischen Schule und Einrichtungen die Chance, dass Schüler Verantwortung übernehmen und Nächstenliebe lernen. „Dieses Tandem setzt auf Begegnungen, auf das Erleben von Vielfalt. Aber ein Schild alleine macht diese Partnerschaft nicht lebendig.“

Bis zum nächsten Schuljahr werden sich alle Gedanken machen, wie das Konstrukt mit Leben gefüllt werden kann. Pfarrer Dr. Martin Dorner, „Spiritus Rector“ des diakonischen Lernens, sieht vor allem auch die Berufsorientierung als großes Aufgabengebiet: „Die diakonischen Einrichtungen sind ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Pflegerische und soziale Berufe sind attraktiv und sinnstiftend.“ Entsprechend sei die Berufs- und Studienorientierung eine große Säule der Partnerschaft. Auch das Stichwort „Vernetzung“ fällt. An der Tandemschule „CvB Uffenheim“ könnten künftig auch andere Lehrkräfte weitergebildet werden. Denn eines wird an diesem Vormittag betont: Die Uffenheimer Kooperation soll erst der Anfang sein.

Entsprechend spricht Dekan Max von Egidy von einer „Verheißung“, auch wenn vieles noch wachsen und entstehen müsse. Larsen freut sich schon auf die Begegnungen mit Schülern in Heimen oder Kitas. Denn: „Lernen ist nie eine Einbahnstraße. Es ist uns eine Ehre, dass wir in Bayern die ersten sind.“

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