„Container-Campus” für Schule in Bad Windsheim: Zwischenlösung kommt gut an | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 22.05.2025 15:43

„Container-Campus” für Schule in Bad Windsheim: Zwischenlösung kommt gut an

Freuen sich über die Übergangslösung für die Arche-Noah-Schule (von links): Carina Scherer, Harald Trabert, Susanne Kerschbaum, Gabriele Weidemann, Matthias Jung, Ursula Brecht, Max von Egidy, Frank Larsen sowie Dr. Christian von Dobschütz. (Foto: Anna Franck)
Freuen sich über die Übergangslösung für die Arche-Noah-Schule (von links): Carina Scherer, Harald Trabert, Susanne Kerschbaum, Gabriele Weidemann, Matthias Jung, Ursula Brecht, Max von Egidy, Frank Larsen sowie Dr. Christian von Dobschütz. (Foto: Anna Franck)
Freuen sich über die Übergangslösung für die Arche-Noah-Schule (von links): Carina Scherer, Harald Trabert, Susanne Kerschbaum, Gabriele Weidemann, Matthias Jung, Ursula Brecht, Max von Egidy, Frank Larsen sowie Dr. Christian von Dobschütz. (Foto: Anna Franck)

Seit einigen Wochen werden die Kinder der Arche-Noah-Schule in Containern im Gewerbegebiet „Ost“ in Bad Windsheim unterrichtet. Anfangs herrschte noch viel Skepsis über diese Lösung, mittlerweile sind Schülerinnen und Schüler, aber auch das Kollegium begeistert davon.

Der Grund für das Ausweichquartier: Das Schulgebäude der Arche-Noah-Schule, deren Träger die Diakonie Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist, muss grundsaniert werden. Bis zu den Sommerferien 2027 soll das nach aktuellem Plan geschehen sein und die Schülerinnen und Schüler dann zurückkehren können.

„Schule auf Zeit“, „Container-Campus“ oder auch „Bildungsprovisorium mit Charakter“ nennt Matthias Jung, Finanzvorstand des Diakonischen Werkes, das Zwischen-Domizil gerne. „Wir sind heute an einem Ort, der sinnbildlich dafür steht, wenn man zusammen etwas anpackt“, betont er bei einem Rundgang durch die 106 eingerichteten Container.

Lebendiger Lernort ist entstanden

Schulleiterin Gabriele Weidemann, Susanne Kerschbaum, Leiterin der heilpädagogischen Tagesstätte, Matthias Jung und Frank Larsen, Diakon und Vorstand des Diakonischen Werkes, gaben in diesem Zuge Landrat Christian von Dobschütz, Carina Scherer und Harald Trabert vom Verwaltungsrat, Neustadts Dekanin Ursula Brecht sowie Uffenheims Dekan Max von Egidy einen Einblick in die Räume. Aus dem Nichts sei im Gewerbegebiet mit Unterstützung des Landkreises, der Stadt Bad Windsheim und angrenzender Betriebe ein „lebendiger, funktionierender Lernort“ entstanden.

„Wir haben oft improvisiert, viel Herzblut hier reingesteckt, diskutiert und teils auch gezweifelt, ob das alles richtig ist, wie wir es machen“, erklärt Jung, der jetzt sagen kann: „Ja, es ist und war richtig.“ Teils liegen durchaus schlaflose Nächte hinter ihm. Denn noch immer stehe man ohne Förderbescheid da. Seitens der Regierung von Mittelfranken habe man vor Ostern nun aber die mündliche Zusage bekommen. Gut zwei Jahre seien mittlerweile seit der Antragstellung vergangen. Die interne Prüfung sei abgeschlossen, der Bescheid werde vorbereitet und sollte das Diakonische Werk zeitnah erreichen. Das Gute: Große Abweichungen von den Planungen gebe es nicht.

Rund 14 Millionen Euro an Kosten

Die Zukunft der Einrichtung sei in der Vergangenheit ernsthaft zur Diskussion gestanden. Im Verwaltungsrat habe man verschiedene Optionen und deren Konsequenzen diskutiert und sich schließlich, dem Risiko durchaus bewusst, für die Sanierung entschieden. Für sie plane man derzeit mit Kosten von rund 11,5 Millionen Euro. Für die Finanzierung des Ausweichquartiers ist eine Summe von 2,5 Millionen Euro angesetzt. „Das ist das teuerste Einzelprojekt, das wir seitens der Diakonie je hatten“, erklärt Larsen.

Hauptkostenträger ist der Freistaat Bayern, einen kleineren Teil übernimmt die Diakonie selbst. Massive Hilfe gibt es vom Landkreis. „Ohne dessen Unterstützung würden wir heute hier nicht sitzen“, betont Jung. Der Kreis stellt für die Zwischenfinanzierung ein zinsloses Darlehen in Höhe von rund fünf Millionen Euro zur Verfügung. Die Entscheidung, das Projekt zu unterstützen, sieht Landrat Christian von Dobschütz nach wie vor als wichtig an – auch, wenn sie den Kreis finanziell fordere. „Da fließt das Geld aber an die richtige Stelle.“

Für den Umzug hatte man nur eine Woche in den Faschingsferien Zeit. Wahre Talente wurden da bei Mitarbeitenden geweckt. Der Grund für deren Motivation liegt für Kerschbaum klar auf der Hand: die Kinder und ihr Förderbedarf. Das Engagement der Mitarbeitenden gehe vor allem deshalb weit über das normale Maß hinaus, wofür Jung größten Respekt zollte. Den Dank gab Gabriele Weidemann gerne zurück. Schließlich spüre das Personal den Rückhalt seitens des Vorstands und des Verwaltungsrats.

Drei Klassen bleiben in Pastorius-Grundschule

Rund 170 Kinder besuchen die Einrichtung derzeit. Drei Klassen mussten ihren Lernort nicht wechseln, sie sind weiterhin in Räumen der Pastorius-Grundschule untergebracht. Die Schützlinge, die umziehen mussten, meisterten das bravourös. „Als Montagfrüh nach den Faschingsferien alles eingerichtet war, kamen die Schülerinnen und Schüler rein als wären sie schon immer da gewesen. Das hat uns wirklich fasziniert“, erinnert sich Weidemann. Ruhe ist eingekehrt, das Miteinander ist schön – teilweise fast friedlicher als im anderen Schulhaus. Die hellen Räume und die klare Strukturierung tragen dazu bei. Container hätten zwar oft ein schlechtes Image, doch im Inneren der Übergangsschule vergisst man schnell, dass man sich in solchen befindet. Der eine oder andere äußerte sogar schon den Wunsch, lieber hierzubleiben.

Neben Klassenzimmern und Gruppenräumen sind unter anderem Verwaltungsräume, eine Mensa und auch ein Bewegungsraum entstanden. Küchenzeilen finden sich in vier Räumen, die besonders freitags am Back- und Naschtag gern genutzt wird. Die Spielgeräte vom Ursprungsdomizil wurden im neu angelegten Pausenhof aufgebaut. Mit vier Wärmepumpen und Strom wird zudem geheizt. Auch eine Klimaanlage gibt es. Mit dem Bus geht es für die Kinder zum Sportunterricht in die Turnhalle der Pastorius-Grundschule. Finanziert werden diese vier Fahrten an zwei Wochentagen durch die Regierung. Anfangs hatte man noch Sorge, dass die Fahrten für die Kinder zu herausfordernd sein könnten. „Aber das läuft so gut. Manchmal unterschätzen wir die Kinder“, gibt Weidemann zu. Zudem üben sie das Fahren mit einem Bus. Eine Kompetenz, die sie bei einem Schulwechsel oft ohnehin benötigen würden.

Die Sanierung des Schulgebäudes am Friedensweg geht derweil planmäßig voran, betont Matthias Jung. Das Gebäude werde derzeit entrümpelt. Noch diese Woche sollen die Rohbauarbeiten vergeben werden. Aufzug, Fenster und Türen seien gerade in der europaweiten Ausschreibung.

Was mit dem Container-Areal passiert, wenn die Arche-Noah-Schule wieder in ihr saniertes Gebäude zurückzieht? Die eine oder andere inoffizielle Anfrage gebe es schon, sagt Matthias Jung. „Da werden wir dann sehen, wie wir damit umgehen.“


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin in Bad Windsheim
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