Das Collegium Musicum Bamberg musiziert in Scheinfeld | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.12.2023 17:09

Das Collegium Musicum Bamberg musiziert in Scheinfeld

Das Collegium Musicum Bamberg mit Dirigent Gunther Pohl und Solo-Querflötistin Karen Hamann gab in der Erlöserkirche in Scheinfeld ein Weihnachtskonzert. (Foto: Andreas Reum)
Das Collegium Musicum Bamberg mit Dirigent Gunther Pohl und Solo-Querflötistin Karen Hamann gab in der Erlöserkirche in Scheinfeld ein Weihnachtskonzert. (Foto: Andreas Reum)
Das Collegium Musicum Bamberg mit Dirigent Gunther Pohl und Solo-Querflötistin Karen Hamann gab in der Erlöserkirche in Scheinfeld ein Weihnachtskonzert. (Foto: Andreas Reum)

Pfarrer Joachim Roth durfte in der Scheinfelder Erlöserkirche zum dritten Mal das Collegium Musicum Bamberg begrüßen. Am vorletzten Adventssonntag wurden die zahlreichen dankbaren Gäste mit wertvollen Klängen auf Weihnachten eingestimmt und in der Pause mit Gebäck und Glühwein verwöhnt.

Das Bamberger Streicherensemble zeitigt eine bemerkenswert lange Tradition. Seit rund zehn Jahren werden die Laien neben den professionellen Musizierenden von Gunther Pohl geführt, der selbst Mitglied der Bamberger Symphoniker gewesen ist, aber auch als Flötendozent und Dirigent auf eine reiche Expertise zurückblicken kann. Unterstützt wird die Gruppe heuer im Rahmen der beiden wohl anspruchsvollsten Werke des Abends von der Flötistin Karen Hamann.

Souverän: die Flötistin Karen Hamann

Zwei des Öfteren zu hörende barocke Concerti fordern das solistische Holzblasinstrument und Hamann vermag Kantilenen und virtuose Passagen gleichermaßen souverän zu gestalten. Die Suite in a-Moll von Georg Philipp Telemann erfüllt das Modell einer ausgedehnten Tanzfolge im französischen Duktus. Vivaldis „La Notte“ wiederum ist im jahreszeitlichen Bezug greifbarer. Berückend hier der getragen traumverlorene Satz „Il sonno“.

Zwei konzertierende Violinen werden exquisit gestrichen vom Konzertmeister des Orchesters, Andreas Zack, und seiner Gefährtin bei den zweiten Geigen, Martina Schneider. Das knappe Concerto von Giuseppe Torelli, der übrigens für ein paar Jahre Hofkapellmeister des Ansbacher Markgrafen war, findet sich als Pastorale zum Christfest auf vielen musikalischen Samplern zur Geburt Jesu. Vielleicht zwingender erscheint jedoch das Concerto grosso in d-Moll von Francesco Geminiani, das in vierundzwanzig Variationen den berühmten Strukturtypus der „Fol(l)ia“ ausgestaltet.

Die „Hirtensinfonie” aus dem „Messias”

Auch eine charakteristische Passage aus dem „Messias“ darf nicht fehlen. Georg Friedrich Händel schuf in dessen Kontext seine „Hirtensinfonie“.

Bevor die andächtigen Zuhörerinnen und Zuhörer gemeinsam drei Strophen des Liedes „Macht hoch die Tür“ singen und dabei einen durchaus sonoren und präzisen Klangeindruck erwecken, verlässt das Collegium Musicum Bamberg die barocke Ära und begibt sich in die Gefilde einer volkstümlich biedermeierlichen Hochromantik. Carl Reinecke, ein sehr fruchtbarer Komponist vielfach gefälliger, aber gewiss nicht belangloser Kammer- und Solokonzertmusik, nebst wenig bekanntem Vokalschaffen, hat in einem Klavierstück quasi ein Weihnachtsmedley, so Gunther Pohl, in drei kurzen Sätzen verfasst. Er steht damit auch nicht alleine da in der Musikgeschichte – die klanglich raffinierte Weihnachtskantate von Arthur Honegger verfolgt die nämliche Absicht eines Medleys.

So lassen sich unschwer allseits geläufige Weisen wiedererkennen in dieser „Weihnachts-Sinfonietta“ aus dem Jahr 1901, für deren erst wenige Jahre alte Einrichtung im orchestralen Streichergewand ein junger Komponist verantwortlich zeichnet, der ebenso mit der Stadt Bamberg in Verbindung steht, der 1985 geborene Johannes X. Schachtner. Die Komposition durchzieht leitmotivisch ein besonders populär gewordenes pastorales Motiv, dessen Basis die Sinfonia aus dem zweiten Teil des Bach’schen Weihnachtsoratoriums verkörpert. Der atmosphärische Habitus eines schönen und interpretatorisch vollauf gelungenen Kirchenkonzerts schließt sich.


Von Wolfgang Zimmermann
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