Das Gebhardt-Haus ist nicht nur aufgrund des historischen Erbes von Kaspar Hauser eine der bedeutendsten Immobilien im Herzen der Stadt. Doch der geplante Umbau zu einem Inklusionshotel nebst Gastronomie hinkt dem Zeitplan weit hinterher. Längst machen Gerüchte die Runde.
Das aus drei Gebäuden bestehende denkmalgeschützte Ensemble ist seit rund zwei Jahren eingerüstet, immer mal wieder gehen Handwerker ein und aus, ein konstanter Baufortschritt ist zumindest für Außenstehende allerdings nicht zu erkennen. Bereits zweimal wurde der angedachte Termin der Eröffnung verschoben, derzeit künden Plakate vor der Baustelle noch von einer Eröffnung Mitte des Jahres. Doch auch dieses Ziel wird nicht zu halten sein, dafür braucht es keinen Blick in die Glaskugel.
Dabei dämmert das Gebhardt-Haus schon seit 2004 im Dornröschenschlaf vor sich hin. Das namensgebende Schreibwarengeschäft hatte nach 104 Jahren seine Pforten geschlossen. Doch die bewegte Geschichte ging seitdem mitunter kurios weiter.
Ein erster Nachmieter verabschiedete sich schnell, der Plan einer Umgestaltung zum Wohn- und Bürohaus ließ sich ebenso wenig in die Tat umsetzen wie die Erweiterung der benachbarten Fach- und Berufsoberschule, die Vision einer Markthalle, die Nutzung als Kaffeehaus oder als Standort für das Comeback der Hürner-Bräu.
Erst mit dem Kauf der drei Gebäude zwischen Montgelasplatz und Pfarrstraße durch den Ansbacher Architekten Hermann Pfeiffer (PS Planung & Service GmbH) kam Bewegung in die festgefahrene Angelegenheit. So sollte die Immobilie, in der Kaspar Hauser nach seiner Ankunft in Ansbach bis zu seinem Tod 1833 für zwei Jahre lebte, zu einem Tagungs- und Seminarhaus mit unterschiedlichen Kultur- und Bildungsangeboten ausgebaut werden.
Aber auch dieser Plan ist inzwischen Geschichte, der neuerliche Schwerpunkt liegt auf dem Umbau zum Inklusionshotel nebst regionaler Gastronomie. Was gleich geblieben ist: Auch aktuell geht es nicht wirklich signifikant voran, der Übergabetermin im Mai ist nicht realistisch, wie Christian Etl bestätigt.
Der Österreicher, der bereits Inklusionshotels ins Laufen brachte und selbst lange Jahre geführt hat, sollte in „Kaspars Haus“ als Hoteldirektor fungieren. Zwei Jahre ist Etl nun schon bald in Ansbach, doch auch seine Geduld wird arg strapaziert. „Wenn ich nicht mehr an das Projekt glauben würde, wäre ich schon weg“, sagt der 59-Jährige frei heraus: „Ich habe aber die Hoffnung, dass wir es hinkriegen. Ansbach braucht dieses Haus.“
Eine Herausforderung ist und bleibt der Umbau aber auch nach der Gründung einer Genossenschaft und dem Übertrag der Federführung auf den Ansbacher Architekten nach wie vor. „Da passiert alles, was nur passieren kann“, ächzt Etl über eine Aneinanderreihung unvorhersehbarer Ereignisse. Zuletzt meldete sich der Bauleiter gesundheitsbedingt ab, zuvor hatte der renommierte Küchenausstatter Insolvenz in Eigenregie anmelden müssen. „Das hat unsere Anzahlung geschluckt.“ Rund 20.000 Euro. Als „Hiobsbotschaften, die es nicht leichter machen“, fasst Etl die Unbilden zusammen.
Auf dem lange nicht vorhandenen Bauzeitenplan sind allerdings die nächsten Schritte des Ausbaus der 1200 Quadratmeter Nutzfläche bereits konkret festgehalten. Auch im Inneren der Gebäude sind einige der Umbauten zu sehen. Rigips- und Betonwände sind in den zusammenhängenden Gebäudetrakten eingezogen, unter der Deckenverkleidung hängen im Erdgeschoss Klimageräte, auch die Halterungen für die runden Akustiklampen, die Schall schlucken sollen, sind installiert.
18 Hotelzimmer entstehen in den oberen Stockwerken, erste Treppen sind eingezogen, der Charme vom Mix historischen Gebälks mit modernen Elementen ist spürbar. Doch die Eröffnung wird auf sich warten lassen, das Weihnachtsgeschäft ist passé. Dennoch bleibt Etl zuversichtlich. Denn: „So etwas wie das Gebhardt-Haus gibt es nicht an jeder Ecke.“