Das kultige Kulturgärtla auf dem Ansbacher Altstadtfest feiert Geburtstag | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 03.06.2025 11:52

Das kultige Kulturgärtla auf dem Ansbacher Altstadtfest feiert Geburtstag

Mit einer gehörigen Portion Naivität, aber ebenso viel Enthusiasmus ist eine Handvoll Freunde vor zehn Jahren in ein Abenteuer gegangen, das für viele heute ein enorm wichtiger Bestandteil des Altstadtfestes ist: das Kulturgärtla. Der runde Geburtstag wird ab Mittwoch, 18. Juni, auf der Ziegenwiese gefeiert.

Alles begann bei einem Skifahren 2015. Der Karl-Burkhardt-Platz galt als das ungeliebte Stiefkind beim ansonsten brummenden Altstadtfest. Svenja Weiß, ihr Bruder Julian Weiß sowie Sebastian Weidner und Alida Lieb wussten um die Probleme des Areals und sinnierten, ob man dort nicht etwas Frisches auf die Beine stellen könnte. Sie redeten und redeten, und schließlich hatten sie ein Konzept. Ein vielseitiges Kulturprogramm abseits des Mainstreams, mit einem Angebot für jeden Geschmack und mit fränkischem Einschlag. Die Stadt war angetan.

Aus dem Boden gestampft

Das Problem: Eigentlich fangen die Organisatoren einer solchen mehrtägigen Veranstaltung mindestens ein halbes Jahr vorher an, Bands zu buchen, eine Bühne zu organisieren und eine Soundanlage zu reservieren. Die vier Ansbacher hatten zwei Monate, wenig Kontakte und keinerlei Erfahrung.

Immerhin: „Gankino Circus kannten wir aus Schulzeiten. Sie hatten uns zugesagt, dass sie bei uns spielen“, erinnert sich Svenja Weiß. Ein Abend war also gesichert. Doch das Altstadtfest dauert fünf Tage.

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Originelle Musiker mit eigenem Stil. Das war die Vorgabe. „Das muss mir nicht alles selbst gefallen, sondern es soll für jeden etwas dabei sein“, erinnert sich Sebastian Weidner, der bei der Heirat mit Alida Lieb deren Nachnamen annahm.

Die Kulturgärtla-Macher schrieben E-Mails, telefonierten, kassierten Absagen und schrieben neue E-Mails und telefonierten wieder. „Es war sehr anstrengend“, blickt Alida Lieb zurück. Irgendwann stand das Programm. Mit der Brauerei Fischer aus Wieseth fand sich ein Partner, der Lust auf das Altstadtfest hatte und dem Kulturgärtla die Treue hielt.

Sofort ein Publikumsmagnet

Wie so vieles hatten die Freunde auch den Aufbau-Aufwand unterschätzt. „Wir wurden in der letzten Sekunde fertig“, erzählt Svenja Weiß und lacht. Eine der Helferinnen stellte sich um 18 Uhr an den Zapfhahn. Für die Anfangsphase. Doch sie kam nicht mehr weg. Der Ansturm riss nicht ab. Vom ersten Moment schlossen die Festbesucher das Kulturgärtla ins Herz. Der vorher verschmähte Karl-Burkhardt-Platz war plötzlich ein Publikumsmagnet.

Nach eineinhalb Stunden am Eröffnungsabend war das Wechselgeld weg, kurz darauf gab es keine Gläser mehr, und gegen 21 Uhr zeigte sich, dass der für fünf Tage veranschlagte Biervorrat nicht bis zum Ende des Abends reichen würde. „Wir sind heim und haben unsere Sparbüchsen geleert“, erzählt Sebastian Lieb lachend. Irgendjemand fuhr in die Brauerei, um mehr Bier zu holen. „Es war wild. Aber es war wunderschön.“ Svenja Weiß bekommt glänzende Augen, wenn sie das erzählt.

„Wir haben sehr viel Wertschätzung für unser Konzept erfahren“, blickt Sebastian Lieb zurück. Mit viel Herzblut professionalisierten sie die Organisation in den Folgejahren. Das Kulturgärtla wurde Kult und fester Bestandteil des Altstadtfestes. Der harte Kern hatte sich bald um Anja und Sebastian Hauer erweitert. Unterstützung gab es zudem von vielen Freunden.

Zwangspause durch Corona

Bis die Corona-Pandemie die Erfolgswelle in sich zusammenbrechen ließ. Nach zwei Jahren Zwangspause sollte es 2022 weitergehen. Doch da war Baustelle auf dem Karl-Burkhardt-Platz. Und die Weiß-Lieb-Connection stellte fest, dass man die Altstadtfestwoche auch anders verbringen kann als im eigenen Getränkeausschank.

Nach dem dritten Jahr Pause schien das Unkraut das Kulturgärtla zu überwuchern. Doch Oberbürgermeister Thomas Deffner wollte das so nicht zu Ende gehen lassen. Zusammen mit Kulturreferentin Nadja Wilhelm fragte er für 2023 wieder an. Das Ass im Ärmel war ein neuer Platz. „Wir waren sofort schockverliebt“, erinnert sich Alida Lieb an den ersten Termin auf der Ziegenwiese.

„Alles fühlte sich wieder an wie am Anfang“, sagt Svenja Weiß. Eine größere Bühne, mehr Platz für die Cocktailbar und eine Kinderecke. Aber auch fehlende Infrastruktur in Sachen Abwasser, eine eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeit und die Gefahr einer Matschschlacht bei Regen. Und die Sorge, dass die Menschen den Weg nicht finden würden, weil der Platz bislang nicht Teil des Altstadtfestes war und etwas außerhalb liegt. Für alles fand sich eine Lösung. 2023 war ein Erfolg auf ganzer Linie.

Im Jahr darauf lief es nicht ganz so toll. Viel Regen machten aus der herrlichen Location an der Stadtmauer eine Sumpflandschaft. Svenja Weiß: „Bis dahin hatten wir echt viel Glück mit dem Wetter.“ Was keiner erwartet hatte: Den Besuchern war es egal: Es waren zwar weniger als im Jahr zuvor, doch die, die da waren, tanzten vergnügt vor der Bühne im Matsch. „Die Stimmung war super.“ Svenja Weiß grinst.

Der Gewinn ist nicht das Ziel

Das Helferteam hat dieses Erlebnis noch ein Stück mehr zusammengeschweißt. Rund 100 Namen haben die Organisatoren auf ihrer Liste. Jedes Jahr sind 50 bis 60 von ihnen im Einsatz. „Ohne sie ginge es nicht“, sagen die Macher dankbar und sind voll des Lobs über Engagement und Zusammenhalt der Truppe. „Das ist großartig“, schwärmt Sebastian Lieb. Dankbar sind die Kulturgärtla-Macher auch für die Sponsoren, die sie von Anfang an unterstützt haben.

Das Programm funktioniert nur, „weil wir nicht darauf ausgelegt sind, Gewinn machen zu müssen“, erklärt Julian Weiß. Die Freunde haben eine GbR, eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, gegründet. Sie tragen das finanzielle Risiko. Dank starker Jahre vorher konnte die GbR auch den Rückschlag 2024 verkraften.

Doch natürlich hoffen sie für dieses Jahr auf stabiles sommerliches Wetter, das ein abendliches Verweilen unter den lauschigen Bäumen möglich macht. Denn zum zehnjährigen Bestehen haben die Macher ein paar besondere Höhepunkte gesetzt, auf die sich selbst sehr freuen. Das detaillierte Programm wird noch ausführlich vorgestellt.

Der zehnte Geburtstag steht an: Die Kulturgärtla-Macher (hintere Reihe, v. li.) Sebastian Lieb, Alida Lieb, Julian Weiß, Sebastian Hauer und Anja Hauer sowie Svenja Weiß (kniend) sind stolz auf das Erreichte. Mit Mia und Jano Lieb steht auch schon die nächste Generation bereit. (Foto: Robert Maurer)
Der zehnte Geburtstag steht an: Die Kulturgärtla-Macher (hintere Reihe, v. li.) Sebastian Lieb, Alida Lieb, Julian Weiß, Sebastian Hauer und Anja Hauer sowie Svenja Weiß (kniend) sind stolz auf das Erreichte. Mit Mia und Jano Lieb steht auch schon die nächste Generation bereit. (Foto: Robert Maurer)
Der zehnte Geburtstag steht an: Die Kulturgärtla-Macher (hintere Reihe, v. li.) Sebastian Lieb, Alida Lieb, Julian Weiß, Sebastian Hauer und Anja Hauer sowie Svenja Weiß (kniend) sind stolz auf das Erreichte. Mit Mia und Jano Lieb steht auch schon die nächste Generation bereit. (Foto: Robert Maurer)
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