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Das Pappelsterben an der Aisch macht den Fachleuten große Sorgen

An der Aisch sterben seit Jahren Pappeln ab. Eine Neubepflanzung im Bereich Richtung Lenkersheim ist schwierig, da dafür die Fläche fehlt. Die toten Bäume sollen stehen bleiben. (Foto: Katrin Merklein)
An der Aisch sterben seit Jahren Pappeln ab. Eine Neubepflanzung im Bereich Richtung Lenkersheim ist schwierig, da dafür die Fläche fehlt. Die toten Bäume sollen stehen bleiben. (Foto: Katrin Merklein)
An der Aisch sterben seit Jahren Pappeln ab. Eine Neubepflanzung im Bereich Richtung Lenkersheim ist schwierig, da dafür die Fläche fehlt. Die toten Bäume sollen stehen bleiben. (Foto: Katrin Merklein)

Eine nie dagewesene Vegetation. So viele Gelbbauchunken wie nie zu vor. Ein viel zu warmer Jahresbeginn. Sehr viel Regen und tote Pappeln: Stadtförster Sven Finnberg berichtete bei der grünen Sitzung des Bad Windsheimer Stadtrats über das Waldjahr 2023 und die Monate bis September 2024.

Er zeigte im Gasthaus Kirchberger in Merzbach, in dem die Teilnehmer nach ihrer Wald-Tour einkehrten, das Bild einer Gelbbauchunke mit ihren herzförmigen Pupillen. Es habe noch kein Jahr gegeben, in dem er so viele dieser Kröten im Wald und in der Flur angetroffen habe. Die vielen Niederschläge macht Finnberg dafür verantwortlich, dass sich die Tiere so wohl fühlten und vermehrten.

Der Regen sorgte auch dafür, dass man bezüglich der Trockenheit seit Juli 2023 wieder im „blauen Bereich“ sei. Die starke Trockenheit im Jahr 2018 konnte quasi ausgeglichen werden, auch wenn die Temperaturen vergleichbar mit denen von 2018 gewesen seien. Ein Februar mit einer Durchschnittstemperatur von 7,2 Grad sowie 7,6 Grad im März, das sei seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie dagewesen, und Finnberg bezeichnete es als „gewaltig“.

Verheerende Folgen durch Spätfrost

Verheerend seien deshalb dann die Auswirkungen des Spätfrosts heuer gewesen. Durch den warmen Jahreseinstieg sei die Vegetation schon besonders weit fortgeschritten gewesen und im „enorm kalten April“ besonders getroffen worden. Der Nussbaum am Forsthaus habe beispielsweise alles abgeworfen.

Durch die vielen Niederschläge seien die Waldarbeiter aufgrund der schlechten Befahrbarkeit der Waldwege an manche Bestände gar nicht herangekommen, um diese zu fällen. „Teils liegt auch noch Holz im Wald, wir konnten es noch nicht rücken.“

Ausgetrocknete Böden, schlechte Ernteerträge und extrem niedrige Grundwasserspiegel – damit hatte die Landwirtschaft im Landkreis zu kämpfen. Der viele Regen im Herbst 2023 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, hat für etwas Entspannung gesorgt. (Archivfoto: Kurt Güner)
Ausgetrocknete Böden, schlechte Ernteerträge und extrem niedrige Grundwasserspiegel – damit hatte die Landwirtschaft im Landkreis zu kämpfen. Der viele Regen im Herbst 2023 und in den ersten Monaten des laufenden Jahres, hat für etwas Entspannung gesorgt. (Archivfoto: Kurt Güner)

Neustadt: Die Grundwasserspiegel haben sich etwas erholt

Vor zwei Jahren klang die Lage im Landkreis noch dramatisch. Das nasse Jahr 2024 hat mittlerweile für eine leichte Entspannung gesorgt.

Die feucht-warme Witterung habe den Befall der Eichen mit Eichenmehltau gefördert, erkennbar am kreideartigen Überzug der Blätter. Geschadet habe dieser den Bäumen nicht. „Sie tragen enorm viele Früchte“, sagte Finnberg. Diese fallen aktuell, werden gesammelt und an Baumschulen verkauft.

Zahlen legte der Stadtförster für 2023 vor. 714.000 Euro habe man durch Holzverkäufe und Förderungen (gut 200.000 Euro) eingenommen. Letztere gibt es beispielsweise für den Forstschutz. Man setze bei der Vergabe der Pachten seit vielen Jahren auf heimische Jäger, dadurch werde die Jagd aktiver gestaltet und es könne eine gesunde Vegetation entwickeln. „Das hat sich bewährt“, sagte Finnberg.

Neues Fahrzeug im Forst

Dem gegenüber standen Ausgaben in Höhe von rund 629.000 Euro. Die kamen durch Lohnkosten und die Kosten für die Holzernte, wie Geräte, Reparaturen und Benzin zustande. Zudem sei ein neues Fahrzeug für die Waldarbeiter angeschafft worden und die Umlage an den Versorgungsverband der Beamten müsse geleistet werden. Allein letzteres seien rund 100.000 Euro gewesen.

Auch von seltenen Gästen im Stadtgebiet berichtete Finnberg. So habe man „tolle Käferarten“, in einem abgebrochenen Kastanienbaum im Kurpark gefunden – unter anderem ein in Bayern nur fünf Mal registrierter Eremit aus der Familie der Rosenkäfer und ein ebenfalls seltener Bockkäfer.

Der Große Puppenräuber erstrahlt in allen Regenbogenfarben. Er ist am Kehrenberg und am Anstieg auf die Frankenhöhe bei Lenkersheim anzutreffen. (Foto: Sven Finnberg)
Der Große Puppenräuber erstrahlt in allen Regenbogenfarben. Er ist am Kehrenberg und am Anstieg auf die Frankenhöhe bei Lenkersheim anzutreffen. (Foto: Sven Finnberg)

Förster aus Bad Windsheim erklärt die Welt der Käfer

Vom Pillendreher bis zu Puppenräuber: Sven Finnberg stellt aus dem Landkreis Neustadt/Aisch- Bad Windsheim drei tolle Insekten vor.

Sorge bereitet Finnberg die entwaldungsfreie Lieferkette, eine EU-Verordnung, die ab Januar 2025 in Kraft tritt, und sicherstellen soll, dass eine Reihe von Waren, die in der EU in den Verkehr gebracht werden, nicht zur Entwaldung und Waldschädigung beitragen. Inhaltlich „eine klasse Sache. Aber bis heute ist nicht klar, wie diese umgesetzt werden soll.“ Finnberg warnt vor einem Bürokratiemonstrum. „Da wird mir angst und bange, wenn das so kommt.“ Ähnlich sieht er die Gefahr bei der Neufassung des Bundeswaldgesetzes.

„Man kann sie nicht aufhalten. Sie kommt, es ist nur die Frage, wann?“, sagte Finnberg zur Afrikanischen Schweinepest, die gerade die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen werde. Auch Wildschweinrotten seien gefährdet. Maßnahmen, wie Zäune aufzustellen, verzögern die Ankunft der Krankheit seiner Meinung nach nur. Eine schnellere Verbreitung wolle man verhindern, in dem man Abgabestellen für Wildschweinaufbruch schaffe, so dass Jäger diesen nicht mehr im Wald entsorgen müssen. In Bad Windsheim wird eine solche Anlaufstelle für Jäger im Bauhof eingerichtet.

Nur ein Gentest bringt Gewissheit

Unweit des genannten Bauhofs beschäftigt Finnberg das Pappelsterben an der Aisch. Besonders schlimm ist es in Richtung Lenkersheim. Pappeln kreuzen sich munter miteinander, weshalb es rund 60 Arten gebe, so Finnberg. Um welche Pappelarten es sich an der Aisch handle, könne man nur mit einem Gentest nachweisen. Finnberg vermutet eine aus Nordamerika eingeschleppte Hybrid-Sorte. Die Lebenszeit der verschiedenen Arten schwanke zwischen 100 und 350 Jahren. Es könne durchaus sein, dass die Bäume einfach ihr Lebensalter erreicht hätten.

Der Zuständigkeitsbereich der Gewässerabschnitte sei nicht nachvollziehbar, komplex, dem Wasserwirtschaftsamt Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und der Stadt Bad Windsheim zugeordnet. Im Bereich Frankenbrunnen und bis zur Ostumgehung habe das Wasserwirtschaftsamt unter anderem schnell wachsende Silberpappeln gepflanzt, die Wurzeln austreiben.

Weiden sind als Lösung denkbar

Im Bereich Lenkersheim sei das nicht so einfach möglich, so Finnberg, weil keine Fläche für Neupflanzungen vorhanden sei und die Grenzsteine zu den angrenzenden Feldern zu nah sind. Klar sei, dass das Wasserwirtschaftsamt dort nichts anpflanzen werde. Bürgermeister Jürgen Heckel, der „das Elend“ jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sieht, betonte, dass alles getan worden sei, um weitere Nachpflanzung zu erlangen, das ginge aber nur, indem man Fläche zukaufe. Stadtrat Matthias Oberth (SPD) schlug Weiden vor, die man näher ans Wasser setzen könnte. Theoretisch würde das laut Finnberg gehen.

Die abgestorbenen Bäume sollen als Totholz stehen bleiben, informierte er. Wilhelm Dehner aus Ickelheim gefiel das gar nicht, er merkte an, dass dort Leute spazieren gehen und die Verletzungsgefahr durch herabfallende Äste doch groß sei. Finnberg erläuterte, dass der von den Spaziergängern genutzte Weg nicht gewidmet sei, somit gilt: „Betreten auf eigene Gefahr.“


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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