Am Ende wurde Johannes Teuschlein auf dem Rothenburger Marktplatz hingerichtet. Knapp 500 Jahre ist das her. Zuvor hatte sich der Prediger im Bauernkrieg auf die Seite der Aufständischen geschlagen – und damit auf die Verliererseite in diesem ersten großen Freiheitskampf in Deutschland.
Die Reichsstadt Rothenburg war in die aufrührerischen Geschehnisse vor 500 Jahren tief verstrickt. Dieses Jubiläum haben Prof. Dr. Horst F. Rupp und Dr. Gerhard Simon zum Anlass genommen, eine Tagung zum Thema „Auch eine Zeitenwende? – Der Rothenburger Prediger Johannes Teuschlein im Spannungsfeld von Antijudaismus, Marienfrömmigkeit, Reformation und Bauernkrieg“ zu organisieren. Sie findet am Samstag, 26. Oktober, auf dem Campus Rothenburg der Hochschule Ansbach statt.
In Referaten wird die Welt in Rothenburg in der frühen Neuzeit geschildert. Im Anschluss darf jeweils diskutiert werden. Den Abschluss bildet am Abend ein Empfang mit Frankenwein und Häppchen.
Mit Johannes Teuschlein ist ein erster, aber gescheiterter Versuch der Reformation in Rothenburg verbunden, schreiben die Organisatoren in der Ankündigung der Tagung. Nach ihren Worten hat ein Team von einschlägig ausgewiesenen Experten in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, das Leben und Werk Teuschleins zu rekonstruieren.
Der um das Jahr 1485 geborene Prediger wirkte seit Ende 1512 in Rothenburg. Mit seinen Predigten trug er nach den Erkenntnissen der Historiker wesentlich zur Vertreibung der letzten sechs jüdischen Familien aus Rothenburg bei. In der ehemaligen Synagoge, die er zu einer Kapelle umwandelte, installierte er eine Marienwallfahrt, die anfangs großen Zulauf erhielt. Dann aber schwand im Vorfeld des Bauernkriegs unter dem Einfluss reformatorischer Gedanken Teuschleins Interesse an der Marienverehrung.
Die Ereignisse in Rothenburg gewannen überregionale Bedeutung, weil Martin Luthers ursprünglicher Doktorvater Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt nach seinem Herkunftsort in Unterfranken, für mehrere Monate in die Stadt kam. Karlstadt hatte sich mit Luther zerstritten und musste das reformatorische Zentrum Wittenberg verlassen. Dort hatten sich Teuschlein und er kennengelernt.
In Rothenburg mischte Andreas Bodenstein alias Karlstadt fleißig in der Stadtpolitik mit und war nach Einschätzung der Organisatoren der Teuschlein-Tagung dafür verantwortlich, dass sich die Stadt im Frühjahr 1525 den Forderungen der Bauern anschloss.
Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach, der auch Statthalter von Brandenburg-Ansbach war, setzte mit seinen Truppen dieser Bewegung schon bald ein Ende. Karlstadt hatte sich noch rechtzeitig aus Rothenburg abgesetzt, Teuschlein aber wurde nach einem unter Folter erpressten Geständnis auf dem Marktplatz mit dem Schwert hingerichtet.
Zum Thema der Tagung ist auch ein Buch erschienen, das bei der Veranstaltung erworben werden kann.
Die Tagung beginnt am 26. Oktober um 8.45 Uhr im Rathaus in Rothenburg. Anmeldungen sind noch bis 15. September per Mail an stadtarchiv@ rothenburg.de möglich.