Das Pflichtprogramm als Leitfaden: Der Rathauschef von Buch am Wald sagt Ade | FLZ.de | Stage

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Das Pflichtprogramm als Leitfaden: Der Rathauschef von Buch am Wald sagt Ade

Friedrich Priester vor dem Eingang zur Gemeindekanzlei: Die Kommunalverwaltung befindet sich in einem Gebäude der Kirchengemeinde. Ein Rathaus im eigentlichen Sinne gibt es in Buch am Wald nicht. (Foto: Jürgen Binder)
Friedrich Priester vor dem Eingang zur Gemeindekanzlei: Die Kommunalverwaltung befindet sich in einem Gebäude der Kirchengemeinde. Ein Rathaus im eigentlichen Sinne gibt es in Buch am Wald nicht. (Foto: Jürgen Binder)
Friedrich Priester vor dem Eingang zur Gemeindekanzlei: Die Kommunalverwaltung befindet sich in einem Gebäude der Kirchengemeinde. Ein Rathaus im eigentlichen Sinne gibt es in Buch am Wald nicht. (Foto: Jürgen Binder)

Friedrich Priester findet Dinge, die nett sind und meist auch Geld kosten, nicht grundsätzlich schlecht. Er ist aber seine Überzeugung, dass eine Gemeinde Wichtigeres zu erledigen hat. Als Bürgermeister von Buch am Wald setzte er klare Prioritäten bei den Pflichtaufgaben. Er zieht diese Linie durch bis zum letzten Tag im Amt.

Eine Ära von 18 Jahren kam da seit seinem Dienstantritt am 1. Mai 2008 zusammen. Priester, inzwischen 69, führte die Gemeinde mit ihren derzeit knapp 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern stets als ehrenamtliches Oberhaupt. Unterstützt wurde er dabei von einer Gemeindesekretärin, die er auch privat sehr gut kennt: Seine Frau Heidi übernahm praktischer Weise diese Aufgabe und hört nun auch zusammen mit Priester auf.

Mehr Zeit für die Enkelkinder

Die beiden werden ab Anfang Mai, wenn Priesters Nachfolger Hartmut Buckel und eine neue Gemeindemitarbeiterin übernehmen, in der Tat mehr Zeit haben als bisher für das, was in den vergangenen Jahren zu kurz kam. Geplant sind jetzt aber nicht etwa Weltreisen oder große private Neuanschaffungen. Das Ehepaar Priester will vielmehr ab sofort so viel Zeit wie möglich mit den fünf Enkelkindern verbringen.

Diese verteilen sich auf die Familien ihrer vier Töchter, von denen zwei in der Gemeinde Buch am Wald leben. Eine weitere hat sich in der Gemeinde Windelsbach niedergelassen. In diesen Fällen sind die Wege also eher kurz. Eine Tochter wohnt mit ihrer Familie etwas weiter weg, und zwar im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel. Dorthin soll es demnächst für einige Tage gehen, erzählt Friedrich Priester. Im Juni will er mit seiner Frau dann Urlaub an der Müritz, also in Mecklenburg machen.

Gelernter Werkzeugmacher

Darüber hinaus gehende Pläne haben die beiden bisher nicht geschmiedet. Das werde sich ergeben, sagt der scheidende Bürgermeister, der sich auch darüber freut, künftig mehr Zeit zum Herumwerkeln daheim zu haben. Der gelernte Werkzeugmacher, der jahrzehntelang bei AEG/Electrolux tätig gewesen war, findet den Umgang mit Metall reizvoll. Er nimmt sich aber auch gerne Holzarbeiten vor. Da würden sich bestimmt immer wieder schöne Projekte ergeben, sagt Friedrich Priester.

Gesundheitlich geht es dem 69-Jährigen, der da durchaus schon seine Themen hatte, aktuell recht gut, Und natürlich wird er auch die Entwicklung der Gemeinde im Auge behalten, allerdings ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Sollte jemand in einer kommunalen Angelegenheit einen Rat oder eine Einschätzung von ihm erbitten, würde er oder sie bei Priester aber nicht abblitzen.

Viele große Projekte angegangen

„Wir haben viel gemacht und jetzt kein Geld mehr”, so Priester augenzwinkernd zur Tätigkeitsbilanz seiner Amtszeit. Zwei Feuerwehrhäuser seien gebaut worden, ein Dorfgemeinschaftshaus und natürlich die neue Kläranlage. In den vergangenen Jahren habe die kleine Gemeinde dann noch die Kanalerneuerung zu stemmen gehabt und die Bevölkerung dafür erneut massiv zur Kasse bitten müssen.

Leider sei wegen der großen Vorhaben die eine oder andere Straßenbaumaßnahme immer wieder aufgeschoben worden. Und das große Thema Fernwasser habe ebenfalls bisher nicht nicht geregelt werden können. Das werde erneut viel Geld kosten. Die Bürgerinnen und Bürger seien von den Zahlungen für die Infrastrukturverbesserung „natürlich nicht erbaut, aber es wird eingesehen, dass es sein muss”.

Pragmatiker, der das Wort Macher nicht mag

Im Großen und Ganzen ist der 69-Jährige zufrieden mit dem während seiner 18 Dienstjahre als ehrenamtlicher Bürgermeister Erreichten: „Es hat meistens so funktioniert, wie der Gemeinderat und ich das gewollt haben.” Priester genießt in seiner Heimatgemeinde und auch darüber hinaus den Ruf eines Pragmatikers, der die Dinge, die zu tun sind, zügig angeht. Mit dem Attribut „Macher” mag er sich aber nicht anfreunden: „Ich habe die Gemeinde so geführt wie meinen Haushalt daheim”, sagt der 69-Jährige.

Dass seine Jahre als Bürgermeister enden ohne ein schönes Zusatzprojekt, wie es etwa ein kleines Friedrich-Hessing-Museum in dessen Geburtsort Schönbronn wäre, liegt laut Priester übrigens nicht nur am fehlenden Geld. „Es hat sich einfach nicht ergeben”, erklärt er: „Mit Gewalt macht man so etwas nicht.” Und Grundvoraussetzung wäre für Friedrich Priester in solchen Fällen auch immer, „dass es nicht nur an der Gemeinde hängt, sondern private Eigenleistung dazukommt”.

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