Das Theater Ansbach spielt auch nächste Saison | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.07.2024 09:00

Das Theater Ansbach spielt auch nächste Saison

Spielen, spielen, spielen – beim Theater Ansbach ist dies für die nächste Saison das inoffizielle Motto. Viel spielen wollen die Theaterleute, um zu zeigen, dass ihr Haus nicht ganz geschlossen ist – auch wenn der große Zuschauersaal wegen Brandschutzmängeln weiterhin nicht genutzt werden darf. Satire, Komödie, ein Weihnachtsstück und Schlager soll es trotzdem geben.

Intendant Axel Krauße musste die neue Saison mehrfach umplanen. Am 12. Februar hatte die Stadt Ansbach überraschend die Spielgenehmigung für den Hauptsaal untersagt. Zunächst schien eine kleine Lösung möglich. Seit 27. Mai weiß die Genossenschaft „Theater Ansbach – Kultur am Schloss“ aber, dass es eine schnelle Lösung nicht geben soll.

Heribert Schmidt, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, glaubt nicht, dass ab nächstem Frühjahr im großen Saal wieder gespielt werden kann. Skeptisch ist er, ob der Saal überhaupt schon 2025 wieder zur Verfügung steht. Womöglich müsste die Stadt Ansbach die Bauarbeiten europaweit ausschreiben. Es seien außerdem im Stadtrat auch Überlegungen im Gange, ob der Saal vollkommen neu umgestaltet werden sollte, zum Beispiel mit Tischchen. Konkrete Pläne gibt es bisher nicht.

Der Saison erster Teil

Axel Krauße stellte am Montag daher nur eine halbe Theatersaison vor. Denn sollten Bauarbeiten beginnen, fällt das Theater hinterm Eisernen – die zur Spielstätte umfunktionierte Hauptbühne – aus. Es dient dann als Baustellenzugang.

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Beginnen will Axel Krauße voraussichtlich am 11. Oktober mit einem sehr berühmten Satire-Klassiker im Kleinen Haus: „Nachdem sich alle gefragt haben, ob wir ein Sommermärchen haben“, so der Intendant mit Blick auf die Fußball-EM, liefert das Theater nun auf jeden Fall ein Gegenstück dazu: „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Frank Siebenschuh inszeniert mit dem Schauspieler Robert Arnold das berühmte Versepos von Heinrich Heine.

Der deutsch-jüdische Schriftsteller, der in Deutschland ausgegrenzt wurde und 1830 nach Paris emigrierte, setzt sich in seinem Großgedicht mit seiner Heimat auseinander. „Es sind Reflexionen über Deutschland, das in Kleinstaaterei, in Nationalismus verfallen ist“, so Axel Krauße. „Vor allem sind es sehr humorvolle, philosophische Grundgedanken über dieses Vaterland, immer getragen von der Hoffnung, dass es ein besseres Deutschland werden kann, werden wird und werden sollte.“

Komödie über Bürokratie und Geld

Am 12. Oktober folgt im Theater hinterm Eisernen ein heutiges Stück, „Der Fiskus“ von Felicia Zeller. „Es geht um eine Sachbearbeitergruppe in einem etwas heruntergekommenen Finanzamt“, erläutert der Intendant. Bürokratischer Wahn, Karriere, Macht und Mobbing sind Themen, aber auch Cum-Ex-Geschäfte. Eine sehr witzige, auch böse und tiefgründige Komödie, so Axel Krauße, über das, was uns alle beschäftige: Geld und Finanzamt. Praktische Tipps zum Steuersparen gebe es auch.

Der österreichische Erfolgsautor Stefan Vögel ist hiesigen Theatergänger nicht unbekannt. 2023 war seine Organspenden-Komödie „Die Niere“ am Landestheater Dinkelsbühl zu sehen. In Ansbach folgt nun im November, ein genauer Zeitpunkt steht noch nicht fest, sein preisgekröntes Stück über eine verwickelte deutsch-jüdische Familiengeschichte: „Chaim und Adolf“. Es handelt von dem israelischen Touristen Chaim Eisenberg, der mit seinem Rad in Deutschland unterwegs ist, bei Axel Krauße im romantischen Franken.

Abends im Gasthof sucht Chaim, ein leidenschaftlicher Schachspieler, jemanden, der gegen ihn spielt. Der Wirt kann nur einen empfehlen: den Bauern Adolf. Bei der Partie blättern die beiden ihre Familiengeschichte auf. „Das ist ein sehr spannendes, sehr überraschendes Stück“, so der Intendant. Er will die Produktion mobil anliegen, sodass sie tatsächlich in Gaststätten gespielt werden kann. „Wir werden es rausbringen im Gelben Saal der Orangerie.“

Kleines Weihnachstück

Weil das Weihnachtsmärchen von Anfang zur Geschichte des Ansbacher Theaters gehört und ihm Kinder- und Jugendtheater wichtig ist, hat Axel Krauße auch ein Weihnachtsstück angesetzt, keines, das mit den Möglichkeiten einer großen Bühne rechnet. „Klein, aber fein“, findet er, und „extrem süß“ ist „An der Arche um Acht“ von Ulrich Hub. Es dreht sich um drei Pinguine, die sich vor der Sintflut auf Noahs Arche in Sicherheit bringen wollen. Dort dürfen freilich nur zwei von jeder Art an Bord. Wohin mit dem dritten Pinguin? Premiere ist am 30. November im Theater hinterm Eisernen. Regie führt Britta Schreiber.

Im Januar dann soll ein Schlager-Abend für Reisende und Wartende mit West- und Osthits seine Premiere feiern. „Bis dass der Bus kommt“, lautet der Arbeitstitel.

Weil dem Intendanten Kooperationen wichtig sind, gibt es zudem im Theater hinterm Eisernen ein polnisches Gastspiel. Das Theater aus Słupsk zeigt „Kleinparis“. Claudia Kucharski vom Ansbacher Theater Kopfüber wirkt an dem Projekt mit. Die Dance Company eMotion wird im November das Ballettmärchen vom Nussknacker neuinterpretieren.

Für die ganze Saison durchgeplant sind im gewohnten Umfang die Konzertsparte und die Ansbacher Puppenspiele.

Stellten die neue Saison der Genossenschaft „Theater Ansbach – Kultur am Schloss“ vor: Vorstandsvorsitzender Heribert Schmidt (links) und Intendant Axel Krauße. (Foto: Thomas Wirth)
Stellten die neue Saison der Genossenschaft „Theater Ansbach – Kultur am Schloss“ vor: Vorstandsvorsitzender Heribert Schmidt (links) und Intendant Axel Krauße. (Foto: Thomas Wirth)
Stellten die neue Saison der Genossenschaft „Theater Ansbach – Kultur am Schloss“ vor: Vorstandsvorsitzender Heribert Schmidt (links) und Intendant Axel Krauße. (Foto: Thomas Wirth)

Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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