Das Bad Windsheimer Theater in der Stadt nimmt weiter Fahrt auf. Seit einigen Wochen ist es nun als Verein registriert. Die Premiere des nächsten Stückes steht am kommenden Sonntag, 14. Juli, bevor. Dann wird „Der Chaoskomet – Ein glaubhaft wahres Märchen“ erstmals aufgeführt.
Mit dem Theater in der Stadt hat der Bad Windsheimer Schauspieler Levent Özdil, der künstlerische Kopf, sich einen Traum erfüllt. Seit der Premiere des ersten Stückes „Was bleibt“ im November 2023 ist viel passiert. Offen war zu Beginn des Projektes, welche rechtliche Form es langfristig haben soll. So startete man anfangs als Unterabteilung des Fördervereins Klosterchor & historische Stadtbibliothek Bad Windsheim, was sich letztlich als nicht ideal herausstellte.
Eine weitere Option war für jedes Stück eine GbR zu gründen. Das bedeutet aber viel Aufwand mit Verträgen, erklärt Levent Özdil. „Dann hab ich gemerkt: Eigentlich will ich das gar nicht. Eigentlich will ich etwas machen, was auf eigenen Füßen steht.“ Damit das Theater nicht permanent von ihm als Kreativen abhängig ist. „Ich muss nicht immer der sein, der inszeniert.“ Vielmehr will Özdil einen Raum schaffen, einen Verein, der irgendwann so viele Mitglieder hat, dass Eigeninitiativen entstehen können.
Dass das funktionieren wird, da ist sich Levent Özdil sicher. Vor wenigen Wochen fanden sich also sieben Gründungsmitglieder zusammen, zu denen neben ihm selbst auch seine Frau Nicole Paskow gehört. Vorsitzender ist Özdil, seine Stellvertreterin Profi-Schauspielerin Luise Hagedise Bernburg. Die ersten Mitgliedsanträge gingen bereits ein. Rund 20 Personen zählt die Gruppierung bislang. Alle, die schon einmal Teil des Ensembles waren, sind dabei. „Das braucht Zeit, um zu wachsen“, sagt Özdil. Auch passive oder fördernde Mitgliedschaften sind möglich.
Ein weiteres Ziel, das bereits erreicht wurde, ist Gemeinnützigkeit zu erlangen, damit der Verein auch in der Lage ist, Spendenquittungen auszustellen. „Wir wollen etwas kreieren, das der Allgemeinheit dient, weil wir Kultur in die Stadt bringen wollen.“
Langfristig wünsche man sich eigene Räumlichkeiten zum Proben, um unabhängiger zu sein. Gerade finden diese teils in der Zunfthalle am Ochsenhof, dem Vereinsheim der Wagnertanzgilde 1560 mit Spielmanns- und Fanfarenzug, oder auch in dessen Garten statt. Manchmal gilt es aber auch auszuweichen, dann wird eben im Garten eines Ensemblemitglieds geübt.
Im Moment ist Levent Özdil noch der „einzige kreative Kopf“ des Theaters. „Es ist nicht das Problem Darsteller zu finden“, oftmals ist es sogar eher herausfordernd die zahlreichen Interessierten in den Geschichten unterzubringen. Elf bis zwölf Personen pro Stück findet Levent Özdil in der Regel angenehm – damit es nicht zu groß wird. Mehr könnten es möglicherweise bei einem Stück über den Entdecker Georg Wilhelm Steller werden, das der Vereinsvorsitzende plant. Aufgeführt werden könnte es zur Landesgartenschau im Jahr 2027. Genaueres ist aber noch völlig offen.
Spannend ist für Levent Özdil, mit Laien-Schauspielern zu arbeiten. „Bei dem Stück ‚Das große Los‘ war das wahnsinnig gut. Die Offenheit meiner Darstellerinnen und Darsteller war grandios. Eine besondere Erfahrung. Die haben ihre Figuren so gut ausgefüllt.“ Beim Schauspiel dürfen für ihn nämlich Leidenschaft und die Lust, sich in eine Rolle „reinzuschmeißen“, nicht fehlen. „Es war ein Genuss, da jeden Abend zuzuschauen.“
Nun steht das Jugendstück „Der Chaoskomet“, die nächste Geschichte aus Levent Özdils Feder, in den Startlöchern. Es feiert am Sonntag, 14. Juli, Premiere. 15 Kinder, Jugendliche und erwachsene Laiendarsteller zwischen elf und 55 Jahren werden dabei zusammenspielen. Manche von ihnen sind „super offen“, bei anderen spürte Özdil einen inneren Widerstand und stellte ihnen deshalb die Frage: Bist du dir sicher, dass du das willst? Seine Aufgabe ist für ihn, die Jugendlichen ans Theater heranzuführen, ohne dass sie sich überfordert fühlen und etwas machen, wozu sie keine Lust haben. „Da muss ich noch mehr Feingefühl zeigen“, zeigt Levent Özdil sich selbstkritisch.
Für ein Jugendstück entschied er sich übrigens schlichtweg deshalb, um auszuprobieren, wie es angenommen wird. Künftig könnte er sich vorstellen, die Jugendlichen in die „normalen“ Stücke zu integrieren.
Jedes Werk ist für Levent Özdil auch ein neuer Prozess – teils auch mit neuen Herausforderungen. Beim Chaoskometen probieren die Verantwortlichen erstmals Open Air zu spielen – und zwar im Garten der Zunfthalle. Bei schlechtem Wetter dürfen sie in das Vereinsheim ausweichen. Dafür ist der Vorsitzende dankbar, „denn sonst könnten wir nur absagen“.
Und um was geht es in dem „glaubhaft wahren Märchen“? Vor Tausenden von Jahren schlug ein Komet am gleichen Ort ein, wo sich der Klosterchor in Bad Windsheim befindet. Bei Sanierungsarbeiten wurde ein Splitter dieses Kometen geborgen. Da er an einem keltischen Kraftpunkt einschlug, sagt man ihm nach, dass er Wünsche erfüllen könne. Das ist auch der Grund, warum es jedes Jahr ein Kometenfest gibt, bei dem der Splitter öffentlich ausgestellt wird. Verschiedene Figuren wollen ihre Wünsche an den Kometen richten. Wird er sie erfüllen können?
Weitere Spieltage für „Der Chaoskomet“ sind am 15., 16., 21., 22. und 23. Juli. Beginn ist jeweils um 19 Uhr im Garten der Zunfthalle. Die Spielzeit beträgt eineinhalb Stunden ohne Pause. Karten gibt es über die Homepage theater-in-der-stadt.de. Dort gibt es auch weitere Infos zu dem Stück und dem Verein.