In Deffersdorf sind die seit Monaten hohen Gas- und Ölpreise kein Problem. Der Ortsteil der Gemeinde Wieseth (Landkreis Ansbach) hatte sich bereits vor der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Energiekrise über eine eigene Nahwärmeversorgung unabhängig gemacht: Das Dorf ist bei der Wärmeversorgung autark.
Insofern gelten Schlagwörter wie „Gasabhängigkeit, Heizölpreise, Lieferengpässe und Preissprünge“ in dem etwa 20 Anwesen umfassenden Dorf allenfalls als Bestätigung dafür, dass man dort mit der Entscheidung auf Selbstversorgung rechtzeitig den richtigen Weg eingeschlagen hat.
„Wir brauchen kein russisches Gas, kein Ölfahrzeug fährt in das Dorf, das Brennholz, das wir einsparen, können wir verkaufen“, ziehen die Verantwortlichen Herbert Grießer, Markus Deffner, Christian Baer und Robert Kral ein zufriedenes Resümee. Die Heizkosten seien stabil, jeder könne sie sich leisten. In Deffersdorf gebe es keine Verlierer, lautet die bisherige Bilanz.
Bereits seit März 2012 versorgen sich die Einwohner über ihr eigenes Nahwärmenetz, das von der örtlichen Biogas-Anlage von Markus Deffner beschickt wird. Und zwar, darauf weisen die Verantwortlichen hin, als ein Abfallprodukt aus der Stromproduktion zweier Motoren für die Biogasanlage.
Deren Abwärme wird aufgefangen und erhitzt so das Wasser für die Beheizung der inzwischen 20 angeschlossenen Häuser, informieren die Betreiber. Ein 21.000 Liter fassender Pufferspeicher garantiert, dass stets ausreichend Heizwasser zur Verfügung steht, das mit über 70 Grad zu den Empfängern kommt. „In Deffersdorf gibt es also keine kalten Wohnungen und wir leisten überdies einen Beitrag zum Klimaschutz“, sagen Grießer, Deffner, Baer und Kral, die im Viererquartett als Geschäftsführer der eigens gegründeten GbR fungieren. Sie sehen sich als Protagonisten, die aus einer Vision eine Erfolgsgeschichte gemacht haben.
Diese spiegelt sich mit „Wahnsinnszahlen“ in der Produktions- und Verbrauchsstatistik wider, die von Beginn an aus den Einzelmessungen erhoben wird. So habe die Anlage in zehn Jahren 8,5 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugt, was eine Heizöl-Einsparung von 867.000 Litern bedeute.
Das alles könne natürlich nur funktionieren, weil auch die Gemeinschaft funktioniert. Und da gebe es in Deffersdorf keine Abstriche, sagen die Verantwortlichen. Die Geschäftsführer sprechen hier von einer „Gemeinwohl-Ökonomie, durch welche wir von der Außenwelt komplett abgekoppelt sind“. Russisches Gas hat in dem kleinen Ort deshalb nie jemanden interessiert.
Die zentrale Rolle spielt dabei die Biogasanlage. Etwa 8500 Stunden laufen die Motoren pro Jahr. Das sind 97 Prozent der möglichen Maximalzeiten. Dabei wird der Einsatz je nach Bedarf gesteuert, was eine optimale Flexibilität ermöglicht. Die abgegebene Wärme werde auch im Sommer genutzt, zum Beispiel zum Trocknen von Scheitholz, das als Hackschnitzel verkauft werden kann.
Stolz sind die Geschäftsführer darauf, dass die Investitionskosten für das Nahwärmenetz von 350.000 Euro gestemmt wurden. „Unser Wärmenetz ist schuldenfrei“, betonen sie. Bei den Betriebskosten sei Markus Deffner großzügig entgegengekommen. Er habe während der Tilgungsphase in den ersten zehn Jahren das Unternehmen kostenfrei unterstützt.
Das Projekt sei akribisch vorbereitet worden, dabei habe man auch die Kosten stets im Auge gehabt, erklären die Verantwortlichen. Am 19. September 2011 fiel der Startschuss zum Bau des Nahwärmenetzes, im März 2012 wurde dessen Fertigstellung vermeldet. 1459 Meter Leitungsrohre sind in zwei Strängen mit einer Warmwasserleistung von 5800 Litern verlegt worden. Bei Vollauslastung werden stündlich 14.000 Liter aus dem 75 Grad heißen Puffer-Speicher gepumpt. Mit mehr als 70 Grad kommt das Heißwasser in den Häusern an, wo der Verbrauch durch eigene Zähler gemessen wird.
Derweil seien anfängliche Bedenken im Ort, ob und wie das Vorhaben gelingen könne, längst verstummt. „Wir haben vor zehn Jahren schon für die Zukunft geplant. Und eine Zeitenwende für Deffersdorf eingeleitet. Heute wissen wir, dass das richtig war“, freuen sich die Geschäftsführer.