Rund 500 Menschen versammelten sich am Sonntag vor der Dinkelsbühler Schranne, um ihre Sorge um die Zukunft der Dinkelsbühler Klinik lautstark auszudrücken. Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Vorsitzende des Krankenhausfördervereins, Dr. Petra Ziegler.
Die Menge im Zentrum der Altstadt war nicht zu überhören. Mit allen Arten und Größen von Glocken drückten die Leute ihre Zustimmung zu dem aus, was auf der kleinen Bühne gesagt wurde. Obwohl diese sechste Protestaktion nicht gemeinsam mit dem Rothenburger Krankenhausförderverein Mediroth organisiert worden war, kam aus der knapp 50 Kilometer entfernten Stadt eine Solidaritätsadresse.
Jan Overmans, Haus- und Notarzt aus Rothenburg, sprach auch für Kolleginnen und Kollegen, „die sich aus Angst vor beruflichen Konsequenzen öffentlich nichts sagen trauen”, wie sich der Mediziner ausdrückte. Die Ungewissheit über die Zukunft der Klinik in Rothenburg bestehe auch dort und das habe Folgen: „Fangen junge Ärzte überhaupt noch an, hier zu arbeiten?”; fragte er auf dem Dinkelsbühler Weinmarkt.
Immer wieder habe es „Kompromisse” gegeben, die laut Overmans das Ziel gehabt hätten, „dass die Massen nach Ansbach strömen”. Die Folgen dieser Kompromisse, wenn nämlich wieder etwas vom medizinischen Angebot der kleineren ANregiomed-Häuser weggeschnitten worden sei, seien oft zunächst gar nicht spürbar gewesen.
Der Arzt sprach davon, dass jetzt, „vor der Kommunalwahl, das leidige Thema” vom Tisch solle und meinte damit den Kompromiss, über den am Montag, 22. September, entschieden werden soll. Solchen Kompromissen müssten anschließend ja keine Taten folgen, mahnte er zur Vorsicht und zählte auf, welches medizinische Angebot es noch vor zehn Jahren in Rothenburg und Dinkelsbühl gab.
Jan Overmans forderte: „Rothenburg und Dinkelsbühl müssen lästig bleiben.” Denn nur wegen der Protestaktionen stünden heute die beiden Kliniken noch da. Von Dr. Johannes Böhm, Neurologe mit Praxis in Dinkelsbühl, wurde ein schriftliches Statement verlesen. „Was ist unsere Gesundheit wert?”, frage er. Er fürchtet, dass „mühsam aufgebauten Strukturen mittelfristig die Demontage” drohe.
Der Arzt, der bereits am Dinkelsbühler Krankenhaus Patientinnen und Patienten behandelt hat, forderte, an dieser Klinik alles aufrechtzuerhalten, was für eine Stroke Unit erforderlich ist, denn den ländlichen Raum mit Ballungszentrum gleichzubehandeln, sei nicht nachvollziehbar.
Der Dinkelsbühler Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer ging in seinem Redebeitrag davon aus, dass der vorgelegte Kompromiss beschlussfähig sei. Dinkelsbühl könnte demnach – zumindest bis zum Abschluss der Bauarbeiten in Ansbach – die Endoprothetik sowie eine telemedizinische Schlaganfalleinheit behalten. Die Kardiologie in Rothenburg würde ambulant weiter betrieben. Die Chirurgie in Rothenburg solle ebenfalls als 24/7-Angebot bleiben. Der Dinkelsbühler OB sagte, dass Dinkelsbühl mit allen fünf Leistungsgruppen dem Bayerischen Gesundheitsministerium vorgeschlagen werden. Trotzdem müsse man in „Alarmbereitschaft” bleiben.
Er nutzte auch die Gelegenheit, dem ANregiomed-Vorstand Dr. Gerhard Sontheimer zum wiederholten Male sein Misstrauen auszusprechen und er kritisierte, dass der Klinikverbund keine Transparenz bei der Höhe des Defizits hergestellt habe, das laut Hammer wesentlich niedriger sei als prognostiziert.
Die Dinkelsbühler Fördervereinsvorsitzende Dr. Petra Ziegler dankte dem OB dafür, dass er bei der zumeist nichtöffentlichen Diskussion um die Zukunft der ANregiomed-Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg hinterher immer wieder für Transparenz gesorgt habe. Sie erklärte, warum sie den Kompromiss, der jetzt geschlossen werden könnte, für fragwürdig hält: Der Erhalt der Grund- und Regelversorgung mit Kardiologie als Schwerpunkt in Rothenburg, aber lediglich der Erhalt der Grund- und Regelversorgung in Dinkelsbühl bis zur Fertigstellung der Chirurgie Abteilung in Ansbach und danach die geplante Verlegung der Endoprothetik nach Ansbach würde bedeuten, dass das Dinkelsbühler Haus die Anästhesie und Intensivabteilung verlieren würde.
Nach diesem Kompromiss-Szenario solle die aktuelle Situation noch etwa fünf Jahre bestehen. „Aber was folgt dann?”, fragte sie. Zieglers Überzeugung nach ist dann die Hintertür zum unerwünschten Sektoralen übergreifenden Versorgungszentrum (SÜV) geöffnet, das letztlich nur eine geriatrische Abteilung mit angeschlossenen Praxen ohne 24/7-Notfallversorgung darstelle. „Die fünf Jahre sind ein Damoklesschwert”, meinte sie.
Bisher gebe es auch keine langfristige Zusage für einen weiteren Bestand der 24/7-Notaufnahme und der Tele Stroke Unit. Die Fördervereinsvorsitzende richtete an die Entscheider deshalb den Appell, sich am Montag der Bürde ihrer Entscheidung bewusst zu sein. „Eine faire Gesundheitsversorgung darf kein Verfallsdatum haben.”