Etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Begegnungsorte schaffen. Menschen zusammenbringen. Das ist es, was die Mitglieder des Migrationsbeirates in Rothenburg fasziniert. „Das Menschliche ist einfach so wichtig“, fasst Michael Rehbogen zusammen.
„In der Stadt leben rund 2800 Migranten“, sagt er. Und erklärt: Dazu zählen alle nach 1949 nach Deutschland Zugewanderten, alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland Geborenen mit zumindest einem ausländischen Elternteil. Außerdem auch Spätaussiedler und ihre Kinder. „Ihnen allen wollen wir eine Stimme geben“, ergänzt die Vorsitzende Secil Herrscher. „Und ihre Wünsche und Anliegen in den politischen Diskurs auf kommunaler Ebene einbringen.“
Allerdings: Auch den Migrationsbeirat plagen Nachwuchssorgen. Bis zu den Neuwahlen am Freitag, 22. März, hoffen sie auf Engagierte, die in der Gruppe mitmachen möchten. Secil Herrscher und ihre Stellvertreterin Monica Baudracco-Kastner wollen sich wieder aufstellen lassen. Und auch Isabel Langenbuch, Michael Rehbogen und Sousan Ali sind weiterhin dabei. Einige Mitglieder allerdings scheiden nach Ende der zweijährigen Phase aus.
„Einbringen können sich Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Gestaltung der Zivilgesellschaft aktiv einsetzen wollen“, erklärt Herrscher. Einzige Voraussetzung: Die Menschen müssen Migrationshintergrund haben oder mit dem Thema Migration verbunden sein. „Wichtig ist, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben oder schon lange Zeit in Deutschland sind.“ Secil Herrscher zum Beispiel lebt seit 2010 in Deutschland, ursprünglich stammt sie aus Istanbul, hat in der Türkei amerikanische Kultur und Literatur studiert.
Isabel Langenbuch ist der kreative Kopf der Gruppe. Sie hat die Schweizer und die argentinische Staatsbürgerschaft. Jedes Jahr gestaltet sie zum Beispiel das Adventsfenster des Beirates am Rathaus – „immer mit sehr viel Liebe zum Detail und einer passenden Botschaft“, bescheinigt ihr Michael Rehbogen. Er selbst kam 1971 aus Siebenbürgen nach Rothenburg. Vor allem schwärmt er von den Veranstaltungen, an denen sich der Beirat beteiligt.
Der Tag gegen Rassismus zum Beispiel sei im Vorjahr „sehr groß“ gewesen. Genau wie die interkulturelle Woche und das Fest der Vielfalt im September. Der Beirat hatte dafür unter anderem eine Aktion mit dem syrischen Künstler Moneer Ballish organisiert.
Auch die aktuelle Woche gegen Rassismus gestaltet der Beirat aktiv mit. Für Samstag, 23. März, laden die Mitglieder zum Beispiel zu einer Fahrt in das Freilandmuseum Bad Windsheim ein, um dort die Ausstellung „Zweite Heimat Franken“ zu besuchen. Für das zugrunde liegende Forschungsprojekt hatte der Beirat Interviewpartner organisiert.
Bereits zwei Tage zuvor, am Donnerstag, 21. März, findet um 18 Uhr erneut eine Kundgebung für Demokratie am Marktplatz statt. Anfang Februar hatten sich dafür rund 500 Menschen versammelt. „Unser Ziel ist es, die Gesellschaft für eine Haltung gegen Rassismus und Diskriminierung zu sensibilisieren“, so Herrscher.
Als der Beirat vor acht Jahren gegründet wurde, beteiligten sich 24 Mitglieder. Mittlerweile ist die Gruppe geschrumpft. „Manchmal erreichen wir die Migranten nur schwierig“, sagt Isabel Langenbuch. „Manchmal sind auch die Sprachkenntnisse eine Hürde.“ Nicht in allen Kulturen sei außerdem ehrenamtliches Engagement üblich. „Und manchmal sind die Menschen auch zu sehr in Familie und Arbeit eingebunden“, ergänzt Herrscher.
Wer sich aber mit neuen Ideen einbringen möchte, stößt auf offene Ohren: „Wir freuen uns immer über neue Anregungen“, so Rehbogen. Engagieren könne man sich zum Beispiel auch bei Übersetzungen. „Einige unserer Mitglieder unterstützen manchmal als Dolmetscher in Schulen.“ Und auch Deutschkurse und Initiativen zur Sprachförderung – etwa in den Kindergärten – sind ein wichtiges Angebot des Beirats – für Erwachsene genauso wie für Kinder.
Rehbogen wünscht sich manchmal mehr Unterstützung durch die Stadt. Und auch Isabel Langenbuch meint: „Oft ist es mühsam, zum Beispiel bei der Suche nach passenden Lokalitäten für Veranstaltungen oder Ausstellungen.“ Weitermachen wollen sie trotzdem, denn: „Das Schöne überwiegt.“