„Was ist Wahrheit? Über den Wert der Pressefreiheit für die Demokratie”: So hatte die Journalistin und Autorin Professorin Sabine Böhne-Di Leo ihren Vortrag in der Bücherei überschrieben. Das Interesse war eher überschaubar: Rund 20 Leute kamen.
Sie erfahren an diesem Abend Grundlegendes und auch Besorgniserregendes. Böhne-Di Leo, die bis Herbst 2025 an der Ansbacher Hochschule im Bereich Journalismus und Politik gelehrt hatte, steigt mit einer kleinen Mitmachaktion ein. Sie bringt Beispiele von Neuigkeiten und Meldungen. Das Publikum soll analysieren, ob es sich um Fake News, also falsche Meldungen, handelt oder nicht.
Dabei kommt zum Beispiel heraus: Wenn eine Person auf der Plattform TikTok eine selbst erstellte Grafik teilt, auf der die AfD als Wahlsiegerin einer Sonntags-Umfrage zur Bundestagswahl abgebildet ist, obwohl das tatsächlich gar nicht zutrifft, also gelogen ist, dann ist dies durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das ist für das Publikum nicht so leicht zu verdauen, Böhne-Di Leo betont aber: „Man darf lügen.” Und in diesem Zusammenhang auch: „Man darf hassen.” Außerdem: Demokratie muss verschiedene Meinungen zulassen.
Sie blickt relativ ausführlich in die USA, wo die Pressefreiheit seit einigen Jahren massiv unter Druck steht und de facto schon ebenso massiv eingeschränkt ist. Böhne-Di Leo: „Ausgerechnet Amerika. Sie brachten uns nach dem Zweiten Weltkrieg die Freiheit und gerade auch die Pressefreiheit.”
Der kurzweilige Abend ist ein ganz klein bisschen wie Unterricht im besten Sinne, Böhne-Di Leo vermittelt viel Geschichtliches, blickt mal hierhin, mal dorthin, immer interessant. Es fallen Sätze wie „Journalismus ist die vierte Gewalt”, sie spricht über den hohen Rechercheaufwand von Journalistinnen und Journalisten, berichtet, wie zeitintensiv der Beruf ist – und dass manches Mal eine aufwändige Recherche nicht veröffentlicht werden kann, weil entscheidende Informationen oder Unterlagen fehlen.
Was können Bürgerinnen und Bürger tun, um dazu beizutragen, die Pressefreiheit zu erhalten? „Informationen von Qualitätsmedien beziehen und diese durch Nutzung, Abos oder Spenden stärken, damit sich Journalismus rentiert – auch von ARD und ZDF! Mit unseren Kindern und Enkeln, Freunden und Verwandten über die Bedeutung von unabhängigem Journalismus sprechen”, zeigt die Expertin auf einer ihrer Folien.
„Die Politik” sollte laut ihr Folgendes tun: „Individuelle Urteilskraft durch Medienbildung stärken. Plattformen EU-weit regulieren und Verbraucher schützen. Gemeinnützigem Journalismus Rechtssicherheit verschaffen, damit er von Spenden und Zuwendungen profitieren kann.”