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Veröffentlicht am 18.10.2024 10:35

Der älteste Einkaufsstandort in Ansbach soll neuen Glanz erhalten

Ansbachs wohl ältester Einkaufsstandort dieser Art soll in neuem Glanz erstrahlen: Dafür will ein Investor das Rewe-Areal in der Meinhardswindener Straße modernisieren und mit zusätzlichen Angeboten versehen. Um grünes Licht geben zu können, musste der Bauausschuss einen Beschluss des Stadtrates ignorieren.

Die Geschichte des Standortes neben dem Fernsehturm reicht zurück bis zum Anfang der 1970er Jahre. Damals eröffnete unter dem Namen „Ezo“ der erste größere Verbrauchermarkt in Ansbach. Über die Jahrzehnte veränderte sich das Gesicht des Nahversorgungszentrums. Eingemietet hatten sich unter anderem Attracta und bis heute Rewe.

Doch mittlerweile sind die Gebäude in die Jahre gekommen und brauchen eine Frischzellenkur. Ein Investor will das Projekt jetzt angehen und hat deshalb eine Bauvoranfrage bei der Stadt eingereicht. Das Areal soll saniert und ergänzt werden, wie Baureferent Jochen Büschl im Ausschuss berichtete.

Abweichung vom Entwicklungskonzept

Damit einher geht auch eine Veränderung des Angebots. Während Rewe und der Rewe-Getränkemarkt erhalten bleiben, werden die kleineren Einheiten aufgegeben. Stattdessen sollen Aldi und Rossmann in den Komplex einziehen, wie Büschl ausführte. Gleichzeitig steigt die Verkaufsfläche – von rund 5600 auf etwa 5900 Quadratmeter.

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Mit Blick auf den geltenden Bebauungsplan, das ein Sondergebiet „Einzelhandel“ ausweist, ist das Vorhaben nach den Worten des Baureferenten zulässig. Ein Problem gibt es allerdings: das vom Stadtrat im Juni 2023 fortgeschriebene Einzelhandelentwicklungskonzept (EEK).

Keine negative Haltung zeigen

Das EEK soll schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche vermeiden. Dafür empfiehlt das Konzept, dass keine Neuansiedlungen in „nicht integrierten Lagen“ stattfinden sollen. Eine solche Lage weist das Areal an der Meinhardswindener Straße aus städtebaulicher Sicht aber vor.

Die Verwaltung schlug vor, den Bebauungsplan um die Festsetzungen des EEK zu erweitern und gleichzeitig eine Veränderungssperre zu verhängen. Die Folge: Das Vorhaben wäre in dieser Form wahrscheinlich nicht realisierbar gewesen. Die Verwaltung wollte damit aber nicht eine negative Haltung zu dem Projekt zum Ausdruck bringen. Vielmehr ging es darum, bestehenden Stadtratsbeschlüssen Rechnung zu tragen.

Ansbacher Stadträte plädieren für Ausnahme

„Das EEK haben Sie beschlossen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Deffner zu den Stadträten. Gleichwohl könne die Praxis etwas anders aussehen, ließ Deffner die Möglichkeit durchblicken, sich nicht sklavisch an das Konzept halten zu müssen. Immerhin geht es „um den ältesten Einkaufsstandort der Stadt“, der eine wichtige Bedeutung für den Süden und Südwesten habe. Widerspruch erntete Deffner von den Stadträten nicht. „Wir sollten nach dem alten Bebauungsplan bauen und eine Ausnahme vom EEK machen“, erklärte Jochen Sauerhöfer (CSU).

Zuspruch gab es von Manfred Stephan (BAP). Der Standort sei auch für die umliegenden Ortschaften lebensnotwendig. Zwiegespalten zeigte sich Friedmann Seiler. Einerseits begrüßte der ÖDP-Stadtrat das Vorhaben. Andererseits fand er es nicht gut, gleich beim ersten Antrag eine Ausnahme vom EEK zu machen.

„Der Standort ist zu wichtig”

Laut Oliver Rühl (Grüne) fällt es dem Gremium jetzt auf die Füße, dass aus seiner Sicht zu kurz über das EEK gesprochen wurde. „Aber der Standort ist zu wichtig.“ Frank Reisner (SPD) begrüßte das Vorhaben ebenfalls. Das Entwicklungskonzept ist für ihn ohnehin eine Empfehlung und keine Vorgabe.

„Wir können froh sein, dass es da oben eine Einkaufsmöglichkeit gibt“, meinte Claus Kotzurek (Freie Wähler/Die Ansbacher). Fraktionskollegin Elke Homm-Vogel meinte, man sollte dem Standort zu altem Glanz verhelfen.

Letztlich empfahl der Bauausschuss dem Stadtrat einstimmig, den Verwaltungsvorschlag abzulehnen und die Verwaltung zu beauftragen, eine Baugenehmigung zu erteilen, sofern keine anderen rechtlichen Belange dagegensprechen.

Dieser Text wurde erstmals am 16. Oktober 2024 publiziert.

Der Standort in der Meinhardswindener Straße existiert seit Anfang der 1970er Jahre. Damals eröffnete unter dem Namen „Ezo“ der erste größere Verbrauchermarkt in Ansbach. (Foto: Florian Schwab)
Der Standort in der Meinhardswindener Straße existiert seit Anfang der 1970er Jahre. Damals eröffnete unter dem Namen „Ezo“ der erste größere Verbrauchermarkt in Ansbach. (Foto: Florian Schwab)
Der Standort in der Meinhardswindener Straße existiert seit Anfang der 1970er Jahre. Damals eröffnete unter dem Namen „Ezo“ der erste größere Verbrauchermarkt in Ansbach. (Foto: Florian Schwab)

Florian Schwab
Florian Schwab
Redakteur
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