Die dritte Produktion von „Theater in der Stadt” ist ein Stück für die ganze Familie. Die Mitwirkenden sind Kinder und Jugendliche ab elf Jahren, hinzu kommen einige Erwachsene. Verfasser und Regisseur des Stücks ist in bewährter Weise Levent Özdil. Vor kurzem nun feierte die Produktion „Der Chaoskomet“ in Bad Windsheim Premiere.
Ein kurzer Überblick zur Handlung: Zum alljährlichen Kometenfest ist der Andrang im Museum groß. Kein Wunder, denn der dort ausgestellte Splitter eines Kometen, der vor vielen Jahren genau in ein keltisches Kraftfeld im Bad Windsheimer Klosterchor eingeschlagen war, soll Wünsche erfüllen können.
Museumsleiter Bruno (Thomas Fischer) hat sich diesmal zum Museumsfest Unterstützung in Person von Elvira (Emilia Ziefle) geholt. Das ist auch dringend nötig, denn die Besucher, die alle einen wichtigen Wunsch loswerden möchten, geben sich die Klinke in die Hand. Allerdings scheint Elvira nicht nur gute Absichten zu haben.
Nach und nach erfahren die Zuschauer von den Nöten der Menschen, die ihre Hoffnung auf den Stein setzen. Ines (Zerda Dogan) wünscht sich, dass er die Zeit zurückdreht, damit etwas ungeschehen wird, was sie völlig aus der Bahn wirft. Cleo (Rebekka Dienstl) träumt von einer Ballettausbildung, aber bitte schnell und sofort. Penelope (Yuna Paskow) hat einen Wunsch für ihre Freundin Annabelle (Charlie Raynor). Die jedoch steht der Sache eher skeptisch gegenüber. Valentina Kehl (Gabriele Ziefle) möchte mit ihrem Ansinnen die eigene Tochter verändern und erlebt dabei ihr blaues Wunder. Ein wahrer Chaoskomet!
Aber was ist denn jetzt dran, am Wunderstein? Kann er wirklich Wünsche erfüllen? Und wenn ja, warum erfüllt er nur manchem einen Wunsch, dem anderen aber offensichtlich nicht? Eine Frage, die auch im Schluss-Song noch einmal auftaucht: „Wo manche nichts spüren, sind andre entflammt, wo manche verzweifeln, finden andere Mut.“ Und dennoch erleben alle an diesem Tag im Museum eine Veränderung an sich selbst.
Levent Özdil reizte an der Arbeit mit den Jugendlichen nach eigener Auskunft die Frage, wie er ihnen das Verständnis für die Rolle vermitteln kann, und ob er dabei dieselben Resultate erzielen kann, wie mit Erwachsenen. Gelernt hat er bei den Proben, dass er andere Mittel und Methoden benötigt, um dasselbe zu erreichen. Vom guten Ergebnis konnten sich alle bei der Premiere überzeugen. Die Zuschauer nahmen das Stück gut an und belohnten die Aufführung mit heftigem Applaus. Die Darsteller konnten neben ihrem schauspielerischen Talent auch eigenen Stärken im Stück einbringen.
Lisa Rienecker als Marlene überraschte mit einer Tanzeinlage, Yuna Paskow zeigte mit kräftiger Stimme ihre Begeisterung für den Gesang, Lelina Paskow wechselte als hochbegabte Gloria mühelos zwischen Jugendslang, Rap und intellektueller Sprache und Charlie Reynor gelang es überzeugend, die Gefühle ihrer Rollenfigur Annie rüberzubringen.
Die beiden Jungs im Stück hatten deutlich die Sympathien auf ihrer Seite. Ylli Neumeister als empathischer Rafael, der zwar seinen eigenen Weg noch sucht, aber als guter Zuhörer und ruhender Pol im Geschehen seinen Platz fand, und Johann Hertlein als der wenig selbstbewusste, aber schnell zu begeisternde Erik, auf der Suche nach der eigenen Identität. So konnte sich wohl auch jeder im Publikum, zumindest teilweise, in der einen oder anderen Rolle wiederfinden.
Für die noch folgenden Aufführungen am 21., 22. und 23. Juli im Garten der Zunfthalle am Bad Windsheimer Ochsenhof gibt es noch Karten.