Der Colmberger Florian Bremm baut sich für die WM eine Hitzekammer | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.02.2025 10:00

Der Colmberger Florian Bremm baut sich für die WM eine Hitzekammer

Hier noch der Jäger, am Ende ganz vorn: Florian Bremm (Mitte) bei der Deutschen Hallenmeisterschaft im Vorjahr in Leipzig, angefeuert von Edelfan Franz Josef Heller aus Dürrwangen. (Foto: Theo Kiefner)
Hier noch der Jäger, am Ende ganz vorn: Florian Bremm (Mitte) bei der Deutschen Hallenmeisterschaft im Vorjahr in Leipzig, angefeuert von Edelfan Franz Josef Heller aus Dürrwangen. (Foto: Theo Kiefner)
Hier noch der Jäger, am Ende ganz vorn: Florian Bremm (Mitte) bei der Deutschen Hallenmeisterschaft im Vorjahr in Leipzig, angefeuert von Edelfan Franz Josef Heller aus Dürrwangen. (Foto: Theo Kiefner)

Der renommierte Leichtathletik-Fotograf Theo Kiefner hat dieser Tage Fotos von Florian Bremm verschickt. Das tut er häufig, weil er viele Wettkämpfe des Colmbergers besucht. Ungewöhnlich an den Aufnahmen ist, dass sie Florian Bremm in Alter von 13 Jahren zeigen, wie er einem wesentlich älteren Konkurrenten bei einem Wettkampf im Jahr 2013 davonläuft.

Mit Archivmaterial dieser Art statten Fotografen die Sportredaktionen aus wenn sie damit rechnen, dass über den Abgebildeten große Geschichten geschrieben werden. Tatsächlich könnte es 2025 dafür Anlass geben.

Bestzeit schon im Januar

Das Jahr begann mit einer fantastischen neuen Bestzeit und eine lange Saison endet mit der Weltmeisterschaft im September in Tokio. „Da will ich starten, die WM ist das große Ziel“, sagt Bremm am Telefon. Es wäre eine Premiere.

Weil Bremm als gläserner Athlet sein Training und vieles andere über eine App teilt, weiß man, dass er am Morgen noch beim Orthopäden war. Ob man sich Sorgen machen muss? „Nein, ich habe Rückenbeschwerden, aber es ist wohl keine Verletzung“, sagt Bremm und dass Kernspintomogramme Klarheit bringen sollen.

Eine Verletzung mitten in der Hallensaison käme enorm ungelegen.

Schon cool, die Weltjahresbestzeit

Bei einem Meeting in Luxemburg lief Bremm im Januar die 3000 Meter in 7:39,01 Minuten und damit so schnell wie nie zuvor. Eine Weile war das sogar Weltjahresbestzeit. „Schon cool, in dieser Liste für ein paar Tage ganz oben zu stehen“, findet Bremm. Nicht zuletzt dafür wurde er als „Ass des Monats“ Januar in einer vom Deutschen Leichtathletik-Verband initiierten Abstimmung gefeiert.

Bessere Zeiten in den USA

Mittlerweile haben unter anderen in den USA große Rennen stattgefunden, deren Sieger bis zu 16 Sekunden schneller unterwegs waren. Auch zwei deutsche Konkurrenten haben Bremm überholt. Ein Grund dafür, warum er sich für die Deutschen Hallenmeisterschaften (21. bis 23. Februar in Dortmund) als Titelverteidiger nicht unbedingt in der Favoritenrolle sieht. Im Vorjahr in Leipzig holte der für den Sport vom Dienst freigestellte Polizist Gold in 7:58,76 Minuten.

Bei der DM werden EM-Startplätze vergeben

In Dortmund geht es auch um die Startplätze für die Hallen-Europameisterschaft in den Niederlanden (6. bis 9. März in Apeldoorn). Die EM-Norm hat Bremm erfüllt, allerdings gilt das auch für ein paar seiner Konkurrenten. Der Sieger und der Zweitplatzierte von Dortmund haben ihr Ticket wohl sicher.

Direkt nach der EM geht es ein weiteres Mal ins Trainingslager nach Südafrika. In Dullstroom, einem Dorf auf 2000 Metern, wird man schon überlegen, ob man den Blondschopf aus dem fernen Germany nicht so langsam einbürgern sollte, so oft wie er da ist. Rund ein Dutzend Läufer, darunter etliche aus der Erlanger Trainingsgruppe Running Gags, wird sich dort in der Höhe auf die Bahnsaison vorbereiten.

Zur WM-Norm fehlen zehn Sekunden

Um was es dabei auch geht, sieht Bremm, der in diesem Jahr wieder für den LSC Höchstadt startet, in seiner Wohnung. Dort hängen ein Poster der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und eines von der WM in Tokio. Die WM-Norm für die 5000 Meter steht laut Verband bei 13:01 Minuten. Die Bestzeit von Bremm: 13:11.

Es wäre nicht das erste Mal, dass es Bremm gelingt, die Bestzeit innerhalb eines Jahres so deutlich zu verbessern. Dabei ist er nicht gänzlich darauf fixiert, in einem gut besetzten Rennen wenigstens einmal zehn Sekunden schneller als jemals zuvor zu sein.

Konstant im Bereich von 13:10 Minuten laufen

„Wenn ich konstant im Bereich von 13:10 Minuten laufe mit Ausrutschern nach oben an einem perfekten Tag sollte die Qualifikation über die Weltrangliste gelingen“, sagt Bremm. In der steht er als bester Deutscher momentan auf Platz 51.

Brüssel wäre ein guter Ort für einen perfekten Tag und einen perfekten Lauf. Beim internationalen Meeting dort schaffte Bremm im Vorjahr seine Bestzeit und dort will er im Mai wieder starten.

Laufband wiegt mehrere hundert Kilogramm

Was sich abgesehen von der Deutschen Meisterschaft in der Sommersaison noch an Wettkämpfen anbietet, ist Sache seines Managements, das für eine Startzusage des zweifachen deutschen 5000-Meter-Meisters mittlerweile in einer guten Verhandlungsposition ist.

Im Bemühen, sein Training stets weiter zu professionalisieren, hat Bremm jüngst eine größere Investition getätigt und nennt nun ein mehrere hundert Kilogramm schweres Laufband sein Eigen. Das Trumm kommt zum Einsatz, wenn Laufen draußen wegen Schneematsch und Glätte zu gefährlich ist. Und es soll Hitzetraining ermöglichen.

Hitzekammer simuliert Klima in Japan

Bremm will mit einer Art Zelt und Heizstrahlern eine Kammer bauen und darin das Klima von Tokio im September (bis zu 30 Grad und hohe Luftfeuchtigkeit) simulieren.

„Es hat sich gezeigt, dass Training mit erhöhter Körpertemperatur ähnliche Anpassungen auslöst wie Höhentraining“, weiß Bremm. Die Körperkerntemperatur wird dabei mit einem Sensor überwacht.

Neun bis zehn Stunden Schlaf sind wichtig

Weniger anstrengend, aber nicht weniger wichtig und entsprechend häufig Thema bei Bremm ist die Nachtruhe. „Schlafen ist nun mal die beste Regeneration“, sagt Bremm. Neun bis zehn Stunden genehmigt er sich davon täglich.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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