Der Currywurst-Fluthelfer aus Adelhofen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.06.2024 17:00

Der Currywurst-Fluthelfer aus Adelhofen

Patrick Hartl aus Adelhofen (Gemeinde Simmershofen), der selbst bei der Feuerwehr ist, brutzelte für die Rettungskräfte (wie hier in seinem Lokal in Creglingen) zur Stärkung Currywurst mit Pommes. (Foto: Ute Niephaus)
Patrick Hartl aus Adelhofen (Gemeinde Simmershofen), der selbst bei der Feuerwehr ist, brutzelte für die Rettungskräfte (wie hier in seinem Lokal in Creglingen) zur Stärkung Currywurst mit Pommes. (Foto: Ute Niephaus)
Patrick Hartl aus Adelhofen (Gemeinde Simmershofen), der selbst bei der Feuerwehr ist, brutzelte für die Rettungskräfte (wie hier in seinem Lokal in Creglingen) zur Stärkung Currywurst mit Pommes. (Foto: Ute Niephaus)

Als Patrick Hartl am Sonntag von der Arbeit heimfuhr und von den Überflutungen im Raum Augsburg hörte, stand für ihn fest: Ich will helfen. Er ist bei der Feuerwehr des Simmershofener Ortsteils Adelhofen und weiß, dass Einsätze kräftezehrend sind und man sich über eine warme Mahlzeit freut.

Kurzerhand packte er 700 Würste und jede Menge Pommes in seinen Foodtrack und fuhr los. Zuvor hatte er zu Hause in Adelhofen am Computer nachgesehen, wo die Not in den Überschwemmungsgebieten wohl am größten ist. „Das war in Augsburg“, erklärt der 31-Jährige nach seiner Rückkehr im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch kleine Motorsäge an Bord

Neben Lebensmitteln wurden Gummistiefel und (um im Bedarfsfall helfen zu können) Wathosen, eine kleine Motorsäge und Wechselsachen in den weißen Transporter gepackt. Mit dem fährt er ansonsten zu Festen und privaten Feiern. Schnitzel, Burger, Brat- und Currywürste, Vegetarisches und Fischgerichte werden in seiner mobilen Küche zubereitet. Um 1.30 Uhr saß er hinter dem Steuer und fuhr Richtung Augsburg, gute zweieinhalb Stunden.

Bei der dortigen Feuerwache angekommen, erfuhr er, dass man seiner Unterstützung nicht bedurfte. Zwar freute man sich über die Überraschung, betonte jedoch, dass andernorts viele Einsatzkräfte von den Hochwassermassen weiterhin stark gefordert sind und sich über eine Stärkung freuen würden. „Sie haben mir empfohlen, nach Günzburg zu fahren, wo die Hochwasserlage noch extrem war“, sagt der gelernte Koch, der mit seiner Frau Annika ein Lokal in Creglingen betreibt. Mit von der Partie sind die Schwiegereltern Sabine und Albert Nestler.

Hartl, in seinem Foodtruck als „Frankenbruzzler“ auf Tour, fackelte nicht lang, wendete und machte sich auf den Weg nach Günzburg. „Auf der Autobahn sah ich im Dunkeln die überfluteten Flächen.“ Ein komisches Gefühl, doch er fuhr weiter.

Als Feuerwehrmann kennt er Extremwetterlagen und ihre Folgen. Am Zielort lenkte er seinen Wagen auf den Hof der örtlichen Feuerwehr. Dort staunte man nicht schlecht, als der unerwartete Helfer mit seinem weißen Transporter eintraf.


50 bis 60 Leute habe ich verköstigt.

Patrick Hartl

„Die Einsatzkräfte haben sich riesig gefreut, als ich gesagt habe, ich mache Pommes und Currywurst für die Helfer. Denen hing das Gulasch, das es bei Einsätzen oft gibt, schon zum Hals raus.“ Ratzfatz wurden Grill und Fritteuse angeworfen. Wurst um Wurst ging über den Tresen. „50 bis 60 Leute habe ich verköstigt“ – natürlich gratis. Tragisch sei es gewesen, zu hören, dass auch einige Feuerwehrkräfte ihr Hab und Gut an die Wassermassen verloren hatten. Trotzdem machten sie unbeirrt weiter im Kampf gegen die Flut.

„Ich habe gefragt, wo ich noch helfen kann, und eine zweite Stelle zugewiesen bekommen.“ Also alles rasch zusammengepackt und los. „Nach einiger Zeit ging mir die Ware aus. Auf einmal brachte mir ein Feuerwehrmann 200 Würste vorbei. Bevor ich ihm danken konnte, war er schon weg“, sagte der Vater eines fünfjährigen Sohnes. Auch diese Spende eines Unbekannten wurde gebraten und rasch unter die Helferschar gebracht. Was nun? „Ich wollte weitermachen, aber in Donauwörth brauchte man niemanden mehr.“

So machte sich der „Frankenbruzzler“ wieder auf den Weg Richtung Adelhofen. „Die Rettungskräfte haben vor Ort Großartiges geleistet und das, obwohl viele schon fix und fertig waren.“ Auch Feuerwehrleute aus Ansbach traf er, die ihre Kameraden unterstützten.

Nach zweieinhalb Tagen war Patrick Hartl wieder zu Hause, seine Familie hatte das Lokal ohne ihn geschmissen. Nun ist sie froh, dass er wohlbehalten zurück ist. „Es war ein schönes Gefühl, den Menschen geholfen zu haben. Sie haben sich gefreut, viele haben mich umarmt“, resümiert der 31-Jährige. Für ihn steht fest: Wenn er wieder helfen kann, ist er vor Ort.

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