Micha Haupt hat alle der über 30 Register der Orgel in Feuchtwangens Stiftskirche gezogen und spielt. Das Instrument dröhnt wunderbar. Die Mädchen und Jungen des evangelischen Kindergartens Sandweg, die hinter dem Dekanatskantor sitzen, sind begeistert. Sie strahlen über das ganze Gesicht.
Die Kinder sind an diesem Vormittag in das Gotteshaus gekommen, um zu erfahren, wie eine Orgel funktioniert. Die Idee dazu hatte Christiane Karg, als sie vor Kurzem ein Konzert von Micha Haupt in der Stiftskirche besuchte. „Die Orgel ist so ein tolles Instrument“, sagt die Sopranistin. Es macht was mit einem, es bringt den Körper zum Vibrieren. Doch Kinder würden die Orgel in der Regel nur in Gottesdiensten hören, ohne zu wissen, was alles in dem Instrument steckt.
Das wollte Christiane Karg ändern. Sie holte sich Micha Haupt mit ins Boot und lud Mädchen und Jungen der evangelischen Kindergärten Sandweg, Wannenbad und Wohlgemuthstraße sowie des katholischen Kindergartens St. Ulrich und Afra am Schwalbennest in die Stiftskirche ein. Die inklusive Kindertageseinrichtung im Familienzentrum der Lebenshilfe komme auch noch, da müsse aber erst ein Termin gefunden werden, so Karg.
Die Sandweg-Kinder bekommen zunächst die Gelegenheit sich die Orgel von unten – vom Chorraum – aus anzusehen. Mesnerin Angela Beck schaltet dafür extra den Alarm in diesem Bereich aus. Dann nehmen die Mädchen und Jungen den Weg zur Orgel-Empore, den sonst nur der Organist geht – über eine Treppe und durch eine schmale Tür.
Micha Haupt erklärt kindgerecht. Die Stiftskirchen-Orgel besteht aus viel Holz und über 2100 Pfeifen – von ganz kleinen bis zu ganz großen. Zwei Pfeifen hat er mitgebracht. Als er in die größere hineinbläst, erklingt ein tiefer, dumpfer Ton, bei der kleineren hingegen ein hoher, heller Ton. In der Orgel selbst erzeugt ein riesiger Blasebalg Luft, die über Windkanäle zu den Pfeifen transportiert wird. Ein Junge darf den Blasebalg anschalten. Die Kinder hören, wie er anläuft.
Gespielt wird die Orgel zum einem mit den Händen, zum anderen mit den Füßen. Um mit letzteren nur die gewünschten Pedale zu treffen, gibt es spezielle Schuhe, die vorne schmaler sind, berichtet Micha Haupt den Mädchen und Jungen. Er holt seine „Orgelschuhe“ hervor und zieht sie an.
Die Knäufe, die sich links und rechts am Spieltisch befinden, heißen Register. Jedem ist ein Instrument zuordnet. „Eine Orgel ist wie ein ganzes Orchester“, sagt Haupt und macht es vor. Er zieht einzelne Register und spielt. Es erklingen etwa Flöte, Trompete oder Tuba. Anschließend darf jedes Kind es selbst ausprobieren. Ohne große Scheu werden Register gezogen, Hände oder Füße kommen zum Einsatz.
Nach der Stiftskirche geht es noch in die Johanniskirche. Denn Christiane Karg will den Kindern die Besonderheit der Orgel in diesem Gotteshaus nicht vorenthalten: ein Glockenspiel.