Der Künstlerbund lädt in direkter Nachbarschaft zum Reiterlesmarkt ins Fleischhaus ein: 19 Mitglieder stellen dort ihre Werke aus. Und die können sich sehen lassen – im wahrsten Sinn des Wortes. Die neue Beleuchtungsanlage des Vereins wurde nun installiert und rückt die Ausstellungsobjekte ins rechte Licht.
Seit Wochen, so die Vorsitzende des Künstlerbundes, Luise Limburg, habe man an der Ausstellung gearbeitet. Eine Jury, aktuell sind das Bernhard Karlstetter, Alexander Fabi, Jürgen Holstein und Luise Limburg, hätten die Kunstwerke dann sortiert, zurechtgelegt und bei gutem Tageslicht betrachtet, in Position gebracht und schließlich gehängt oder anderweitig präsentiert.
Zu Anfang der Vernissage bekam jeder der Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber ein kleines Teelicht im Miniblumentopf in die Hand gedrückt – das Licht im Ausstellungsraum war gedämmt, nur die vielen kleinen Kerzen der etwa 60 Besuchenden flackerten und sorgten für eine wohlige Stimmung.
Und dann war es soweit: Nach dem Aufruf der Vorsitzenden „Licht an – und viel Spaß beim Gang durch die Lichtungen des Bilderwaldes“, wurde das Licht angeknipst. So gut ausgeleuchtet war der Raum des Künstlerbundes nie zuvor und Luise Limburg zeigte sich begeistert, ebenso die Besuchenden der Vernissage. Limburg dankte im Anschluss den Sponsoren, die die neue Lichtanlage ermöglicht hatten.
Sibylle Schöffel hat fünf Raben zur Ausstellung mitgebracht, deren Blick alles zu beobachten scheint. Neu ist Christian Kulczycki im Künstlerbund: Er stellt Zeichnungen aus, darunter auch Ansichten von Rothenburg. Zwei Drehleierspieler hat Bahtiyar Danz gezeichnet, während Ekkehart Tittmann eine unverkäufliche Collage zeigt, untertitelt mit „Treten Sie ein! Wir haben erweitert.“
In Öl auf Leinwand hat Sybille Fruth „Die Glocke“ gebannt und Maria Semmer hat Models in die Nähe von alten Gemäuern und wilder Vegetation gestellt und fotografiert. Kleine Schlangen und ein Ei sind in einer Vitrine zu bewundern, genannt „Eiertanz“ von Burkhardt Moser. Keramik hat Evelyne Weiss gefertigt, eine Dose und das Werk „Herz & Hirn“.
Stürmisch präsentierte sich das Selbstportrait von Andreas Oft. Jeden einzelnen Künstler und jede Künstlerin wertschätzte Luise Limburg in ihrer Ansprache, so auch Klaus Biliczky mit seinem Bild „Geformt durch die Gezeiten“ und Bernhard Karlstetter, der stets intensiv an der Tiefe und Struktur seiner Bilder arbeitet. Jutta Maria Richter zeigt Webarbeiten im Fenster – ihre persönliche Wegsuche hin zum Sinn des Seins.
Mit Naturfarben arbeitet Barbara Oft. Dafür muss sie die Pflanzen zunächst pflücken, dann trocknen, kochen und aufbereiten, erklärte Luise Limburg. Oft stellt zwei Linoldrucke aus: „Färberwaid“ und „Krappwurzeln“. Hans-Gustaf Weltzer zeigt ebenfalls einen Linoldruck: Er hat ihn mit „Beim Derwisch“ untertitelt. Ekkehardt Hofmann brachte große Aquarelle mit, die Herbstbäume zeigen.
Lena Richter hat ein Werk geschaffen, das vor allem Hundeliebhaber anspreche, so Limburg. Klare Strukturen hingegen zeigt Irmtraud Schmidt-Hartung mit ihren Wellpappenkreationen. Material-Collagen stellt Hermann Wolf vor: „Toaster drei und vier” sind seine Motive. Alexander Fabi präsentiert Skulpturen aus Holz, Carmen Hiller hat das Werk „Blitz und Holz aus Eiche“ gestaltet.
Die Ausstellung während der Advents- und Weihnachtszeit sei immer sehr gut besucht, so Mathias Braun, zweiter Vorsitzender des Künstlerbunds. Rund 300 Kunstinteressierte pro Tag fänden den Weg in die Ausstellung. Braun zeigte sich zufrieden, vor allem deshalb, weil inzwischen mehrere junge Künstlerinnen und Künstler dem Verein beigetreten sind und sich auch engagieren. „Das Licht“, so Braun, locke die Besucherinnen und Besucher des Reiterlesmarktes ins Fleischhaus, was den Künstlerbund sehr freue.
Schließlich hatten sich die Kunstschaffenden noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Etwa 70 elegant verpackte Weihnachtsgeschenke fanden sich vorne im Ausstellungsraum, sie waren um eine Säule drapiert und lenkten die Blicke der Besuchenden dorthin. Es handelte sich nicht um eine Weihnachtsdekoration, sondern um Kunst. Was sich in den Überraschungspäckchen befand, ließ sich nur erahnen. Ein Kunstdruck vielleicht, wenn er groß und flach ist, ein Buch, wenn es ein wenig schwerer ist oder vielleicht ein kleines Aquarell? Etwas überraschend künstlerisch Individuelles ist es in jedem Fall.
Die Mitgliederausstellung läuft noch bis Sonntag, 28. Dezember. Besucht werden kann sie donnerstags bis sonntags zwischen 16 und 19.30 Uhr.