„Ich will böhmische Blasmusik, einen böhmischen Fleckerlkuchen und vor euch steht ein böhmischer Kerl.“ Mit diesen Worten stellte sich Rudi Meinl vor seine Geburtstagsgesellschaft am Mittwoch in Herbolzheim beim Wirtshaussingen. Am 25. Juli feierte er seinen 85. Geburtstag in Diespeck im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Mit Musik, Freunden und Tanz.
Wer aus Graslitz stammt, der hat in der Regel mehrere Instrumente zu Hause stehen. Im Alter von zwölf Jahren lernte Rudi Meinl Akkordeon, später Trompete und Tuba. Ein halbes Jahrhundert lang hat Rudi Meinl Tuben gebaut. Das taten schon seine Eltern in der Musikinstrumentenbauerhochburg Graslitz.
Dort, genau gesagt in Silberbach bei Graslitz, hatte Rudi Meinl am 25. Juli 1939 das Licht der Welt erblickt. 1946 wurde er von den Tschechen nach Leipzig ausgesiedelt. Über Münchsteinach und Neustadt kam er schließlich 1961 nach Diespeck.
1966 folgte seine Meisterprüfung. 1984 erhielt er eine Auszeichnung für hervorragende Ausbildung junger Menschen auf Bundesebene. Auf der Musikmesse in Frankfurt am Main stellte er rund 25 verschiedene seiner Großinstrumente aus.
Meinl gibt es viele und offenbar recht erfolgreiche Leute: Der Cousin seines Vaters, Roland Meinl, baute seinen Musikinstrumentenhandel in Neustadt und später groß in Gutenstetten auf.
In der Blumenstraße 21 baute Rudi Meinl Tuben – zum Großteil für klassische Orchester auf der ganzen Welt. 1998 erhielt er den Deutschen Musikinstrumentenpreis aus den Händen von Bundespräsident Karl Carstens für die B-Kontrabasstuba aus der Gruppe der Blechblasinstrumente.
Im gleichen Jahr konnte er sich über den Preis für die beste Tuba der Welt freuen. Überreicht wurde dieser von der ITEA, der Internationalen Tuba-Euphonium Association für die Entwicklung und Herstellung von Cimbass-, Bass- und Kontrabass-Tuben. Gerne wäre Meinl zur Übergabe in die USA gereist, konnte jedoch damals nicht daran teilnehmen.
Die Werkstatt befindet sich immer noch an gleicher Stelle in Diespeck. Im Alter von 70 Jahren hat Rudi Meinl bereits aufgehört, Tuben zu bauen. Den Betrieb hat er an seinen Sohn Rudi Meinl junior übergeben. Die Werkstatt betritt er nicht mehr. Im Ruhestand fährt er viel E-Bike, geht viel auf Kirchweihen und gern unter Menschen und widmet sich der Familie – den beiden Töchtern und dem Sohn sowie den Enkeln.
Doch seine Liebe für das größte Blechblasinstrument ist geblieben, und er freut sich über eines: „Die Tuba als Instrument des Jahres 2024 passt hervorragend, um für dieses schöne Instrument zu werben“, meint er. Für seine eigenen Instrumente muss der rüstige Senior keine Werbetrommel rühren. Zu seinen Kunden zählten die Professoren Josef Steinböck (Österreich) und Martin (Schweiz) sowie Arnold Jacobs und Bob Tucci (beide USA). „Es ist sehr schön, dass ich im Laufe meines Arbeitslebens überwiegend Tuben für die ganze Welt bauen durfte und daher auch viel Lob und Auszeichnungen bekommen habe.“ Doch vor dem Lohn hatte der Herrgott den Schweiß gesetzt. An seinem Siegerstück hatte er damals 250 Stunden gearbeitet.
Seine Freude war es immer, wenn Stimmung und Verarbeitung exakt waren. Dabei erinnert er sich auch an den elektronischen Frequenz-Messplatz, den der Betrieb als erster in Deutschland hatte. Er war damals von der physikalischen Bundesanstalt in Braunschweig entwickelt worden. Die Mundstücke baute man nicht alle selbst. In Neustadt habe es dafür eigene Betriebe gegeben – auch für Werkzeuge speziell für die Instrumentenbauer.
Eine Liebeserklärung an sein Produkt gibt Rudi Meinl heute gerne ab: „Die Tuba ist eines der besten Instrumente. Sie ist viel mehr als nur das wichtigste Fundament eines jeden Ensembles. Ihr Klang ist warm und weich, sie kann aber auch fanfarenhaft und schmetternd sein.“ Die Tuba sei absolut vielseitig und komme auch solistisch zum Einsatz.
Seine Präzision und die Hingabe zu dem Handwerk schätzen die Tubisten bis heute. Seine Hauskapelle mit Hans (Saxofon), Hans (Trompete) und Ano (Helikontuba) spielte zünftig zu seinem Geburtstag auf.
Zu seinem 85. Wiegenfest, erzählte Rudi Meinl, waren auch drei Bläser aus Fulda gekommen und spielten ein Ständchen. Vor etwa 35 Jahren hatte er ihnen ein Instrument verkauft. Diese Treue rührte ihn zutiefst.