Der Umzug des gut 100 Jahre alten Trafohäuschens am Gasberg ist fast abgeschlossen. Mehrere Monate später als geplant ist nun der vierte und letzte Teil des Turmes mit Hilfe eines Autokranes auf einen Tieflader gehievt und nach Bad Windsheim ins Freilandmuseum verfrachtet worden.
Als Industriedenkmal soll das architektonisch besonders schön gestaltete Trafohaus im Museum wieder errichtet werden. Mit dem Abtransport des Daches hatte die mehrteilige „Translocation” im vergangenen Dezember begonnen. Etage für Etage war der Turm dann jeweils in eine Art Korsett aus Stahl und Holz gespannt und abtransportiert worden.
„Es geht um maximalen Substanzerhalt”, gab Zimmerermeister Thomas Lederer aus Flachslanden, Spezialist für solche Gebäude-Umzüge, die Marschrichtung vor. Der Transport in vollständigen Segmenten sei zwar aufwändig in der Vorbereitung, erspare aber das Zerlegen und das Zusammensetzen der Puzzleteile am neuen Standort.
Dieses Vorgehen bleibt indes beim nun noch in Leutershausen stehenden Sockel, quasi dem Erdgeschoss des Trafohauses, nicht erspart. Seine Substanz ist nicht gut genug erhalten, um ihn am Stück zu verladen. Deshalb wird dieses Bauteil in den nächsten Wochen abgebaut und in Einzelteilen nach Bad Windsheim gefahren, um dort dann neu errichtet zu werden. Die vier im Museum an Ort und Stelle zwischengelagerten, teils bis zu 15 Tonnen schweren Segmente werden anschließend auf den neuen Sockel aus den alten Baustoffen gestellt.
Das Trafohaus am Gasberg, Zeugnis der frühen Energieversorgung Leutershausens, hat lang ausgedient. Es sollte ursprünglich abgerissen werden, doch der Stadtrat intervenierte. Das historische und bereits ziemlich marode Gebäude wurde zum Verkauf angeboten. Es ging in private Hände und sollte zunächst zu einer Ferienwohnung der besonderen Art umgebaut werden, doch dann bekam Dr. Herbert May, der Direktor des Fränkischen Freilandmuseums, Wind davon. Er sicherte sich das Industriedenkmal, von dem Thomas Lederer schwärmt: „Das ist nicht normal, was da noch dran ist.” Selbst alte Isolatoren und Kupferkabel würden mit ins Museum wandern.
Die Kurzzeit-Eigentümer des Turmes, Carolin und Harald Domscheit, wollen dem nun fast verschwundenen Denkmal ein Denkmal setzen. Auf der verbleibenden Bodenplatte, so ihre Idee, soll künftig eine Informationstafel an die Anfänge der Elektrifizierung der Stadt vor mehr als 100 Jahren erinnern.