Der vegane Lebenshof bei Herrieden sucht eine neue Bleibe | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 06.02.2023 16:56

Der vegane Lebenshof bei Herrieden sucht eine neue Bleibe

Interaktion mit den Tieren wird auf dem Lebenshof „Vegan.Bullerbyn“, den Anna und Danny Ritzinger gegründet haben, großgeschrieben. (Foto: Jasmin Kiendl)
Interaktion mit den Tieren wird auf dem Lebenshof „Vegan.Bullerbyn“, den Anna und Danny Ritzinger gegründet haben, großgeschrieben. (Foto: Jasmin Kiendl)
Interaktion mit den Tieren wird auf dem Lebenshof „Vegan.Bullerbyn“, den Anna und Danny Ritzinger gegründet haben, großgeschrieben. (Foto: Jasmin Kiendl)

Eng zusammengekuschelt liegen „Susi“ und „Strolch“ in der Ecke des dunkeln Stalls und schnarchen laut vernehmlich. „Einmal am Tag kommen sie raus und drehen eine Runde“, erzählt Anna Ritzinger. Die Hängebauchschweine gehören zu den rund 130 Tieren, die auf dem Lebenshof „Vegan. Bullerbyn“ ein Zuhause gefunden haben.

„Vegan. Bullerbyn“ liegt in Herriedens Stadtteil Heuberg. 2017 haben Anna (39) und Danny (38) Ritzinger, die in der Gegend von Heilsbronn aufgewachsen sind und dort verankert blieben, das landwirtschaftliche Anwesen gekauft und in Eigenleistung kernsaniert.

Es war ihr ganz privater Traum von einem entschleunigten, ursprünglichen Leben auf dem Land. Sie wollten, dass ihre Kinder draußen sein, barfuß laufen und mit Tieren interagieren können.

Aus einer Instagram-Seite entstanden

Anna und Danny Ritzinger und ihre Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen drei und 13 Jahren – leben vegan. Das Paar will, dass seine Kinder die Gleichwertigkeit allen Lebens, das respektvolle Miteinander und die Offenheit gegenüber allen und jedem im Alltag erleben und dadurch verstehen.

Ein Lebenshof sei überhaupt nicht der Plan gewesen, erklärt Danny Ritzinger. Die Familie wollte ihren Freundes- und Bekanntenkreis an ihrem Leben auf dem Land teilhaben lassen – über eine Instagram-Seite. Diese brauchte einen Namen. Die Ritzingers fühlten sich in Heuberg wie in Astrid Lindgrens Bullerbü – auf Schwedisch Bullerbyn – erinnert, aber eben vegan.

Auf der sozialen Plattform berichtete die Familie von der Gebäudesanierung und von ihren Tieren. Mit geretteten Hühner fing es an, Ausstellungstiere, die der Züchter aussortieren wollte. Ein Osterlamm, das zur Hofschlachtung angeboten worden war, holten die Ritzingers lieber lebend ab. Inzwischen gibt es neben Hunden, Katzen, Ziegen, Schweinen und Schafen, auch Enten, Wachteln, Kaninchen, Ponys, Nutrias, Puten, einen Pfau und eine Bartagame.

Über Instagram kamen schnell viele Rückmeldungen, erinnert sich Anna Ritzinger. Menschen, die sich angesprochen fühlten, die fragten, ob sie unterstützen, ob sie vorbeikommen können. Das Projekt wuchs kontinuierlich – bis zu dem Zeitpunkt, an dem den Ritzingers klar war: Sie können es nicht mehr privat finanzieren.

Verein hat 500 Mitglieder

Danny Ritzinger ist Schreinermeister, hat einen Ein-Mann-Betrieb. Anna Ritzinger ist Pädagogin, vegane Ernährungsberaterin, Heilpraktikerin und steht als Model bei Deutschlands einziger nachhaltiger Modelagentur unter Vertrag. Früher war die 39-Jährige hauptberuflich als Model im kommerziellen Bereich tätig. Jetzt bewirbt sie nur noch vegane, nachhaltig produzierte Produkte. Für sie eine Frage der Glaubwürdigkeit. Auch Danny Ritzinger modelt gelegentlich, gerne zusammen mit seiner Frau.

2021 wurde der gemeinnützige Verein gegründet. Aktuell haben sie laut Anna Ritzinger um die 500 Mitglieder, Paten, regelmäßige Spender. „Wir sind auf einer wahnsinnigen Welle, viele Menschen wollen uns unterstützen, Teil des Projekts werden“. Der Verein möchte „noch viel mehr wachsen“. Der private Traum der Ritzingers wurde weitergeträumt. „Das ist wunderschön“, so die 39-Jährige.

Aber in Heuberg gibt es keine Möglichkeiten mehr, sich räumlich zu entwickeln. „Die Kapazitäten des Hofs sind erschöpft.“ Doch es braucht eine Helfer- und eine Ferienwohnung, Räume für Schulungen und Veranstaltungen. Der Lebenshof ist zu einem Begegnungsort geworden.

Der Lebenshof braucht ein neues Gelände

Gemäß des praktizierten Offene-Tür-Konzepts kann jeder nach kurzer Voranmeldung vorbeischauen. Pro Woche kommen bis zu 40 Besucherinnen und Besucher. Es bestehen Kooperationen mit Kindergärten, Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

In der Hauptversammlung wurde nun einstimmig beschlossen, noch in diesem Jahr ein neues Objekt zu suchen. Es sollte in der Region sein, Alleinlage haben und über mindestens zweieinhalb Hektar Eigenland verfügen. Denn es soll ein Landwirtschaftsteil integriert werden. „Wir möchten zeigen, wie veganer Direktlebensmittelanbau funktioniert“, betont Anna Ritzinger. Wie schon bei der Tierhaltung soll „alles Hand und Fuß“ haben, professionell sein. Danny Ritzinger ist schon für Weiterbildungen angemeldet.

Anna Ritzinger wünscht sich, dass Besucherinnen und Besucher auf den Lebenshof kommen, von der Interaktion mit den Tieren berührt werden und dann vielleicht bereit sind zu sagen: „Ja, wir müssten uns anders ernähren, anders mit Tieren und der Welt umgehen.“ Wie das gehen könnte, soll hier exemplarisch erlebbar gemacht werden.

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