Der Volksmusik-Aktivist David Saam beim Edzerdla | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 10.06.2024 07:00

Der Volksmusik-Aktivist David Saam beim Edzerdla

Rote Brille, gelbes Akkordeon: David Saam. Mit seiner Band Kellerkommando wurde es gleich zum Auftakt bunt und laut im Festzelt. Am Sonntag brachte er fränkische Mundart den Kindern nah. (Foto: Manfred Blendinger)
Rote Brille, gelbes Akkordeon: David Saam. Mit seiner Band Kellerkommando wurde es gleich zum Auftakt bunt und laut im Festzelt. Am Sonntag brachte er fränkische Mundart den Kindern nah. (Foto: Manfred Blendinger)
Rote Brille, gelbes Akkordeon: David Saam. Mit seiner Band Kellerkommando wurde es gleich zum Auftakt bunt und laut im Festzelt. Am Sonntag brachte er fränkische Mundart den Kindern nah. (Foto: Manfred Blendinger)

Über Umwege hat David Saam zum Erbe seiner fränkischen Heimat und zum Dialekt gefunden. Die Musik fremder Kulturen inspirierte ihn, das Naheliegende zu entdecken und ihm kräftige neue Impulse zu geben. Am Edzerdla ist er in diesem Jahr gleich in mehreren Formaten zu erleben.

Das generelle Interesse an Musik kommt nicht von ungefähr. Durch seinen Vater – Lehrer, Chorleiter und langjähriger Leiter der Musikschule Forchheim – war Musik für David Saam, Jahrgang 1976, immer präsent. In seiner Jugend allerdings folgte der Sohn weniger der Musik des Vaters, sondern powerte sich in wilder energiegeladener Punkmusik aus. Dazu kam, wie der gebürtige Forchheimer erzählt, das Interesse an fremden Kulturen. Beides mündete in einem Studium der Ethnomusikologie, das den jungen Musikaktivisten auch nach Bamberg brachte. Dort lebt Saam heute noch und prägt seit Jahren das Musikgeschehen von Stadt und Region mit.

Prägendes Auslandsjahr

„Großen Einfluss“, erinnert sich der Musiker, „hatte während des Studiums ein Auslandsjahr in Finnland.“ Durch die Beschäftigung mit der traditionellen Musik anderer Länder, blickt er zurück, sei auch das Interesse an der Volksmusik seiner Heimat geweckt worden.

Dass das, was da oft unter Volksmusik, etwa im Musikantenstadl zu hören war, nicht dem entsprach, was er dann wirklich vorfand, weckte Widerspruch. Und ließ Taten folgen. So gründete er mit anderen zusammen in Bamberg das „Antistadl-Festival“, unter dem Motto „VolXmusik ist Rock’n’Roll!“ Das gibt es in jährlicher Neuauflage noch immer, seit 2014 im E-Werk Erlangen.

Schon während des Studiums, so Saam, ist unter anderem mit seinem Kollegen Christoph Lambertz aus dem oberbayerischen Reichertshofen eine Gruppe entstanden, in der viele unterschiedliche Musikimpulse aufeinandergetroffen waren. Musik, Kultur und Weltbild der unterschiedlichen Quellen, flossen mit ein.

Mitgründer zahlreicher Bands

Zahlreiche Bands hat David Saam seither mit auf den Weg gebracht, etwa, die Kapelle Rohrfrei, als Nachfolger der Uniband Boxgalopp, sowie das Kellerkommando, bei dem stellenweise auch die Punk-Vergangenheit energische Spuren zeigt. Mit den beiden letzten war Saam auch beim Edzerdla zu erleben.

Zudem hat Saam Paul Maars „Sams“ ins „Fränggische“ übersetzt, das am Kapellenberg auch die Kinder schon mit Dialekt vertraut machen soll. Entstanden ist die Idee zuhause, als er seiner Tochter beim Vorlesen der Sams-Geschichten diese simultan ins Fränkische übertragen hatte. Nach einer vorgelegten Probeaufnahme, freut sich Saam, habe auch der Schriftsteller und Sams-Erfinder Paul Maar sein Ja für eine Aufnahme gegeben.

Neben der Musik, Saam spielt Akkordeon und diverse andere Instrumente, beschäftigt er sich mit dem fränkischen Dialekt, unter anderem als Moderator beim BR im Studio Franken. „Fei Fränggisch“, heißt da seine Sendung, in der er fränkischen Begriffen nachspürt.

Was ihn bei allem, was er macht, beschäftigt, ist die Frage, wie man traditionelle Musik so gestalten und mit neuen Impulsen beleben kann, dass sich Menschen von dieser begeistern lassen. Dafür lebt und arbeitet David Saam mit Erfolg und großer Leidenschaft.


Von Elke Walter
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