Die evangelische Kirchengemeinde verfügt neuerdings über ein Modell ihrer Kirche. Angefertigt hat es Horst Obergruber aus Ansbach, der es jetzt zusammen mit Pfarrerin Simone Sippel der Gemeinde vorgestellt und übergeben hat.
Zu den Lieblingsbeschäftigungen von Horst Obergruber gehört der Modellbau. Vor drei Jahren hat er bereits ein Modell der Ansbacher Heilig-Kreuz-Kirche vollendet und der dortigen Gemeinde geschenkt. Auf die Weidenbacher Kirche fiel sein Blick, weil er so oft daran vorbeigegangen ist.
Seine andere große Leidenschaft ist die Familienforschung. Ein Teil seiner Ahnen stammt aus Weiherschneidbach, und so führte ihn sein Weg immer wieder zum Weidenbacher Standesamt, das gleich neben der Kirche im früheren Schulhaus untergebracht ist.
Als er auch noch eine Gedenktafel für seinen Onkel in der Kirche fand, der einen Tag vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Prag gefallen war, führte ihn sein nächster Weg ins Pfarramt. Ob die Gemeinde ein Modell der Georgskirche annehmen und dauerhaft ausstellen würde, waren seine Fragen. Beide wurden bejaht, und so machte er sich an die Arbeit.
Als Vorarbeit hat er die historischen Pläne studiert und die Kirche innen wie außen akribisch ausgemessen. Für die unzugänglichen Stellen hat er eine Drohne verwendet. Dann kam die Umrechnung aller Daten auf den Ziel-Maßstab 1:32, weil es dafür auf dem Markt manche Elemente zu kaufen gibt –Personen und Bäume etwa.
Aber dann endete auch schnell die Liste der Fertig-Bauteile, und es begann die akribische Suche nach Möglichkeiten, die Wirklichkeit im Modell so realistisch wie möglich abzubilden. Für das Dach des Kirchenschiffs hat er bei einem großen Lieferanten von Modellbauzubehör erwirkt, dass die längst eingestellte Produktion von Spitzziegeln wieder aufgenommen wurde. Die Bestellmenge von 26.000 Stück dürfte ein gutes Argument gewesen sein. 24.000 davon bedecken jetzt das Dach des Kirchenschiffes.
Das Grundmaterial ist achtfach geleimtes Eukalyptusholz, das wegen seiner Festigkeit zum Einsatz kommt. Für die vielen Rundungen des Baus hat Obergruber das Holz mit Wasserdampf in Form gebracht. Für die Innenbeleuchtung wurden Mini-LED verwendet, die so gedimmt sind, dass sie dem Beleuchtungseindruck des Originals entsprechen. Auch der übrige Innenraum ist miniaturisiert, einschließlich Kirchenbänken, Seitenstuhl und Emporen, bis hin zu kleinsten Details wie den Stühlen in der Markgrafenloge.
Insgesamt hat er 2114 Stunden aufgewendet; zu seinen Ausgaben macht er keine Angaben, denn Horst Obergruber ist nicht nur Erbauer des Modells, er ist auch Stifter. Alle Kosten hat er aus eigener Tasche getragen. Das schließt auch die maßangefertigte Haube aus spiegelfreiem Plexiglas in Museumsqualität ein. Für deren Transport und Aufbau wurden sechs Männer benötigt. Die vielen Bauphasen und im Endzustand nicht mehr einsehbare Teile hat er in einem Buch festgehalten, das ebenfalls ausgestellt ist.
Das Modell steht nun im Eingangsbereich der Kirche, die täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet ist. Bei der Gelegenheit kann auch natürlich auch das Original besichtigt werden – im Maßstab 1:1.