Die Bomhard Brüder begeistern in Neustadt mit fränkischer Volksmusik | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.07.2025 10:00

Die Bomhard Brüder begeistern in Neustadt mit fränkischer Volksmusik

Die Kapelle Bomhard bot den rund hundert Gästen im Neustädter Schlosshof zwei Stunden lang ihre neue, moderne Volksmusik im fränkischen Dialekt. Georg Bomhard hat Kontrabass studiert, Heiner Bomhard Schauspiel und Johannes Bomhard Schulmusik (von links). (Foto: Anita Dlugoß)
Die Kapelle Bomhard bot den rund hundert Gästen im Neustädter Schlosshof zwei Stunden lang ihre neue, moderne Volksmusik im fränkischen Dialekt. Georg Bomhard hat Kontrabass studiert, Heiner Bomhard Schauspiel und Johannes Bomhard Schulmusik (von links). (Foto: Anita Dlugoß)
Die Kapelle Bomhard bot den rund hundert Gästen im Neustädter Schlosshof zwei Stunden lang ihre neue, moderne Volksmusik im fränkischen Dialekt. Georg Bomhard hat Kontrabass studiert, Heiner Bomhard Schauspiel und Johannes Bomhard Schulmusik (von links). (Foto: Anita Dlugoß)

Großartig. In Neustadt traten drei leidenschaftliche Musiker auf, die hervorragend zusammenspielen und -singen. Punktgenau. Auf Fränkisch, mal temporeich und voller Energie, mal getragen und tiefsinnig. Die rund hundert Gäste im Neustädter Schlosshof waren begeistert und gaben sich ganz den musikalischen Bildern hin.

Man könnte sie als „Barden der Extraklasse“ bezeichnen, die Brüder Georg, Heiner und Johannes Bomhard. Sie stammen aus Andorf im Landkreis Ansbach und die Vorfahren aus dem Kreis Fürth. Der Dialekt-Einschlag war unüberhörbar, die Mischung mit der Ansbacher Mundart interessant.

Über 20 eigene Kompositionen

Vom ersten Ton an wurde deutlich, dass sie etwas auf dem Kasten haben und damit wahrhaftig nicht hinter dem Berg halten: Über 20 eigene Kompositionen trugen sie vor. Das Wetter sah zwar stark nach Regen aus, aber anscheinend wichen auch die paar Tröpfchen von oben dem Konzert. Alle mitgebrachten Regenschirme blieben zu.

Noch etwas konnte nicht verborgen bleiben: Die drei sind lustig, können aber auch ernst sein. Das Eis brachen sie zu Beginn mit einer witzigen Nummer: „Wennsd ka Eebirn magst, dann nimmst a gelbe Ruum, wennsd ka Madla magst, dann nimmst an Buum.“ Bäuerlicher Liberalismus auf Fränkisch. Durch ihre amüsante, handgemachte Hausmusik nahmen die drei Brüder ihr Publikum mit zur Oma auf den Bauernhof mit den Gaggala, Ziebala und Giechala. Gekonnt entwarfen sie immer wieder das Bild einer tanzfreudigen Gesellschaft, die auch auf die Darandella (Tarantella) ganz verrückt wird. Bei solchen Geschichten sprang das motivierte Publikum gleich auf, klatschte im Takt mit.

Nostalgie schwebte im gesamten Schlosshof-Areal

Ein wenig deftig wurde es, als ein alter Jäger einen drohenden Logistikzentrumsbau auf seine Weise verhinderte – alles echt mit Heimatgefühlen und als Zwiefacher dargeboten. Nostalgie schwebte im gesamten Schlosshof-Areal, als die Zeit aus der Kindheit bei der Arbeit auf dem Acker mit dem „Geräteträger“ lebendig gemacht wurde: „Und mit Dreeg in der Goschn, kalte Händ und kalte Füß, a gelbs Limo, Gummibärn und Schokolaad. A wenns weh tut, s'war a andre Zeit.“ Zum Weinen schön, unüberhörbare Seufzer gingen durchs Publikum und am Ende ein Klatschen von Herzen.

Zwischendurch zelebrierten die drei Mannen, die durchweg auswendig sangen und spielten, ihre Mundart durch eine Art dadaistischen Sprechgesang: dass man zur Zubereitung von Süßspeisen eine „waache Budder“ braucht, wird man nach diesem Konzert wohl niemals vergessen. Das Publikum bleibt nicht verschont, muss die Angebetete mit „Madla, kumm a bissala her zu mir“ mit anlocken.

Immer wieder wird die Kerwa thematisiert, die fränkische Kulinarik mit dem finalen Spruch: „Wir haben alles, was man zum Leben braucht. Wir haben doch die schönste Sprach', auch wenn sie keiner versteht“ – und im nächsten Lied gleich zu beklagen, dass die Heimat ein „Rindviech“ sei: Wenn ich da bin, will ich fodd und wenn ich fodd bin, will ich wieder ham.

Lieder erzeugten tiefe Gefühle

Ein eiskalter Schauer lief den Gästen über den Rücken, als ein gewisser „Bruder Hick“ vor Jahrhunderten die Menschen glücklicher machte, als ein Pfarrer ihnen die Augen auf seine Weise öffnete und dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Ein Lied über das, was die Heimkehrer nie vom Zweiten Weltkrieg erzählt haben, geht ebenso unter die Haut. Das alles wechselt mit lustigen Festbegebenheiten ab.

Über zwei Stunden haben die drei Brüder es geschafft, ihr Publikum unnachahmlich in verschiedene Zeiten und Szenen zu versetzen und dabei auch tiefe Gefühle zu erzeugen. Das Lied „Etz is etz“ der neuen CD – die Nachfrage war in Neustadt vorhanden – durfte nicht fehlen. Wer es nicht erlebt hat, hat etwas versäumt. Sie verabschiedeten sich mit „Feierohmd“. Alles hat seine Zeit.

Übrigens: Zum ersten Mal war das Trio in Neustadt – und war vom Ambiente des Schlosshofes angetan. Tags zuvor traten sie in Burghaslach auf.

Das letzte Schlosshofkonzert folgt im August

Die Kapelle Bomhard bestritt das zweite von insgesamt drei Schlosshofkonzerten in diesem Jahr. Nach andalusischem Tango und „Neuer, fränkischer Volksmusik“ geht es am Freitag, 1. August, mit der Band „The Rovers“ irisch weiter. Beginn ist um 20 Uhr.


Von ad
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