Einen Abend zwischen Aufbruchsstimmung und Nostalgie gönnte sich die Neustädter CSU anlässlich ihrer Hauptversammlung. In der Kohlenmühle wurde Richard Dollinger als Vorsitzender des Ortsverbandes einstimmig in seinem Amt bestätigt. Eine klare Aussage zum künftigen Bürgermeisterkandidaten gab es nicht.
85 Mitglieder zählt der CSU-Ortsverband aktuell, 66 davon sind Männer und nur 19 Frauen. Ja, bekannte Dollinger, man habe mit der Geschlechterparität in der CSU durchaus ein Problem, das es anzupacken gelte, zumal auch die „Alterspyramide“ nicht unbedingt ein statistischer Mutmacher ist: Das Durchschnittsalter der Mitglieder betrage 58,9 Jahre, trug der Vorsitzende vor – die durchschnittliche „Verweildauer“ in der Partei liege bei 24,6 Jahren.
Höchste Zeit also für Erneuerung und genau dafür hatten Landtagskandidat Werner Stieglitz und der CSU-Kreisvorsitzende und Diespecker Bürgermeister Christian von Dobschütz ein „Bäumchen-wechsel-dich-Spiel“ zum Auftakt der Hauptversammlung inszeniert. Von Dobschütz hielt die Auftaktansprache und verschwand sodann zur zeitgleich stattfindenden Hauptversammlung „seiner“ CSU in Diespeck. Für ihn traf wenig später – aus Diespeck – der designierte Nachfolger von Hans Herold im bayerischen Landtag, Werner Stieglitz, ein.
Auf ganz unterschiedliche Art vermittelten diese beiden in ihren Grußworten, wo die christsoziale Reise sechs Monate vor der Landtags- und drei Jahre vor den Kommunalwahlen hingehen soll. Während Stieglitz vor allem Volksnähe und Bienenfleiß verkörperte und versprach, er wolle „ein würdiger Nachfolger von Hans Herold“ sein, präsentierte von Dobschütz die „neue CSU“.
Zwar betonte der designierte Landratskandidat den in einer zersplitterten Parteienlandschaft notwendigen Volkspartei-Charakter und wetterte gegen die Wahlrechtsreform („Es kann nicht sein, dass bis zu 40 Direktmandate plötzlich nichts mehr wert sein sollen. Damit wird die Axt an die Demokratie gelegt“), doch brachte er auch Begriffe ein, die bis dato nicht unbedingt typisch für christsoziale Schwerpunkte waren: Kampf gegen den Klimawandel mit der Betonung auf „Folgenabmilderung“, Mikro-Mobilität („Warum sollten E-Roller auf dem Land kein Thema sein“) sowie – ganz im Söder’schen Duktus – der Slogan von „Hightech und Handwerk“, der „Laptop und Lederhose“ abgelöst hat.
Gewählt wurde an diesem Abend auch, Überraschungen blieben aus. Dollingers Wiederwahl als Vorsitzender mit 28 von 28 Stimmen war erwartet worden, seine Vertreter heißen künftig Christian Köstner, Martin Hufnagel und Karina Wagner. Schatzmeisterin bleibt Nadine Römer, Schriftführer ist nach wie vor Tim Hofmann, als Digitalbeauftragter bleibt Markus May im Amt und als Beisitzer fungieren künftig Jutta Bauereiß, Alexandra Holzmann, Bernd Krampe, Uwe Machetanz, Frank Larson, Jörg Feigl, Christopher Wirth und Mario Leibold.
„Selbstverständlich werden wir jemanden aufstellen.”
Apropos Mario Leibold: Bei den Wortmeldungen am Ende der Versammlung zeigte sich dieser ein wenig ungeduldig. Er brenne darauf, endlich wieder einen ordentlichen Wahlkampf führen zu dürfen – am besten gleich mit einem waschechten Kandidaten vorneweg. Von Richard Dollinger wurde er sanft, aber bestimmt eingebremst: „Selbstverständlich werden wir jemanden aufstellen, aber wir werden jetzt nicht drei Jahre Volldampf-Wahlkampf machen, sonst geht uns am Ende die Luft aus.“
Geehrt wurde an diesem Abend natürlich ebenfalls und es war wiederum Dollinger zu verdanken, dass der Abend mit einer nostalgischen Note ausklang. Denn er ließ die Jubilare jeweils ein paar Worte über sich selbst und ihren politischen Werdegang sagen – eine kleine Zeitreise durch die Historie der Neustädter CSU. Da erzählte Gottfried Schneider von der Vertreibung aus Mähren und der entbehrungsreichen Jugend in der neuen Heimat, da berichteten andere davon, wie man für zahlreiche Landratskandidaten Plakate geklebt und einst Horst Erny „als Bürgermeister ins Rathaus gebracht“ hatte.
Für ein wenig Heiterkeit sorgte Horst Mattausch, der sich daran erinnerte, wie er einst mit der Partei seines Jugendfreundes Dr. Wolfgang Mück (SPD) gestimmt hatte, als es um die Umwandlung des Marktplatzes zur autofreien Zone ging. „Ich war die Stimme, die den Sozis noch gefehlt hat.“ Daraufhin habe ihn die CSU damals ausschließen wollen, aber „nix da, hab ich gesagt: Mich kriegt ihr nicht los. Ich bleibe.“