Die gute Seele des Goldenen Schwans in Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.09.2023 13:59

Die gute Seele des Goldenen Schwans in Bad Windsheim

Freuen sich über die besondere Ehrung (von links): Hans Herold, Dragica Panic mit ihrer Medaille, Elsa Hönicka und Stefanie Kloha. (Foto: Anna Franck)
Freuen sich über die besondere Ehrung (von links): Hans Herold, Dragica Panic mit ihrer Medaille, Elsa Hönicka und Stefanie Kloha. (Foto: Anna Franck)
Freuen sich über die besondere Ehrung (von links): Hans Herold, Dragica Panic mit ihrer Medaille, Elsa Hönicka und Stefanie Kloha. (Foto: Anna Franck)

In 50 Arbeitsjahren hat sich Dragica Panic kein einziges Mal krank gemeldet. Auch nicht als die 72-Jährige vor etwa fünf Jahren einen Leistenbruch erlitt. Damals nahm sie lieber Urlaub, um sich auszukurieren.

Dragica Panic gehört quasi zum Inventar des Hotel-Garni Goldener Schwan in Bad Windsheim. Mitte August 1973 begann die damals 23-Jährige dort zu arbeiten. Ursprünglich stammt die heute 72-Jährige aus Dubona bei Belgrad im heutigen Serbien und früheren Jugoslawien.

Flugs zum Arbeiten ins Ausland

Ihr Vater habe die Schulausbildung damals nicht länger finanzieren können. Deshalb ging es für sie zum Arbeiten ins Ausland. Ganz schnell sei das organisiert worden. Erst hatte sie einen Vertrag über ein Jahr unterschrieben, der dann immer wieder verlängert wurde. Dragica Panic sei damals eines von 400 Mädchen gewesen, die zunächst in München ankamen und dort mit einem Frühstück begrüßt wurden. Anschließend wurden sie im Land verteilt.

Aus Versehen in Ansbach gelandet

Die 72-Jährige fand sich erst in Ansbach wieder. Allerdings nicht absichtlich, sondern nur, weil sie aus Versehen zu früh ausgestiegen war. Dort abgeholt kam sie schließlich in Bad Windsheim an. „Hierher bin ich gekommen und hier bin ich geblieben“, sagt die Dragica Panic. „Mein Vater hat gesagt: Arbeiten muss man überall.“

Anfangs sei das Leben in einem fremden Land durchaus herausfordernd gewesen. Kein einziges Wort Deutsch konnte sie zu Beginn verstehen oder sprechen. Lesen, schreiben und die deutsche Sprache selbst brachte sie sich selbst und mit Unterstützung seitens der Hotel-Familie bei. Erst sei das schwer gewesen, aber nach einem halben Jahr hatte sie das Nötigste gelernt, erzählt die 72-Jährige. Inklusive fränkischem Dialekt, der bis heute immer wieder durchblitzt.

Nicht ohne Frau Panic

Während der 50 Jahre im Goldenen Schwan arbeitete Dragica Panic in verschiedenen Bereichen: in der Küche, als Zimmermädchen, aber auch an der Rezeption. „Überall, wo man sie braucht und gebraucht hat. Sie ist unsere treue Seele“, sagt Inhaberin Stefanie Kloha und betont: „Als ich das Geschäft 2011 übernommen habe, hab ich gesagt: Ich will noch ein paar Jahre die Frau Panic haben. Sonst mach ich es nicht.“

Ob ein Plausch mit den Gästen oder ihnen ein leckeres Frühstück zubereiten – die Arbeit habe ihr immer Spaß gemacht. In 50 Jahren habe sie sich nie krankschreiben lassen „und werde das auch nicht anfangen“, sagt sie. Zu schade war sich Dragica Panic für keine Aufgabe. Lediglich als es darum ging zu lernen, wie man einen Computer bedient, streikte sie.

Für ihre Leistungen wurde Dragica Panic nun geehrt. Dafür gekommen war – als Vertreterin von Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf – und auf Einladung von Stefanie Kloha Landtagsabgeordneter Hans Herold, der ihr größten Respekt zollte. „Sie sind ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Familie“, so Hans Herold.

Eine leidenschaftliche Gärtnerin

Verliehen bekam die 72-Jährige dann eine Urkunde des Staatsministeriums sowie eine des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes; außerdem eine Medaille der Industrie- und Handelskammer Mittelfranken. Und auch zwei Blumensträuße gab es für die 72-Jährige, eine leidenschaftliche Gärtnerin, wie Stefanie Kloha erzählt.

Bereits zu ihrem 30-jährigen Jubiläum hatte es für Dragica Panic eine besondere Ehrung gegeben. Sie erhielt eine Urkunde vom damaligen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber.

„Ich habe wirklich Glück gehabt“

In Bad Windsheim hat Dragica Panic ein Zuhause gefunden. Schließlich lebt sie länger hier als im ehemaligen Jugoslawien. In ihrem Heimatland habe sie mit Familienmitgliedern ein Haus gebaut. Dort verbringe sie immer wieder einige Wochen, um Urlaub zu machen. Danach geht es zurück nach Franken. „Ich habe wirklich Glück gehabt“, sagt Dragica Panic sichtlich berührt. „Und wir auch“, ergänzt Senior-Chefin Elsa Hönicka.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin in Bad Windsheim
north