Braucht man Kunst? fragte Ausstellungskurator Manfred Hönig provokativ bei der Eröffnung der „Kunst in Dachsbach“ vor dem Wasserschloss. Ja, sie sei nötig, um über die großen Fragen des Menschseins nachzudenken, so sein Fazit.
Rund 30 Kunstschaffende boten an vier Ausstellungsorten in dem Ort im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim die Gelegenheit, sich mit der Komplexität der eigenen Existenz zu beschäftigen.
Mit einer Vernissage am Wasserschloss wurde das dreitägige Kunstfestival eröffnet. Als Sprecherin des ehrenamtlichen Helfer-Teams moderierte dritte Bürgermeisterin und Kunsthistorikerin Barbara Stockmann den Eröffnungsabend. Hausherr Peter Kaltenhäuser begrüßte die Gäste, darunter auch Landrat Christian von Dobschütz und die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt.
Kultur sei nicht nur ein Wesensmerkmal von Städten, so von Dobschütz, der die Veranstaltung als „Beweis des kreativen Potenzials der Region“ wertete. „Bitte mehr davon, das finde ich großartig“, sagte er. Damit griff der Landrat auch das Thema der diesjährigen Kunstschau auf. Unter dem Titel „Stadt und Land“ hatte Kurator und Kunstmaler Hönig die Kunstschaffenden aus der Metropolregion nach Dachsbach geholt.
Als Ehrenamtsbeauftragte des Freistaats lobte Gabi Schmidt besonders die Helfer. Alle tragen zum Gelingen bei, von den Gewerbetreibenden über die Ehrenamtlichen bis hin zur „Boygroup“. Mit Letzterer meinte die Abgeordnete die Singgemeinschaft des Männergesangvereins Dachsbach und Gerhardshofen, die den Abend gemeinsam mit dem Klarinettenduo der Musikschule Neustadt musikalisch umrahmte.
Nach den Reden durften sich die Gäste dann mitten in die Fragen der menschlichen Existenz stürzen. Atmosphärische Nachtbilder vom Mathias Otto, Malerei von Jan Gemeinhardt, Manfred Hönig und der aus der Ukraine stammenden Künstlerin Anna Kataian gab es im Wasserschlossturm zu sehen. Einen zentralen Platz im Raum nahmen die eindrucksvollen Skulpturen von Gerhard Nerowski ein, der zum Beispiel eine Klebetube inszenierte.
Dass man Klang auch bildnerisch in Szene setzen kann, zeigte Veronika Riedelbauch zusammen mit Ignacio Tola im Gewölbe des Wasserschlosses. Von ihr gab es auch eine Klangperformance zu hören.
Das Kaffeehaus im Aischgrund bot Raum für Glaskunst, Trachtenpunk, Skulpturen, freie Möbel und Textilkunst. Künstlerisch setzen sich Katharina Scheidig und Kristina Steinhauf mit ihren nachhaltige Urnen aus Papier mit dem Tod auseinander.
Ihre Scheune an der Kunstmühle öffnete Familie Wieland. Hier fanden die Tierskulpturen von Thomas Gröling Platz. Die Scheunenwände wurden zur Plattform für die faszinierenden Pool-Bilder von Alexander Ivanoski, die detailgetreuen Naturbilder von Wolfgang Böhm und die Fernweh weckende Malerei der Coburger Künstlerin Isabell Heusinger.
Im Rathaus gab es „Kunst aus Dachsbach“. Mit mehrschichtigen Acrylfarben gibt Maximilian Hanisch seinen Werken Tiefe. Debbie Wells blumige Werke schaffen Bezug zur mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Barbara Weber zeigte ihre Patchworkarbeiten. Nicht ganz aus Dachsbach, sondern aus Rezelsdorf kommt Monika Lehner-Kranzfelder, die mit Acryl und Metallfarben arbeitet.
Um das kreative Potenzial der Region muss sich Landrat Christian von Dobschütz nicht sorgen: Die Arbeiten der Grundschulkinder Dachsbach-Gerhardshofen zeigten, dass der Nachwuchs in den Startlöchern steht.