Eine neue Bleibe haben die Feuchtwanger Störche seit Mittwoch: Nachdem ihr Nest – zum Unmut zahlreicher Bürger kurz vor der Brutzeit – am Mittwoch vergangener Woche vom Dach der ehemaligen Eisdiele an der Unteren Torstraße entfernt worden ist, bauen die Vögel ihren Horst nun auf dem ehemaligen Post-Gebäude am Marktplatz.
Seinen ursprünglichen Stammplatz hatte das Storchenpaar auf dem Alten Rathaus. Jedoch mussten sie wegen dessen Instandsetzung vor gut einem Jahr weichen. Als vorübergehendes Ersatzquartier wurde für sie eine Nisthilfe auf die gegenüber gelegene Schranne gesetzt. Doch diesen Dachreiter nahmen die Tiere nicht an. Vielmehr bevorzugten sie das benachbarte Fachwerkhaus.
Dessen Eigentümer zeigte sich eigenen Worten zufolge einverstanden mit der Übergangslösung. Es sei vereinbart worden, dass die Störche auf das Alte Rathaus zurückkehren sollten, sobald dessen Dach – noch im Vorjahr – fertig sei. Allerdings verzögerten sich diese Arbeiten.
Nun wolle er sein historisches Gebäude ebenfalls komplett sanieren, sagte der Bauherr im Gespräch mit der FLZ. Dazu sei es nötig, den alten Schornstein, auf dem sich die Störche angesiedelt hatten, zu erneuern. Um nicht mehr Zeit zu verlieren, solle dies in Kürze erfolgen und nicht erst im Herbst wegen der dann unsicheren Witterung. Deshalb sei es nötig gewesen, das Nest noch vor der Brutzeit – spätestens bis zum 1. März – vom Dach zu nehmen.
Zugleich betonte der Mann, von Anfang an sei für seine Familie klar gewesen, dass der Horst nur dann wegkommen werde, wenn die Störchin noch keine Eier darin abgelegt habe. Das sei nicht der Fall gewesen.
Weiter meinte er, weil die Störche ursprünglich vom Alten Rathaus stammen und er sie nur vorübergehend geduldet habe, sei nicht er, sondern die Stadt für sie zuständig. Zudem habe er nicht gewusst, dass sich die Nisthilfe nicht mehr auf dem Dach der Schranne befinde. Sonst hätte er sich sehr wohl um eine Alternative für die Vögel bemüht.
Davon abgesehen gibt es für die Beseitigung des Nests eine Genehmigung. Diese hatte Zimmerer-Meister Michael Nowakowitsch bei der oberen Naturschutzbehörde bei der Regierung von Mittelfranken beantragt. Wie er der FLZ sagte, hieß es da, es sei nicht nötig, für ein Ausweichquartier zu sorgen. Folglich habe er den Horst so vom Dach genommen.
Daraufhin verharrte das nun obdachlose Vogelpaar zunächst einen Tag lang in „Schockstarre“, wie Storchenfreundin Sabine Edelberg am Mittwoch erzählte. Ab Freitag der zurückliegenden Woche versuchten die Tiere dann, sich eine neue Bleibe auf dem obersten Giebel des ehemaligen Post-Gebäudes zu bauen. Aber: „Das ging immer wieder schief.“ Und weil das Nistmaterial ständig heruntergefallen sei, habe das Team vom Bauhof bereits am Montag eine Schutzvorrichtung über dem Zugang des Bauwerks konstruiert, in dem unter anderem die Tourist-Information derzeit untergebracht ist.
Angesichts der Dringlichkeit, da die Brutzeit in der ersten Märzhälfte beginnt, habe sie die Stadt zeitgleich „um möglichst schnelle Hilfe“ gebeten, so Edelberg. Darauf sei die Entscheidung gefallen, die ehemals auf die Schranne gesetzte Nisthilfe zurückzuholen und auf der alten Post zu platzieren. Die Konstruktion sei inzwischen nach Wieseth verschenkt, dort aber noch nicht gebraucht worden.
Nun setzten Mitarbeiter des Bauhofs den Dachreiter am späten Vormittag des Mittwochs auf das alte Post-Gebäude. Dabei unterstützte sie die Feuerwehr mit der Drehleiter.
Derweil fühlten sich die Störche laut Edelberg nicht von den Arbeiten gestört. Vielmehr begannen sie, kurz nachdem die Nisthilfe saß, bereits mit dem Bau ihres neuen Horstes.
Nun dankt die Storchenfreundin den Leuten von Stadtverwaltung, Bauhof und Feuerwehr sowie der Inhaber-Familie und dem Team von Wagners Hotel & Restaurant Greifen-Post. Die Betreiber hätten zugesagt, dass die Vögel gerne auch langfristig auf dem Dach ihres Hotels bleiben dürfen.
Und bald gebe es unweit ein weiteres Nistangebot: Der Metallkorb für das neue Dach des Alten Rathauses auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes sei schon vorbereitet.