Dinkelsbühl: Bildstock im Sinne der Romantik restauriert | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 06.01.2025 11:06

Dinkelsbühl: Bildstock im Sinne der Romantik restauriert

Der Bildstock an der Larrieder Straße trägt ein häufiges Motiv: die Kreuzigung Jesu mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes unter dem Kreuz. (Foto: Walter Steinmaier)
Der Bildstock an der Larrieder Straße trägt ein häufiges Motiv: die Kreuzigung Jesu mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes unter dem Kreuz. (Foto: Walter Steinmaier)
Der Bildstock an der Larrieder Straße trägt ein häufiges Motiv: die Kreuzigung Jesu mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes unter dem Kreuz. (Foto: Walter Steinmaier)

Bildstöcke und ihre religiösen Motive bereichern die geschichtlich geprägte Stadtlandschaft. Im Norden Dinkelsbühls gibt es nur diesen einen Bildstock an der Ecke Crailsheimer Straße/Larrieder Straße. Seine Bild-Tafel enthält ein Relief aus Gusseisen als Andachtsbild. Es zeigt ein häufiges Motiv, die Kreuzigung Jesu mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes, die unter dem Kreuz stehen.

Das Relief wies tiefsitzende Rostschäden und Brüche auf, die Farbfassung war stark abgewittert. Vor einem Jahr beantragte deshalb der Verein Pro Altstadt bei der Stadtverwaltung die Restaurierung aus Mitteln des Projektfonds, mit Übernahme der Kosten je zur Hälfte.

Neufassung in Öl und Blattgold

Das eiserne Bild wurde von Restaurator Fritz Wagner-Sigmund saniert und restauriert. Die Neufassung in Öl und Blattgold erfolgte in Entsprechung zur vorherigen Farb­gebung, soweit sie noch erkennbar war. Der städtische Bauhof hat die Putzschäden am Bildstock behoben und ihn neu gefasst in einem hellen sandfarbenen Ton.

Auf der Bild-Tafel ist das Jahr 1862 zu lesen, in dem der Bildstock gestiftet wurde. In Art und Stil stammt das Bild jedoch aus der Zeit des Barock und ist ungefähr 100 Jahre älter als der Bildstock, der dafür errichtet wurde. Dieser Rückgriff auf Historisches war typisch für das 19. Jahrhundert als Epoche des Historismus und der Romantik.

Man begann damals, das Stadtbild im Sinn des Romantischen zu erhalten und zu gestalten. 1859 wurde das Christoph-von-Schmid-Denkmal eingeweiht. 1864 wurde, ebenfalls vor St. Georg, der Dinkelbauer-Brunnen aufgestellt, dessen Figur heute im Stadtpark steht. Am Rundweg um die Stadt wurden die Bäume am Hippenweiher gesetzt und 1862 der Schwedensteg errichtet. Carl Spitzweg kam 1858 und hielt in der Stadt Eindrücke fest als Versatzstücke für seine Bilder.

Mauerreste erinnern an das „romantische” Hindernis

Im Kontext dieser Entwicklung zum „malerischen, mittelalterlichen Dinkelsbühl“ ist die Errichtung des Bildstocks zu sehen. Hauptelement in seinem Umfeld war das Äußere Rothenburger Tor gewesen, das 1814 abgerissen wurde. König Ludwig I. hatte als Vertreter der Romantik 1826 den weiteren Abriss der Wehranlagen verboten. Auf der bekannten Stadtansicht, die Matthäus Merian 1643 herausgab, ist das Tor mit seiner Zwiebelhaube und dem Zollhäuschen überliefert.

Zur Zeit des Bildstocks waren die altertümliche Engstelle des Tors und das Zollhäuschen erhalten. Ältere Dinkelsbühler können sich aus ihrer Jugend an das „romantische“ Hindernis der unteren Tormauern erinnern. Heute ist noch ein Mauerrest sichtbar und der Grundriss des Tors mit Pflaster­markierung im Asphalt.

Doppelkreuz als Gedenk- und Schutzzeichen

Merians Kupferstich von 1643 aus der Epoche des Dreißigjährigen Kriegs zeigt vor dem Tor im Bereich des späteren Bildstocks ein großes Doppelkreuz mit zwei Querbalken. Das Kreuz, ganz am rechten Rand des Stichs, wurde vermutlich als Gedenk- und Schutzzeichen gestiftet, als Dinkelsbühl nach 1635 die Folgen der Kriegs-, Hunger- und Pestjahre zu überwinden hatte. Das Kreuz stand nicht lange. Es verschwand, als die Schweden 1648 die Stadt ein drittes Mal einnahmen und, um sich freies Schussfeld zu schaffen, alles um die Stadt herum ruinierten.

Zur Zeit des Bildstocks war dieses Kreuz schon lange verschwunden. Auf Grund von Merian wählte man aber diesen Standort. Auf den Giebel des Bildstocks setzte man in Erinnerung an seinen Vorgänger ein kleines Doppelkreuz aus Eisen. So zeigt es ein Foto von 1912. Die geschichtsbewusste Stiftung der Bildsäule war ein kunst­sinniges Werk der Frömmigkeit und der Heimat­liebe. Mit der nun erfolgten Renovierung kann der Bildstock weiterhin erfreuen als stiller Begleiter am Weg.

north