Dinkelsbühler Stadtrat warnt bei Klinikfrage vor „weitreichenden Folgen“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.02.2025 07:00

Dinkelsbühler Stadtrat warnt bei Klinikfrage vor „weitreichenden Folgen“

Der Dinkelsbühler Stadtrat vor dem Eingang der Klinik in der Crailsheimer Straße. Das Gremium fordert vehement den Erhalt der Krankenhäuser in Rothenburg und Dinkelsbühl. (Foto: Anke Steinacker)
Der Dinkelsbühler Stadtrat vor dem Eingang der Klinik in der Crailsheimer Straße. Das Gremium fordert vehement den Erhalt der Krankenhäuser in Rothenburg und Dinkelsbühl. (Foto: Anke Steinacker)
Der Dinkelsbühler Stadtrat vor dem Eingang der Klinik in der Crailsheimer Straße. Das Gremium fordert vehement den Erhalt der Krankenhäuser in Rothenburg und Dinkelsbühl. (Foto: Anke Steinacker)

„Eine voreilige Schließung der Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg wäre ein fataler Fehler mit weitreichenden Folgen.“ Von dieser Einschätzung ist der komplette Dinkelsbühler Stadtrat inklusive Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer überzeugt. Mit einem „dringenden Appell“ hat sich das Gremium an die Entscheider gewandt.

Das Schreiben richtet sich an die Mitglieder des Kreistages und des Verwaltungsrats. Die Entscheidung, die am 19. Februar getroffen werden soll, habe „weitreichende Folgen für die medizinische Versorgung in unserer Region“. Insbesondere betroffen wären die Menschen in Dinkelsbühl und Rothenburg. Denn gerade diese beiden Häuser sicherten die wohnortnahe Grundversorgung in einem ländlichen Raum, der ohne sie medizinisch „massiv benachteiligt“ wäre, heißt es in dem Appell des Kommunalparlaments.

Der Stadtrat listet auf, dass eine Degradierung der Kliniken Rothenburg und Dinkelsbühl nach Szenario fünf bei einem Gesamt-Haushaltsbudget von rund 1750 Euro pro Jahr und Einwohner im Landkreis lediglich eine „theoretische Einsparung von rund 40 Euro pro Jahr und Einwohner im Landkreis bringen“ würde, wegen der zwei „in der Bevölkerung sehr gut akzeptierte Kliniken“ gekappt würden.

Viel zu langer Anfahrtsweg

Diese Einsparung sei es nicht wert, eine so weitreichende Entscheidung zu treffen, ist das Gremium überzeugt, das in seinem Schreiben auch auf die langen Anfahrtszeiten für Notfälle eingeht, die sich in vielen Fällen „drastisch erhöhen“ würden. Bei idealer Verkehrslage brauche es von Dinkelsbühl aus 45 Minuten, um das Klinikum Ansbach zu erreichen, „Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können“.

Besonders bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder schweren Unfällen sei aber eine schnelle Versorgung entscheidend – und zudem komme hinzu, „dass Ansbach oft von der Notaufnahme abgemeldet“ sei. „Wer übernimmt die Verantwortung für die Menschen, die wegen dieser Entscheidung nicht rechtzeitig medizinische Hilfe erhalten?“, fragt der Stadtrat

Um diese verlängerten Einsatzzeiten zu kompensieren, müsste das Rettungswesen verstärkt werden. Dies verursache Kosten, die in den Defizitberechnungen der Kliniken vermutlich nicht einmal berücksichtigt worden seien. Einsparungen an den Kliniken führten folglich zu Mehrkosten an anderer Stelle.

Kreatives Denken und entschlossenes Handeln

Der Stadtrat weist in seinem Appell auch auf seine Überzeugung hin, dass weder der Bund noch die Länder Krankenhäuser schließen würden. „Wenn das passiert, dann ist es eine Entscheidung des Verwaltungsrats und der Kreisräte“, betont das Gremium. Weil das Reformgesetz der Bundesregierung und dessen Berücksichtigung insbesondere in Flächenlandkreisen unzureichend sei, liege es in der Verantwortung des Kreistages und des Verwaltungsrats, „diese Missstände mit Nachdruck an die höheren Ebenen heranzutragen und auf Verbesserungen zu pochen – anstatt vorschnell Krankenhäuser zu schließen“. Der Stadtrat warnt vor „unumkehrbaren Entscheidungen“, bevor überhaupt Klarheit über die zukünftigen und dauerhaften Rahmenbedingungen bestehe, und fordert kreatives Denken und entschlossenes Handeln.

Eine gute Gesundheitsversorgung dürfe nicht einer „vorschnellen Spar-Logik“ zum Opfer fallen. Der Stadtrat fordert die Verantwortlichen deshalb auf, gegen eine Schließung oder Reduzierung der Kliniken in Rothenburg und Dinkelsbühl und für den Erhalt der jeweiligen Grund- und Regelversorgung mit „echter Notaufnahme“ zu stimmen. Die Mittel und medizinische Versorgung müssten gerecht verteilt werden – „nicht nur für Ansbach“.

Eine transparente und nachhaltige Krankenhauspolitik müsse die Realität des ländlichen Raums und der gesamten Region berücksichtigen. Bei der Entscheidung am 19. Februar gehe es um die Gesundheitsversorgung Tausender Menschen.

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