Was können Gemeinden gegen Leerstände tun? Um diese Frage zu beantworten, bietet die Agrarsoziale Gesellschaft Anfang April zwei Praxistage in Ansbach an. Für Organisatorin Andrea Moser ist der Dorfladen in Dombühl ein Paradebeispiel.
Bürgermeister Jürgen Geier ist stolz auf die Neugestaltung des Bahnhofsgeländes. Er erinnert sich noch daran, als er sich das ehemalige Bahnhofsgebäude im Wahlkampf 2014 ansah: „Die Bahn nutzte es seit etwa Mitte der 2000er nicht mehr und es war heruntergekommen.“ Ein Mann aus Bremen hatte es zwar 2011 ersteigert, aber er machte nichts damit und so war es weiter dem Verfall preisgegeben.
Nach seiner Wahl war es Geiers Ziel, das Gelände zu erwerben. Aber der Eigentümer wollte nicht verkaufen. Da griff Geier zu einem Trick: „Ich machte ihn immer wieder auf absturzgefährdete Ziegel und seine Verkehrssicherungspflicht aufmerksam.“ So kam es 2015 zur Einigung und der Markt wurde Eigentümer.
Geier hatte damals schon die Idee eines Dorfladens: „In Dombühl war die Nahversorgung weggebrochen. Viele fuhren zum Einkaufen in die Nachbarorte.” Es dauerte etwas, bis Geier die Gemeinderäte auf seine Seite gezogen hatte. Er stellte ein Konzept auf, beantragte Fördergelder und der Markt sanierte das gesamte Gebäude. Mit dem Betreiber schloss Geier einen Vertrag. Der Markt verpflichtet sich darin, auch für Defizite aufzukommen.
2021 war es dann so weit: Der Dorfladen eröffnete. Dazu gehört auch das Café Gleis D in einem neu geschaffenen Anbau. Der Innenbereich ist wie ein Zugabteil aufgebaut, von einer Wand schaut einen der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt aus einem Zug an: Er legte im Juni 1973 am Bahnhof Dombühl einen kurzen Stopp ein.
Auch wenn der Beginn allein schon wegen Corona etwas holprig war, sieht Geier ein Erfolgsprojekt: „Der Laden schließt nicht nur eine Nahversorgungslücke, sondern ist auch ein Ort der Begegnung und sozialer Treffpunkt.“ Der Betreiber setzt vor allem auf regionale Produkte. Die Gemeinde musste bisher gemäß der Vereinbarung Verluste ausgleichen. Geier rechnet nun 2025 erstmals mit einem Überschuss.
Ein Arzt aus Dombühl hat seine Praxis in den ersten Stock verlegt. Neben dem alten Bahnhofsgebäude modernisierte die Gemeinde auch den Platz davor. Der Markt investierte 4,5 Millionen Euro, 1,5 Millionen Euro gab es als Förderzuschuss. Für die alte Bahnhofsgaststätte suchte er einen Investor. Heute ist auch dieses Haus saniert und es befinden sich Sozialwohnungen darin.
Für Andrea Moser von der Agrarsozialen Gesellschaft ist die Umgestaltung des Bahnhofsgeländes ein Paradebeispiel, wie alten Gebäuden wieder Leben eingehaucht werden kann: „Hier wurde ein leerstehender Bau modern und multifunktional neu gestaltet. Dazu erfüllt er viele soziale Komponenten für die Gemeinschaft.“
Viele Gemeinden schrecke bei der Bekämpfung von Leerständen der Kontakt mit Eigentümern, die Beantragung von Fördermitteln oder die Suche nach Investoren ab. Darum will sie bei den Praxistagen „Leerstand gestalten“ am Mittwoch, 2. April, und Donnerstag, 3. April, in der Ansbacher Orangerie aufklären und motivieren. „Wir wollen Wissenslücken schließen“, sagt Andrea Denzinger, Regionalmanagerin im Landkreis Ansbach. Die Fachtagung ist bundesweit die erste ihrer Art und richtet sich gezielt an Gemeinden, Integrierte Ländliche Entwicklungen und Verwaltungen. Aber auch Privatpersonen können teilnehmen.
Die Fachvorträge am 2. April werden durch Exkursionen nach Schweinsdorf, Dombühl, Feuchtwangen, Neuhof, Erlbach und Langenfeld am Folgetag veranschaulicht. Denn für Moser sind die Landkreise Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim sehr aktiv: „Es gibt hier viele Beispiele. Darum und wegen der guten Erreichbarkeit fiel die Ortswahl für die ersten Praxistage auf Ansbach.“
Bürgermeister Geier kann an andere Gemeinden nur appellieren, motiviert gegen Leerstände vorzugehen: „Man braucht vor allem Mut und die Allerwenigsten trauen sich etwas. Nur mit Angst gelingt nichts.“
Infos und Anmeldung unter 0551/4970911 oder www.leerstand-aktivieren.de
Der Verein Agrarsoziale Gesellschaft (ASG) wurde am 30. November 1947 in Göttingen gegründet. Er umfasst etwa 240 Mitglieder. Dazu gehören Privatpersonen, Verbände, aber auch die Bundesländer. Die Organisation versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Mitarbeiterin Andrea Moser sagt: „Unser Fokus liegt auf den Menschen im ländlichen Raum.“