Es ist eine besondere Situation: Drei Bürgermeisterkandidaten hat es in Merkendorf bislang nicht gegeben. Die beiden Stadträte Jeffrey Hausmann und Andre Höger fordern Amtsinhaber Stefan Bach heraus.
Es gibt im Stadtrat von Merkendorf drei Gruppierungen: das Bürgerforum, die Bürgerallianz Merkendorf und Ortsteile (BAMO) und CSU/Freie Wähler. Wobei Letzteres kein Zusammenschluss von CSU und Freien Wählern ist, sondern seit jeher dafür steht, dass die beiden Gruppierungen ihre Wahlvorschläge zu einer gemeinsamen Liste vermengen.
In den Sitzungen geht es harmonisch zu. Es wird sehr sachlich diskutiert. Viele Entscheidungen fallen einstimmig oder mit großer Mehrheit. Dennoch hat Amtsinhaber Stefan Bach (Bürgerforum) Konkurrenz. Jeffrey Hausmann (BAMO) und Andre Höger (CSU) geht manches zu langsam. „Ich erwarte mir von einem Bürgermeister, dass er auch einmal auf den Tisch haut”, sagt Hausmann. „In der Position kann man es nicht immer allen recht machen.” Höger stößt ins selbe Horn, drückt das aber anders aus: „Ich bin jung und motiviert. Und ich habe viel Energie.”
Bach kontert: „Auf den Tisch zu hauen, ist nicht immer zielführend.” Beim teuersten Projekt der Stadt, dem Umbau der Brauerei Hellein zur Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern und zusätzlichen Büroflächen für die Stadtverwaltung, ist aus seiner Sicht der Faktor Zeit nicht der entscheidende. „Das muss am Ende so sein, dass da jemand Geld verdienen kann.” Sonst sei es keine nachhaltige Lösung.
Stefan Bach ist seit sechs Jahren im Amt. Er war damals der Wunschnachfolger von Bürgermeister Hans Popp, der für Bürgerforum und CSU angetreten ist. Diese Rückendeckung fehlt ihm diesmal. Dafür hat Bach als Amtsinhaber die Favoritenrolle inne. Der 47-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und bei BMW und MAN gearbeitet. Er ist verheiratet und Vater von 16-jährigen Zwillingen. Wenn er nicht im Rathaus ist, erklimmt er zu Fuß oder mit dem Fahrrad irgendeinen Berg.
Jeffrey Hausmann ist bereits vor sechs Jahren als Bürgermeisterkandidat angetreten. Er kam im Duell mit Bach auf knapp 31 Prozent. Hausmann ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 15 Jahren. Nach fast 20 Jahren bei der Bundeswehr (zuletzt als Hauptfeldwebel) wechselt er nun als Angestellter in den öffentlichen Dienst. Er engagiert sich vielfältig im Ehrenamt und findet seinen Ausgleich beim Wandern und Radfahren.
Der jüngste im Bunde ist Andre Höger mit 32 Jahren. Er ist Vater einer zweijährigen Tochter, das zweite Kind ist unterwegs. Er arbeitet als Ingenieur bei einer Maschinenbaufirma im Landkreis. Während die beiden anderen Bewerber im Hauptort wohnen, lebt Höger mit seiner Familie im Ortsteil Hirschlach und kann ebenfalls auf eine Vielzahl an Ehrenämtern verweisen.
Alle drei Gruppierungen sind in den kommenden Wochen unterwegs und versuchen, zu erklären, wofür sie stehen. Fragt man nach den Projekten, die die Stadt in den kommenden sechs Jahren angehen muss, fallen bei allen drei Kandidaten ähnliche Schlagwörter, wenn auch in unterschiedlicher Reihenfolge: das Brauereiprojekt, die Kläranlagenmodernisierung, die Mittagsbetreuung an der Grundschule, neue Radwege, die Umgestaltung des Marktplatzes mit dem wuchtigen Kriegerdenkmal.
Für Jeffrey Hausmann, den Vorsitzenden der Soldatenkameradschaft, ist es besonders wichtig, dass das Mahnmal zentral in der Altstadt bleibt. Höger möchte hingegen Visualisierungen erstellen lassen und dann die Bürger befragen. „Das ist ein sehr emotionales Thema.”
Das sieht Stefan Bach ähnlich. Er kann sich vorstellen, mit einem Ratsbegehren den Willen der Bürgerschaft abzufragen. Doch aus Bachs Sicht sollte zunächst das Brauereiprojekt in die Umsetzung gehen. Und klar ist für ihn auch, dass die Flächen in der Altstadt nicht zu großzügig verstellt werden dürfen. „Wir brauchen den Platz für Veranstaltungen.”
Was neue Baugebiete angeht, sind sich die drei Bürgermeisterkandidaten einig, dass in den Ortsteilen unterstützt werden sollte, wenn dort Bedarf besteht, weil Einheimische bauen wollen. Höger hält zudem das baldige Ausweisen eines neuen Baugebietes in der Kernstadt für sinnvoll. Bach sieht das ähnlich. Das würde wohl nördlich des Einsteinrings geschehen.
Hausmann setzt eher auf Nachverdichtung. „Wir haben in Merkendorf mehr als 50 freie Bauplätze”, sagt er. Er glaubt, dass sich im Gespräch mit den Eigentümern Möglichkeiten auftun können. Bach hätte ebenfalls gern mehr Nachverdichtung, weiß aber aus Erfahrung, dass das leichter gesagt als getan ist.
Einen Schwerpunkt will Hausmann auf die Sanierung der Ortsverbindungsstraßen legen. „Die sind mir wichtig, und da haben wir Nachholbedarf.” Bach findet hingegen, dass schon einiges passiert ist, weitere Projekte sind auf den Weg gebracht. Im Kernort hat man mit Straßensanierungen zuletzt abgewartet, um nicht mit den Planungen fürs Nahwärmenetz zu kollidieren. Aber nachdem in diesem Jahr mit dem Baubeginn zu rechnen ist, kann es nun auch hier weitergehen, sagen Bach und Höger unisono.
Gänzlich unterschiedlich bewerten die drei Kandidaten die geplante Ortsumfahrung der B13. Stefan Bach begrüßt angesichts der Verkehrsbelastung im Ort die Planungen des Staatlichen Bauamtes. Er sieht gute Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt – auch in Sachen eines neuen Gewerbegebietes. Höger hält das Vorhaben nicht für notwendig, will sich aber auch nicht dagegenstellen. Die BAMO steht der Umgehung skeptisch gegenüber. „Mit einem Bürgerentscheid wäre das Projekt noch zu stoppen”, kommentiert Hausmann vielsagend.